Feuerwehrübung

Leistungsnachweis: Schweißgebadet den Ernstfall geprobt

Die Feuerwehren des Kreises zeigten beim Leistungsnachweis, dass im Ernstfall Verlass auf sie ist.

Wie lange der Löschzug Kempen bereits Ausrichter des alljährlichen Leistungsnachweises der Freiwilligen Feuerwehren im Kreis Viersen ist, daran kann sich selbst Franz-Heiner Jansen, Leiter der Feuerwehr Kempen, nicht erinnern: „38 bis 40 Jahre“, schätzt er – mindestens. Jedes Jahr müssen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren nachweisen, dass sie fit sind, über ausreichend Know-How und Erfahrung für den anspruchsvollen Einsatz verfügen. Die eigentlichen Brandeinsätze seien nicht zuletzt wegen der zahlreichen Feuerschutzmaßnahmen rückläufig, erzählt Thomas Metzer, Leiter der Feuerwehr Willich. „Zugenommen haben jedoch die technischen Hilfseinsätze auch bei wetterbedingten Ereignissen, wie Regen oder Sturmschäden“, berichtet er.

Oben in der Verwaltungszentrale der Feuer- und Rettungswache an der Heinrich-Horten-Straße laufen alle Fäden zusammen. Hier werden die Ergebnisse der Prüfungen dokumentiert. Ein erfolgreicher Test wird dann in dem roten „Nachweisheft zum Leistungsnachweis“ eingetragen, das jedes Mitglied führt. Bis zu 40 Nachweise sind hier vorgesehen. Doch so viele Dienstjahre seien eher selten, sagt Jansen, „das Gros der Leute ist zwischen 18 und 50 Jahre alt“. Und während es hier oben in der Einsatzzentrale relativ ruhig und klimatisiert kühl zugeht, schwitzen auf dem Gelände rund um die Feuerwehrwache rund 400 Männer und Frauen in voller Montur, um die verlangten Aufgaben zu bewältigen.

Zahlreiche Gäste verfolgen das Geschehen, ist doch der gesamte Leistungsnachweis traditionell in einen Tag der Offenen Tür mit einem bunten Rahmenprogramm eingebettet. Die Prüflinge sind in Kleingruppen zu je neun Personen eingeteilt. Vier Tests müssen absolviert werden. Weiträumig abgesperrt ist die Heinrich-Horten-Straße, denn hier wird im feuerwehrtechnischen Prüfungsteil gerade eine Brandbekämpfung simuliert. Markus Tack vom Löschzug Süchteln und Thomas Jeziorek, stellvertretender Wehrleiter aus Willich, beaufsichtigen den Ablauf. Aus einem großen offenen Plastikkanister – er simuliert ein offenes Gewässer – wird Wasser zum Feuerwehrwagen geleitet und dann in langen Rohren mit unterschiedlichem Durchmesser weitergepumpt. Am Ende der Straße stellen drei Schilder den Brandort dar. Wenn sie per Wasserdruck umfallen, dann gilt der Brand als gelöscht, erläutern die beiden Fachleute. Ein weiterer Prüfungsteil heißt „Knoten und Stiche“. „Das ist zum Beispiel wichtig, wenn ich einen Kameraden auf einem Hausdach absichern muss“, erzählt Wilfried Maubach, ein früherer Gruppenleiter aus Nettetal. Dann gibt es noch einen theoretischen Teil zu absolvieren, der sowohl feuerwehrtechnische als auch Fragen zur Allgemeinbildung enthält.

Der vierte und letzte Prüfungsbereich betrifft die Erste Hilfe vor Ort. Die betreut Thomas Kirchrath von der Feuerwehr Willich gemeinsam mit einigen Kollegen. In einer großen Halle liegen auf weißen Tüchern, ordentlich hintereinander aufgereiht, die Übungspuppen, bestehend aus einem Kopf und dem Oberteil des Torsos. An diesen Puppen müssen die Prüflinge eine Reanimation nachstellen. Dabei geht es vor allem um das Zeitfenster vom Auffinden der Person bis zum Eintreffen der Sanitäter, erläutert Kirchrath. Es gelte festzustellen, ob die Person noch atmet, und gegebenfalls mit der Herzdruckmassage und der Beatmung zu beginnen. „Nichts tun ist in jedem Fall tödlich“, erläutert Kirchrath. Wie hoch die Belastung im Einsatz für den einzelnen Feuerwehrmann sein kann, zeigt der auf dem Außengelände aufgebaute Brandsimulationscontainer des Kempeners Thomas Härtel vom Feuerwehr-Ausbildungszentrum NRW. Er bläst gerade weißen Dampf in den langen Container, und sofort reduziert sich die Sicht gegen Null. Durch diesen Container kriechen und klettern Feuerwehrleute bei ihren alle zwölf Monate geforderten Fortbildungen in voller Montur durch einen 43 Meter langen Parcours. Dabei stehen Frauen im Feuerwehrdienst mittlerweile genauso ihren Mann wie alle anderen. Etwa ein Drittel der Feuerwehrleute sind Frauen.

So wie Katja Tilmans (26) vom Löschzug Grefrath. Sie hält ihren Helm unter dem Arm, ist in Schweiß gebadet. Gerade hat sie in einer reinen Frauengruppe mit Kameradinnen vom Löschzug Kempen den Leistungsnachweis erfolgreich absolviert. „Alles, was die Männer machen, können wir auch“, sagt die junge Frau , die im Hauptberuf Kauffrau für Bürokommunikation ist. Das wichtigste sei der Zusammenhalt in der Gruppe.