Gemeinde Grefrath: Gedenkfeier für jüdische NS-Opfer in Grefrath

Gemeinde Grefrath: Gedenkfeier für jüdische NS-Opfer in Grefrath

Am Mahnmal an der Laurentiuskirche gedachten gestern rund 100 Grefrather der Juden, die Opfer des Nationalsozialismus wurden.

"Nie mehr darf sein, was gewesen ist" — mit prägnanten Sätzen wie diesem wurde am Sonntagvormittag der Opfer des nationalsozialistischen Terrors gedacht. Rund 100 Menschen versammelten sich nach dem Gottesdienst am jüdischen Mahnmal zur ökumenischen Gedenkfeier vor der St. Laurentiuskirche. Diese findet in Grefrath immer an einem Sonntag im Januar statt. Anlass ist die Auschwitz-Befreiung durch die Rote Armee am 27. Januar 1945. Seit einigen Jahren ist dies der bundesweit zentrale Gedenktag für den Völkermord.

Irmgard Tophoven machte in ihrer Ansprache die Ausmaße des Pogroms und dessen "unvorstellbaren Grauen" deutlich. Sie verlas die Namen der 25 Juden, die in Grefrath und Oedt lebten und durch die Nazis entrechtet, verfolgt und deportiert wurden. "Sie waren Mitglieder in Sportvereinen, engagierten sich bei der Freiwilligen Feuerwehr, beim Roten Kreuz oder in Musikvereinen", sagte Tophoven und gab damit den ermordeten Mitbürgern ein Gesicht.

Pfarrerin Münzenberg freute sich besonders über das Erscheinen vieler Jugendlicher

Die neue Grefrather Pfarrerin Barbara Münzenberg, die sich nach eigener Aussage "recht gut eingelebt" hat, fand es beeindruckend, wie die Grefrather das Gedenken wachhalten. "Heute geht es darum, aus der Geschichte zu lernen. Wir müssen uns bewusst darüber werden, was passiert ist, und es bleiben", appellierte die Geistliche.

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Besonders freute sie sich über die zahlreich erschienenen Jugendlichen: "Ihr werdet das Gedenken weitertragen. Es geht immer darum, die Menschenwürde zu achten." Mit einer persönlichen Geschichte machte Münzenberg darauf aufmerksam, dass die Erinnerung immer auch etwas sehr persönliches ist. "Wir müssen darüber sprechen und versprechen, dass wir für Würde und gegen das Vergessen einstehen", sagte sie abschließend.

Quadflieg: "Es braucht unseren Einsatz!"

Die Firmlinge der St.- Benedikt-Pfarre brachten sich bei der Gedenkfeier ebenfalls ein. So stellte ein Mädchen eingangs die provokante Frage: "Warum soll ich trauern, was geht mich das an?" Immerhin sei die Zukunft der Jugend nicht in der Vergangenheit zu suchen. Ihre Kameraden machten alsbald deutlich, worum es beim Gedenken geht: "Es geschah bei uns, am helllichten Tag, flächendeckend!" Und weiter: "Es waren Leute von uns. Nie mehr darf sein, was gewesen ist!"

Bürgermeister Manfred Lommetz dankte allen Teilnehmern der Gedenkfeier und mahnte: "Vergessen ist eine Entehrung der Opfer." Pfarrer und Regionaldekan Johannes Quadflieg sprach jeden einzeln an, als er sagte: "Es braucht unsere Tat, unseren Einsatz, unsere Gedanken für ein friedfertiges Miteinander."

(RP)
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