Stadt Kempen: Gesamtschule gemeinsam gestalten

Stadt Kempen : Gesamtschule gemeinsam gestalten

Der neue Stadtrat wird den Start der neuen Schulform in Kempen ab Mitte August begleiten. Alle derzeit im Rat vertretenen Parteien sprechen sich für die Sicherung des Schulstandorts Kempen aus.

Die Schulpolitik war ein beherrschendes Thema der vergangenen zwei Jahre im Kempener Stadtrat. Da wurde zunächst über das Auslaufen der Friedrich-Fröbel-Grundschule im Kempener Norden heftig debattiert, dann - nach Jahren des Meinungsstreits - einvernehmlich die Einführung einer Gesamtschule für die Thomasstadt beschlossen. Ein weiteres Thema war der Fortbestand des Förderschulstandorts in St. Hubert und die Umsetzung der Inklusion, des gemeinsamen Unterrichts von behinderten und nicht-behinderten Kindern in allen Schulformen.

Bei aller unterschiedlicher politischer Grundhaltung oder spezieller Sichtweise einte die Kempener Kommunalpolitik der Wille, das hoch entwickelte Angebot an Schulen in der Thomasstadt auch langfristig zu sichern. Die Elternbefragung, als dessen Ergebnis die Einrichtung einer Gesamtschule und das Auslaufen von Haupt- und Realschule politisch beschlossen wurde, hat die Zielrichtung aufgezeigt. Beim Thema Inklusion sieht sich Kempen sogar - bezogen auf den Kreis Viersen - durchaus in einer Vorreiterrolle.

Nachdem die CDU sich über viele Jahre für den Erhalt des traditionellen dreigliedrigen Systems bei den weiterführenden Schulen aus Haupt- und Realschule sowie Gymnasium stark gemacht und erst aufgrund der jüngsten Anmeldezahlen und des Ergebnisse des Elternbefragung an den Grundschulen umgeschwenkt ist, stehen die Christdemokraten nun hinter dem neuen zweigliedrigen Schulsystem mit zwei Gymnasien und einer Gesamtschule. "Aber auch Haupt- und Realschule verdienen bis zur Schließung 2019 unsere uneingeschränkte Unterstützung", betont CDU-Fraktionschef Wilfried Bogedain. Kempen müsse eine "Schulstadt mit einem breiten Bildungsspektrum" bleiben.

Die Inklusion will die CDU behutsam umsetzen. Bogedain: "Verordnete konzeptlose Inklusion lehnen wir vehement ab. Jedes Kind verdient die Förderung, die es braucht, um individuelle Ziele zu erreichen. Wir erwarten daher vom Land verlässliche Rahmenbedingungen, insbesondere zusätzliche Lehrerstellen und kleinere Klassen."

Die CDU will in den nächsten Jahren verstärkt in die Sanierung der Schulen investieren, wozu auch die WC-Anlagen gehören. Gleichzeitig soll die Ausstattung aller Schulen mit hochwertigen Lehr- und Lernmitteln sowie aktueller Technik und leistungsfähigen IT-Netzwerken fortgesetzt werden.

Für die Kempener SPD ist die Einführung der Gesamtschule die Erfüllung einer mehr als 30 Jahre alten Forderung. "Wir werden das Gelingen dieser Schulform hier in Kempen auch in Zukunft begleiten und unterstützen", betont der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Gareißen. Dabei sei es auch Wunsch der SPD, dass die Schüler in möglichst kleinen Klassen unterrichtet werden und dass die Inklusion in Kempen gelingen möge. Gareißen: "Wir werden aus diesem Grunde mit den zuständigen Stellen beim Land in Kontakt bleiben und das Erforderliche weiterhin einfordern."

Weiteres wichtiges Thema aus Sicht der Sozialdemokraten: Die energetische Sanierung der Schulgebäude wurde mit den Mitteln aus dem Konjunkturpaket begonnen. Da die Mittel aber nur für eine teilweise Sanierung ausreichten, müsse jetzt überlegt werden, wie man diese energetische Sanierung fortsetzen kann, so die SPD.

Auch die Grünen zählten über Jahre zu den vehementen Befürwortern einer Gesamtschule für Kempen. Insofern feiern sie die jetzige Einführung auch als Erfolg ihrer hartnäckigen politischen Arbeit in dieser Sache. "Seit Jahren setzen wir uns für die Ermittlung des Elternwillens sowohl im Grundschul- als auch im weiterführenden Schulbereich ein und die Umsetzung der Gesamtschule" betont Grünen-Fraktionschef Joachim Straeten.

In diesem Zusammenhang gehen die Bündnisgrünen davon aus, dass der Grundgedanke der Inklusion einer barrierefreien Teilhabe auch an den weiterführenden Schulen in Kempen zeitnah mit umgesetzt wird. Nachdem sich der "künstlich hochgehaltene" Finanzierungsstreit in Luft aufgelöst habe, könne die schulische Inklusion vor Ort gelingen.

Für die Zukunft der Förderschulen gelte es anhand des Bedarfes Brückenlösungen zu planen und interkommunale Lösungen im Kreis Viersen zu prüfen und umzusetzen. In Sachen Offene Ganztagsschule (OGS) sei es wichtig, angesichts der großen Nachfrage nach OGS-Plätzen die Schulen entsprechend auszustatten.

Schulpolitik muss nach Ansicht der FDP "immer eine Politik der langen Linien sein". Die Schulen dürften nicht ständig neuen Reformen unterworfen werden. "Die Schulen mitsamt Schülern und ihren Eltern bleiben für uns weiterhin Partner und nicht Spielball ideologischer Grabenkämpfe", erklärt die FDP. Für die Freien Demokraten ist es wichtig, dass "die Zukunftsfähigkeit unseres guten Bildungsstandorts erhalten" bleibt. Die Errichtung der Gesamtschule sei notwendig gewesen, um die Wahlfreiheit der Eltern vor Ort zu sichern. "Für die weitere Zukunftsfähigkeit des Bildungsstandortes ist aus unserer Sicht jetzt das Wichtigste, die Förderschule in St. Hubert zu erhalten. Auch wenn wir die Inklusion uneingeschränkt unterstützen, gibt es Eltern, die ihre Kinder an einer Förderschule besser gefördert wissen wollen. Diesen Kindern muss weiterhin ortsnahe Beschulung angeboten werden", betont die FDP-Fraktionsvorsitzende Irene Wistuba.

Die Freien Wähler sind für die Beachtung des Elternwillens in allen Kindergarten- und Schulfragen. "Unzufrieden waren wir deshalb über die Entscheidungsfindung bezüglich der Grundschule im Kempener Norden: Eine Elternbefragung wurde von CDU und FDP leider verhindert, so dass nur die Konfessionsschule übrig blieb", kritisiert Fraktionschef U do Kadagies.

In Sachen Gesamtschule begrüßen auch die Freien Wähler den Versuch, den guten Geist der Haupt- und Realschule auf die neue Schule zu übertragen. Auch sie sprechen sich für kleinere Klassengrößen aus, um die Inklusion in allen betroffenen Schulen angemessen umsetzen zu können.

(RP)
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