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Gesamtschüler reinigen Stolpersteine in Kempen

Gedenktag zum Holocaust in Kempen : Achtklässler reinigen Stolpersteine in Kempen

Zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus reinigten am Donnerstag Schülerinnen und Schüler der Kempener Gesamtschule die Stolpersteine in der Stadt. Eine Aktion mit Symbolkraft.

Seit 1996 ist in Deutschland der 27. Januar ein Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 2005 erinnert er im In- und Ausland an den Holocaust. In Kempen bewirkte das Datum am Donnerstag eine eindrucksvolle Aktion: Schülerinnen und Schüler der Klasse 8e der Gesamtschule reinigten mit einem Mix aus Salz und Essig-Essenz die Messingtäfelchen auf den 64 Stolpersteinen, die seit 2015 in der Stadt verlegt worden sind.

Vor dem Haus Alte Schulstraße 10 liegt eine größere Gruppe der Gedenksteine. In dem kleinen Gebäude, das dem jüdischen Viehhändler Albert Goldschmidt gehörte, lebten im November 1941 acht Menschen auf engem Raum zusammengepfercht. Als Anfang Dezember der Bescheid zum Abtransport in das Ghetto der lettländischen Hauptstadt Riga eintraf, beging Albert Goldschmidts Sohn Leo (44) Selbstmord. Er war bereits nach der Pogromnacht im November 1938 ins KZ Dachau deportiert worden und krank zurückgekommen: Lieber den Tod als noch einmal das KZ.

Am 10. Dezember 1941 wurden die Eheleute Rudolf (41) und Selma Bruch (38) mit ihrer siebenjährigen Tochter Ilse nach Riga deportiert. Dort starb Rudolf Bruch, der mit anderen beim Bau eines neuen Konzentrationslagers Zwangsarbeit leisten musste, im Januar 1942 an Hungertyphus. Als Ilse am 2. November 1943 von Riga nach Auschwitz gebracht wurde, weil das Kind zu den „unnützen Essern“ zählte, fuhr ihre Mutter Selma freiwillig mit. Sie ging mit ihrer Tochter in die Gaskammer, um sie im Tod nicht allein zu lassen.

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Nur einer kam mit dem Leben davon: Selmas und Rudolfs Sohn Herbert Bruch. Seiner Familie war es 1939 gelungen, ihn in die Niederlande in vermeintliche Sicherheit zu bringen. Aber dann überfiel 1940 die deutsche Wehrmacht das Land. Unter dramatischen Umständen gelang es Herberts niederländischer Pflegefamilie, den siebenjährigen Jungen über den Kanal nach England zu retten. Herbert Bruch hat später mit seiner Heimatstadt Kempen nichts mehr zu tun haben wollen. Aber sein Sohn Richard, der in Washington lebt, fühlt sich am Niederrhein verwurzelt. Er bemüht sich neuerdings, mit Hilfe der Kempener Stolperstein-Initiative die deutsche Staatsangehörigkeit zu bekommen. Er möchte die Schatten der Vergangenheit überwinden helfen.