Gastspiel von Liza Kos im Forum St. Hubert

Kabarett : Wenn eine Russin deutsche Kultur kennenlernt

Die Kabarettistin Liza Kos berichtete im St. Huberter Forum über ihre besonderen Erfahrungen mit der Integration.

Zum Ende der Spielzeit gab es in der Kempener Kulturreihe „Comedy & Kabarett” noch einmal einen interessanten Abend im St. Huberter Forum. Die Künstlerin Liza Kos lässt sich nicht unbedingt in ein bestimmtes Genre einordnen. Sie ist Kabarettistin, Sängerin und offensichtlich spielt sie einfach gerne auf der Bühne sowie mit ihrem Publikum.

„Was glaub ich, was ich bin?” fragt sie in ihrem Programm. Geboren in Moskau, dann mit den Eltern nach Deutschland ausgewandert, hat sie verschiedene Arten der Integration vollzogen. Die Freundschaft mit einem jungen Mann mit türkischstämmigen Wurzeln hat sie mit dem Islam vertraut gemacht. Schon nach kurzer Zeit habe sie perfekt türkisch sprechen können. Als aber diese Liebe, von der zumindest ein halb türkisches Kinder übrig geblieben sei, beendete, folgte ein Verbindung mit einem Deutschen. Also wieder eine ganz neue Welt. Diese mischt sie aber froh gemut mit ihren russischen Wurzeln.

Heraus gekommen sei eine in drei Persönlichkeiten gespaltene Frau, erzählt sie. Und so schlüpft sie mit viel Geschwindigkeit den ganzen Abend in die verschiedenen Rollen ihrer Persönlichkeiten. Der rote Faden sind dabei die vielen Vorurteile und Klischees. Klar, dass die Russin sich das Leben mit Wodka schön trinkt. Ebenso wie die Türkin dies ablehnt. Und die Deutsche sehr skeptisch auf den Alltag ihrer Umgebung schaut.

Sie hat festgestellt, dass Deutsche immer freundlich sind. Aber dies fordere Kraft und mache überdies Falten. Noch anstrengender ist es für die Russin, sich mit dem deutschen Karneval anzufreunden. Der birgt noch mehr Fallstricke für die muntere Person. Muss sie doch Bier trinken und sich seltsame Lieder über tätowierte Rosen auf dem Hinterteil oder Haare auf der Brust anhören. Wie soll man – oder genauer gesagt frau – das alles verstehen? Vor allem wenn in ihrem Kopf immer die verschiedenen Identitäten herum toben.

Also schlüpft sie kurzerhand mit Kopftuch in eine anatolische Haut und hält dem Publikum genussvoll den Spiegel vor. Nein, sie ist nicht untertänig, wenn sie ihrem Mann fünf Schritte hinterher geht. Vielmehr hat sie so die gute Möglichkeit zu sehen, wohin seine Blicke schweifen und im Zweifelsfall mit den zwei vollgepackten Einkaufstaschen, die natürlich sie schleppt, handgreiflich einzugreifen. Man hat förmlich das Bild vor Augen, wie sie da den Mann attackiert. Ausgesprochen schön und schon fast ein wenig ernst ist ein Text, in dem sie alle Klischees auf den Kopf stellt. Denn es ist nie alles so, wie man es sich landläufig zurecht gebastelt hat. Im Endeffekt, so stellt sie mit diesem Text fest, ist ihr Name Mensch. Wer mehr wissen wolle, müsse sie fragen. Also nicht einfach die Vorurteile bedienen.

Zu den Texten kommen noch gut gemachte Chansons. Die größte Stärke von Liza Kos ist sicherlich, dass sie nicht auf Lacher setzt, sondern mehr darauf, ihr Publikum zum Nachdenken zu bringen. Die Besucher folgen ihr offensichtlich gerne mit sehr viel Herzlichkeit und Verstand. Einziger Schwachpunkt ihres Programms ist die Fixierung auf ein Thema. Dies wird mit der Zeit anstrengend. Zwar beleuchtet sie alles mit gutem Tempo und Geist, aber es fehlt dann doch auf die Dauer ein wenig die Abwechslung.

Info: Die neue Spielzeit in der Reihe „Comedy & Kabarett“ beginnt im Forum St. Hubert am Montag, 23. September, und Dienstag, 24. September, mit der Niederrheinerin Frau Kühne, die dann mit ihrem Programm „Okay, mein Fehler” ihre Alltagsgeschichten erzählt.

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