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Gastbeitrag von Propst Thomas Eicker aus Kempen zum Aschermittwoch 2021

Gastbeitrag zum Aschermittwoch : Fasten für Leichtigkeit

Der Aschermittwoch 2021 ist ohnehin schon geprägt von der Enthaltsamkeit, die die Pandemie mit sich bringt. Propst Thomas Eicker schreibt über das Fasten in besonderer Zeit.

Mit dem Aschermittwoch beginnt für die Christen als Vorbereitung auf das Osterfest die Fastenzeit. Viele haben in den letzten Tagen schon abgewunken: „Dieses Jahr verzichte ich auf das Fasten. Schließlich verzichten wir in den letzten Monaten ja schon mehr als genug.“ Dabei will Fasten keine erzwungene Einschränkung sein, sondern eine Befreiung. Es ist kein Spaßverderber wie das Virus, sondern ein Ermöglicher von neuer Lebenslust.

Jedes Frühjahr, wenn das Schwere des Winters dem neu aufkeimenden Leben weicht, möchte sich auch der empfindsame Mensch neu aufstellen; schüttelt die alte Behäbigkeit ab und macht Raum für Frühlingsgefühle, die einen beflügeln und neuen Schwung geben. Ein kluger Mann, Johannes Chrysostomus, hat bereits vor 1600 Jahren die Chance des Fastens erkannt, wenn er schreibt: „Das Fasten ist die Speise der Seele. Wie die körperliche Speise stärkt, so macht das Fasten die Seele kräftiger und verschafft ihr beweglichere Flügel, hebt sie empor und lässt sie über himmlische Dinge nachdenken, indem es sie über die Lüste und die Freuden des gegenwärtigen Lebens erhaben macht. Wie leichte Fahrzeuge das Meer schneller durchqueren, schwerbelastete Schiffe aber untergehen, so macht das Fasten die Gedanken leichter.“

Was kann uns Lockdown-geplagten Menschen also helfen zu einer neuen Leichtigkeit und einer neuen Freude am Leben? Ein langer Spaziergang mit einem guten Freund? Der Vorsatz, jeden Tag etwas zu tun, was einem selbst Freude macht, auch wenn andere darüber nur den Kopf schütteln? Beim Einzelhändler, Friseur oder Gastronom beim nächsten Besuch mehr auszugeben, als man als Gegenleistung zurückerhält? Oder ein Eine-Welt-Projekt mit einer guten Spende zu unterstützen, im Wissen, dass die allermeisten Menschen auf dieser Welt erheblich mehr gerade leiden als wir? Und das alles ohne großes Aufsehen. Jesus empfiehlt:

„Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der im Verborgenen ist.“ Versprochen ist eine neue Lebensqualität, weil sie leicht und lebendig macht.