Gesamtschule Kempen und Rhein-Maas-Berufskolleg kooperieren

Kempen : Schulen arbeiten enger zusammen

Ein großer Moment für die Gesamtschule und das Rhein-Maas-Berufskolleg: Ein Kooperationsvertrag sorgt für eine künftig noch nähere Zusammenarbeit. Am Donnerstag wurde er unterzeichnet.

Das Rhein-Maas-Berufskolleg des Kreises Viersen und die Gesamtschule Kempen haben am Donnerstag ihre Zusammenarbeit besiegelt und einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Die gemeinsamen Bestrebungen laufen bereits: „Nun soll die Partnerschaft weiter intensiviert werden“, sagt Elke Terbeck, Leiterin des Berufskollegs. Dadurch könnten sich beide Standorte gegenseitig sichern: „Wir arbeiten miteinander, nicht gegeneinander“, betont Terbeck.

Uwe Hötter, Leiter der Gesamt­schule, sieht die Vorteile der Zusammenarbeit besonders, wenn es um die Oberstufe geht, die sich auf die Gesamtschule zubewegt. „Jeder Schüler soll nach der Klasse 10 individuell beraten und gefördert werden“, sagt Hötter. Es müsse nicht Ziel sein, dass jeder Schüler Abitur macht. Beim Übergang auf eine andere Schule, etwa das Berufskolleg, bekommt jeder Schüler ein individuelles Portfolio, das Informationen über den schulischen Werdegang und die berufliche Perspektive enthält.

Gesamtschüler können künftig nach Vereinbarung die Werkstätten des Berufskollegs im Rahmen von „Entdeckungstagen“ nutzen und werden dabei von Lehrkräften betreut. Hintergrund: Im Handwerk suchen die Betriebe händeringend nach Nachwuchskräften, nicht jeder Schulabgänger muss sich unbedingt für einen White-Collar-Beruf entscheiden. Nach einem Probezeitraum von zwei Jahren fassen die Schulen eine gemeinsame Arbeitsgemeinschaft „Werkstatt-Entdeckungststage“ ins Auge.

Weiterer wichtiger Baustein der künftigen Zusammenarbeit ist eine gemeinsame Sport-AG. Im Laufe des ersten Jahres wird festgelegt, welche Sportarten und Wettbewerbe sowie Teamstrukturen praktiziert werden sollen.

Zum Überblick über schulische und berufliche Perspektiven gibt es künftig für die Jahrgangstufen 9 und 10 der Gesamtschule am Berufskolleg einmal im Jahr in verschiedenen Fächern Schnupperunterricht. Noch weiter geht der ebenfalls vereinbarte Punkt, dass ausgewählte Schüler beziehungsweise Lerngruppen der Klassen 9 und 10 aus der Gesamtschule verpflichtend an Veranstaltungen des Berufskollegs teilnehmen.

Robert Ingenhorst ist Lehrer am Berufskolleg und intensiv mit Kooperationen beschäftigt. Er besucht dabei viele Schulen, vereinbart „Schnupperbesuche“ und weiß: „In der Praxis läuft vieles schon.“ In Gesprächen mit den Leitern von Gymnasien erfährt er immer wieder, dass deren klares Ziel es ist, ihre Schüler möglichst alle zum Abitur zu führen. Einige scheitern schon früh. Andere sehen nach dem Ende der Sekundarstufe I ein, dass ein alternativer Abschluss für sie vielleicht der bessere wäre. Für die Bewältigung dieser sicher nicht einfachen Zeit setzen die Schulen auf das so genannte Übergangsmanagement – Möglichkeiten gibt es genug, man muss sie nur kennen und herausfinden, welcher Weg individuell der beste für den Jugendlichen ist.

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