Gartenbau und die Hitzewelle

St. Hubert : Der Gartenbau und seine Problemlagen

Auch der Gartenbau hat nach monatelanger Trockenheit wirtschaftliche Probleme. Diese dürften bei der aktuellen Dürre-Diskussion nicht vergessen werden, so der Landesverband und der niederrheinische Vermarkter Landgard.

Das regnerische und trübe Wetter am Freitagmorgen passte nicht ganz zum Thema. Denn bei einem gemeinsamen Pressegespräch des Landesverbandes Gartenbau NRW und der niederrheinischen Erzeugergemeinschaft Landgard in der Gärtnerei Theuerkauf in St. Hubert ging es um den Klimawandel und die damit verbundene aktuelle Dürre-Diskussion. Beide Organisationen appellierten an Politik und Verbraucher: Bringt mit grünen Produkten nachhaltige Hilfen gegen den Klimawandel in die Städte. Es ging aber auch um die wirtschaftlichen Probleme der Gartenbaubetriebe. Die dürften nicht vergessen werden.

Der Ort der Veranstaltung lag für die Präsidentin des Landesverbandes Gartenbau NRW nahe: Denn Eva Kähler-Theuerkauf – in Kempen auch als ehemalige Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes und Stadtratsmitglied bekannt – genoss sichtlich ihr Heimspiel im eigenen Betrieb. Sie setzt sich seit einigen Jahren im Berufsverband für die Interessen ihre vielen Kolleginnen und Kollegen ein, die landesweit Gartenbau in zumeist inhabergeführten Familienbetrieben betreiben. Der Landesverband hat mehr als 2000 Mitglieder. Eva Kähler-Theuerkauf vertritt ihre Interessen genauso nachdrücklich und charmant, wie sie es für die Kempener Christdemokraten während ihrer Zeit als CDU-Vorsitzende getan hat.

Eva Kähler-Theuerkauf stand gestern der Vorstandsvorsitzende von Landgard, Armin Rehberg, zur Seite. Er ist Chef einer der größten europäischen Vermarktungsorganisationen, die von Herongen aus die Blumen und Pflanzen sowie Obst und Gemüse im Zusammenschluss von 3300 Mitgliedsbetrieben vom gesamten Niederrhein vertreibt. Landgard erzielt dabei einen Jahresumsatz von mehr als 1,9 Milliarden Euro.

Angesichts der Wetterkapriolen der vergangenen Monate und des Klimawandels stellten Eva Kähler-Theuerkauf und Armin Rehberg gestern deutlich heraus, wie wichtig es sei, mehr Grün in die Städte zu bringen. „Während der letzten Hitzeperiode haben Klimakarten deutlich gezeigt, wie stark sich die Städte aufheizen. Mit mehr Bäumen und grünen Frischluftachsen können die Kommunen dem effektiv entgegenwirken“, sagte Eva Kähler-Theuerkauf. Und dafür hätten die vielen Gartenbaubetriebe die passenden Produkte. Der Verbandspräsidentin geht es auch darum, dass die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen wertgeschätzt und honoriert wird. Gefragt sind dabei auch die Verbraucher. Die müssen allerdings diese Wertschätzung über höhere Preise honorieren. Ob sie das tatsächlich tun werden, sei dahingestellt. Heute greifen Verbraucher oft zum preiswerten Fertigblumenstrauß vom Discounter. Die Ware kommt zumeist aus Afrika oder Südamerika, der heimische Gartenbau profitiert davon nicht.

Und die heimischen Gartenbaubetriebe haben – wie die Landwirtschaft – seit Monaten mit den anhaltend hohen Temperaturen zu kämpfen. „Die langanhaltende Trockenheit der letzten Wochen und Monate hat für unsere Mitgliedsbetriebe und die ganze Branche teilweise verheerende Auswirkungen“, sagte Landgard-Vorstand Armin Rehberg. Eine Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben habe die Problemlage bestätigt: Viele Betriebe hätten einen erhöhten Produktionsaufwand und gestiegene Kosten etwa durch die erforderliche ständige Bewässerung. Außerdem seien viele Kulturen durch die Trockenheit geschädigt. Hinzu kamen Absatzprobleme bei den Verbrauchern, die angesichts der Wetterlage kaum Blumen oder andere Pflanzen nachfragten. Ähnliches gelte für die Vermarktung von Obst und Gemüse.

Die grüne Branche setzt sich eigenen Angaben zufolge auf vielen Ebenen für einen schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen ein. Themen wie Energiemanagement, verantwortungsvoller Wassereinsatz, biologischer Pflanzenschutz und Einsatz von Nützlingen seien aus dem modernen Gartenbau nicht mehr wegzudenken. Um dies aufrecht erhalten zu können, sei aber eine nachhaltige Unterstützung erforderlich. Angesichts der Forderungen der Landwirtschaft nach staatlichen Finanzhilfen für die Ernteausfälle dürfe der Gartenbau mit seinen Problemen nicht vergessen werden, betonten Eva Kähler-Theuerkauf und Armin Rehberg in aller Deutlichkeit.