Stadt Kempen: Flüchtlingswelle erreicht auch Kempen

Stadt Kempen : Flüchtlingswelle erreicht auch Kempen

Bislang war die Thomasstadt vom großen Flüchtlingsstrom verschont geblieben. Die zuständigen Behörden hatten Rücksicht darauf genommen, dass sich die Stadt um viele minderjährige Ausländer kümmern muss.

Der Flüchtlingsstrom aus Syrien, Afghanistan oder Osteuropa nach Deutschland hält unvermindert an. Experten schätzen, dass auch in diesem Jahr wieder zehntausende Menschen in deutschen Städten und Gemeinden untergebracht werden müssen. Die Notunterkünfte wie das frühere Tagungshotel "Via Stenden" an der Ortsgrenze zu St. Hubert oder das ehemalige Willicher Katharinen-Hospital sind in kürzester Zeit voll belegt worden. Im Viersener Westkreis plant die für die Unterbringung von Flüchtlingen in Nordrhein-Westfalen zuständige Bezirksregierung Arnsberg gerade ein großes Notaufnahmelager auf dem britischen Militärgelände in Elmpt. Hier sollen in ehemaligen Mannschaftsunterkünften der britischen Rheinarmee bis zu 1000 Flüchtlinge vorübergehend ein Obdach finden, bevor sie an andere Kommunen weiter verteilt werden.

Und zu diesen Kommunen zählt nun auch in verstärktem Maße die Stadt Kempen. Bislang war die Thomasstadt von einer besonders hohen Zuweisung an asylsuchenden Ausländern verschont geblieben. Das lag vor allem daran, dass die Bezirksregierung Arnsberg Rücksicht darauf nahm, dass Kempen sich bekanntermaßen schon um besonders viele unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kümmern musste, die die Bundespolizei mit Dienstsitz Kempen in die Obhut des hiesigen Jugendamtes übergeben hat. Das waren in den vergangenen Jahren mehr als 220 junge Ausländer. Die Stadt war personell mit deren Betreuung und Unterbringung in so genannten Clearinghäusern derart belastet, dass eine zusätzliche Zuweisung von Flüchtlingsfamilie zunächst unterblieben war.

Nun wird Kempen bei den minderjährigen Flüchtlinge insofern entlastet, als sie von den Jugendämtern in den Städten und Kreisen am Niederrhein betreut werden sollen, wo sie von der Bundespolizei aufgegriffen werden. Das ist zumeist im unmittelbaren Grenzraum zu den Niederlanden.

Auf der einen Seite gibt's Entlastung, auf der anderen Seite zusätzliche Arbeit. Wie viele Flüchtlinge nun der Stadt Kempen zugewiesen werden, ist völlig unklar. Die Stadt stellt sich jedenfalls auf deutlich mehr Asylbewerber ein, als ihr bislang zugewiesen wurden. Das hatte der zuständige Sozialdezernent Michael Klee der Rheinischen Post bereits Ende vergangenen Jahres erklärt. Damals lebten in den drei Unterkünften in Voesch-Escheln, Tönisberg und Kempen-Süd sowie in angemieteten Wohnungen etwa 115 Flüchtlinge.

Damals schon hatte Klee auch berichtet, dass die Stadt eine vierte Unterkunft für Flüchtlinge herrichten werde. Das ist nun der Fall. Wie Bürgermeister Volker Rübo am Donnerstagabend in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses mitteilte, wird die Stadt die ehemalige Unterkunft an der Tönisberger Straße 89 in St. Hubert renovieren, um dort vor allem Flüchtlingsfamilien Wohnraum zu bieten. Die Sanierung des seit sieben Jahren unbewohnten Hauses ist mit rund 153 000 Euro veranschlagt. Vor allem in Sachen Brandschutz, Elektro- und Sanitäranlagen muss nachgerüstet werden. Aus Sicht der Stadt ist die Sanierung des Hauses unterm Strich kostengünstiger, als an anderen Stellen Wohncontainer zu errichten. Auch die Nutzung von Turnhallen - wie etwa in Krefeld - kommt für Kempen vorerst nicht infrage. Das Haus an der Tönisberger Straße soll so schnell wie möglich renoviert werden, denn die ersten Flüchtlingsfamilien, die nach Kempen kommen sollen, stehen sozusagen schon auf der Matte.

(RP)
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