Mirco-Prozess: Gericht räumt Spekulationen über anderen Täter aus

Mirco-Prozess : Gericht räumt Spekulationen über anderen Täter aus

Mit der Vernehmung weiterer Zeugen ist am Montag der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des zehnjährigen Mirco aus Grefrath fortgesetzt worden. Das Krefelder Landgericht wollte damit Spekulationen ausräumen, wonach der angeklagte Olaf H. mit seinem Geständnis jemanden decken könnte.

Die zweite Ex-Frau des Angeklagten wiederholte am Montag ihre Vermutung, dass Olaf H. mit seinem Geständnis versuchen könnte, jemanden zu schützen. Für sie gebe es nur zwei Möglichkeiten. "Entweder sind es wirklich zwei Persönlichkeiten oder er schützt jemanden", sagte sie. Einen Verdacht, wen er decken könnte, habe sie jedoch nicht.

Der Angeklagte selbst ließ über seinen Verteidiger mitteilen, die pornografischen Fotos, die auf einem Computer in seinem Haushalt gefunden wurden, seien "definitiv nicht" von ihm.

Der Richter betonte, dass sich im Laufe der Vernehmungen keinerlei Anhaltspunkte ergeben hätten, die darauf hinweisen könnten, dass Olaf H. durch sein Geständnis einen anderen Täter habe schützen wollen.

Im Laufe des Tages wurde eine weitere Person aus dem persönlichen Umfeld von Olaf H. als Zeuge gehört. Die Öffentlichkeit wurde dafür ausgeschlossen. Der Vorsitzende Richter betonte auch hier mehrfach, dass es keinen Anlass gebe anzunehmen, dass die Person etwas mit der Tat zu tun habe.

Olaf H. verliert derweil immer mehr an Glaubwürdigkeit, sein Motiv ist weiter unklar. Der Angeklagte hatte angegeben, am Tag der Tat habe es eine heftige telefonische Auseinandersetzung mit seinem damaligen Vorgesetzten gegeben. Deshalb habe er unter starkem Stress gestanden. Der Vorgesetzte hatte dies bestritten: Er habe sich zu diesem Zeitpunkt in London aufgehalten. Wie das Gericht am Montag mitteilte, hatte der Vorgesetzte anschließend Mobilfunkrechnungen eingereicht, die keine Hinweise auf ein Gespräch mit Olaf H. an diesem Tag ergeben hätten.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 45 Jahre alten Familienvater Olaf H. aus Schwalmtal vor, den Jungen am 3. September vergangenen Jahres am Ortseingang von Grefrath entführt und ihn später im südlichen Kreis Kleve missbraucht und ermordet zu haben.

Der Prozess wird am Freitag fortgsetzte. Dann hat das Gericht die Stellungnahme des Gutachters Dr. Martin Albrecht zur Schuldfähigkeit des Angeklagten vorgesehen. Am Montag, 26. September, sollen Staatsanwaltschaft und Verteidigung ihre Plädoyers halten. Das Urteil soll am 29. September verkündet werden.

(dapd/areh)