Gemeinde Grefrath: Für ein Jahr freiwilligen Dienst in Cali

Gemeinde Grefrath : Für ein Jahr freiwilligen Dienst in Cali

Die junge Grefratherin startet in wenigen Tagen zu ihrem Auslandsjahr in Kolumbien. Die Studentin will in Cali Kinder in Musik unterrichten und einen Chor aufbauen. Wenige Tage vor ihrem Abflug verfasste sie diesen Stimmungsbericht.

Magenziehen, Magenglucksen. Heiß und kalt zugleich. Seismografisch wandert meine Stimmungskurve auf und ab. Noch ein paar Tage, dann hebt der Flieger in Frankfurt Airport ab und bringt mich nach Cali in Kolumbien. Dort werde ich als Teilnehmerin am "weltwärts"- Programm (siehe Infokasten) ein Jahr lang freiwillig arbeiten und eines der vielen Projekte der Organisation "Schule fürs Leben" unterstützen. Seit dem ersten Bericht in der Rheinischen Post über meine Kolumbien-Pläne sind mein Koffer voller und die To-do-Liste kürzer geworden. Denn die dicksten Steine auf dem Weg sind zum Glück beseitigt. Die heikle Gelbfieberimpfung ist trotz Eiweißallergie überstanden und das Visum habe ich endlich auch erhalten.

Unter den 30 Freiwilligen werden jetzt die Packlisten ausgetauscht: Moskitonetz, Medikamente, leichte Kleidung. In Cali scheint die Sonne das ganze Jahr über und die Temperaturen sinken nie unter 20 Grad. Doch ganz oben auf meiner Packliste stehen Chornoten.

Ich studiere Musikjournalismus und möchte einige Erfahrungen in das Projekt "Netzwerk Musik" einbringen. Die Kinder, die aus den armen und gewaltgeprägten Stadtteilen Calis stammen, möchte ich in Stimmbildung unterrichten und einen Chor aufbauen. In Artikeln über Cali lese ich oft, dass Frust und Gewalt in den armen Randbezirken der Stadt besonders unter jungen Menschen groß und alltäglich sind. Die Gruppenarbeit soll ihnen Werte wie Toleranz, Solidarität und Selbstbewusstsein vermitteln und damit Anstöße und Unterstützung für Ihre Zukunft geben.

Mir hat einmal ein Kolumbianer berichtet, dass in seiner Heimat alles über "Beziehungen" läuft. Verknüpfen kann also viel bewegen. Das habe ich auch in Grefrath bemerkt. Denn an vielen öffentlichen Orten stehen Spendendosen, mit denen das "Netzwerk Musik" gefördert werden soll. Die Dosen, die Menschen, die spenden und die mich die Dose aufstellen lassen, gehören zu meinem Netzwerk für Kolumbien. In Cali, der Drei-Millionen-Stadt, da fehlt für viele Kinder noch ein Netzwerk. Ich bin deshalb sehr gespannt darauf, was die Arbeit bei mir und bei den Kindern bewegen wird.

Noch ein paar Tage. Wenn ich in Grefrath durch die schon herbstlich vernebelten Wälder laufe, dann fällt es mir noch schwer daran zu denken, dass mich in Cali tropische Hitze erwartet. Und dann weiß ich auch, dass mir die Wälder und niederrheinisch flachen Felder sehr fehlen werden. Cali wird durch riesige Bergketten umfasst. Wie der Mäuserich Frederik in der Geschichte Farben für den Winter sammelt, so sammle ich dann diese letzten Momente in Grefrath oder mit meinen Freunde und der Familie, damit das Heimweh nicht so schwer wird. Doch bis der Abschied kommt, ist noch viel zu tun. Hasta pronto!

(TI01)
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