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Gerhard Kuhl stellt in der Galerie dreivier von Ingrid Filipczyk aus

Ausstellung „en passant“ in der Galerie dreivier in Kempen : Ein Fundstück für den Kunstsalon

In der Galerie dreivier in Kempen stellt auch Gerhard Kuhl im Rahmen der Ausstellung „en passant“ aus. Die Idee für das Objekt kam ihm bei einer Fahrradtour.

Lange stand das Kunstobjekt in dunkle Folie gewickelt und mit Klebeband fest verschnürt im Hof des Hauses an der Ellenstraße in Kempen, in dem Gerhard Kuhl lebt. Am vergangenen Donnerstag wurde es in der Galerie dreivier von Ingrid Filipczyk an der Moosgasse 8 enthüllt. Kuhl beteiligt sich mit dieser Skulptur und einigen Fotografien bis zum 13. August an der Ausstellung „en passant“.

Wie die Idee zu dem Objekt entstand: „Auf einer Fahrradtour entdeckte ich eine Plakatwand mit vielen abgerissenen Schichten. Halb zu lesen, halb zu erahnen war der Schriftzug ‚Eine große Katastrophe ist das‘. Das musste ich einfach fotografieren.“ Schnell wurde ihm klar: Dieses Fundstück passt zu der Ausstellung „en passant“ bei Ingrid Filipczyk. Aus einem Betonfuß und einer Radspeiche entwickelte der Fotograf und bildhauerisch Tätige ein Objekt. Stillstand und Bewegung stecken in dieser Anordnung von Dingen, die ursprünglich nicht zusammengehörten. Und eine große Katastrophe mag dieses Rad auch hinter sich haben. Die Fotografien, so Kuhl, bilden den Kontrast dazu: Den Ideengeber, das Bild der Reklametafel, begleiten Bilder von tiefblauem Himmel, dessen Ruhe allerdings von beispielsweise Kondensstreifen gestört wird. Gerhard Kuhl lässt sich vom Gesehenen und Entdeckten, dazu gehören auch interessante Schrottteile, die er sammelt, treiben. Er ist Mitglied im Kempener Kunstverein und in der Krefelder Initiative „35 Blumen“. An der Engerstraße 53 hat Kuhl ein kleine Schaufenstergalerie. Der 65-jährige, der jahrzehntelang in der Orthopädie in Süchteln als Krankenpfleger gearbeitet hat, bezeichnet sich als einen „Bewahrer des Schönen“. Mit seiner Kamera hält Kuhl Kleinigkeiten fest, an denen die Menschen oft ahnungslos vorbeigehen. „Ich will nicht das fotografieren, was alle fotografieren“, so lautet sein Statement.

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Also findet und fotografiert er die „Ars bitumica“. Dahinter verbirgt sich die Welt des Asphalts. Der wird regelmäßig ausgebessert, die Risse und Spalten werden mit Bitumenstreifen versiegelt. Wo andere nur Teer sehen, entdeckt Kuhl anmutige Figuren, Buchstaben, Blumen und zartgliedrige Tiere. Wo andere nur Steine sehen, die im Weg stehen, entdeckt Kuhl die Welt der Kratzsteine in Kempen. Und fotografiert sie.

Aus den Kratzsteinen ist ein Buch geworden, in dem neben den Steinen, die verhindern sollten, dass die Pferdewagen die Hausecke nicht beschädigten, auch die attraktiven Maueranker und Fassadenköpfe Kempens gezeigt werden. „Spuren der Geschichte in Kempen“ heißt das Buch. Dem folgte ein zweites: „Historische Bodenfliesen in Kempener Häusern“, in denen er die bunten Bodenschätze ganz besonderer Art mit seiner Kamera festhielt.

Früher fotografierte Kuhl analog, mit einem 36er Film. Längst ist die Kamera digital geworden, meist zückt auch er das Handy, aber das Gefühl, dass Fotos kostbar sind, hat er immer noch: „Entweder ist das Bild gut oder nicht. Ich bin kein Freund von Bildbearbeitung“, sagt Kuhl. Neben der Fotografie und den Objekten gehört auch die Malerei und das Schreiben zu den Möglichkeiten Kuhls, sich kreativ auszudrücken. In Ausstellungen in Kempen, Krefeld und Bad Bellingen zeigte er bislang seine Arbeiten.

Info Die Ausstellung in der Galerie dreivier an der Moosgasse 8 ist bis Samstag, 13. August, donnerstags und freitags von 15 bis 18 Uhr und samstags von 11 bis 14 Uhr zu sehen.