Stadt Kempen: Ferdi — der gute Geist der Kempener Altstadt

Stadt Kempen: Ferdi — der gute Geist der Kempener Altstadt

Der 80-Jährige ist ein Original, wie es im Buche steht. Er gibt seiner Heimat ein Gesicht und vor allem eine Stimme. Er ist bekannt für seine markigen Sprüche. Ohne ihn läuft in der Altstadt überhaupt nichts.

Jeder kennt ihn, jeder mag ihn: Ferdi prägt wie kein anderer die Geschicke der Kempener Altstadt. 80 Jahre alt ist er im Oktober vergangenen Jahres geworden und muss langsam ein wenig kürzertreten. Er verbringt seinen Lebensabend in einem Kempener Altenheim, ist aber nach wie vor nahezu täglich in den Straßen und Gassen der Altstadt unterwegs.

Ex-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bekam von Ferdi eine paar gute Tipps mit auf den Weg. Foto: archiv: wolfgang kaiser

Im vergangenen Jahr war Ferdi krank, lag wochenlang im Hospital. Die ganze Stadt sorgte sich um ihn. "Wie geht's Ferdi?" war in diesen Tagen und Wochen die meistgestellte Frage. Viele besuchten Ferdi an seinem Krankenbett. In den Sozialen Netzwerken wurde über die Gesundheit des inoffiziellen Kempener Stadtsprechers gerätselt. Irgendwann kam dann die erlösende Nachricht: Ferdi ist soeben auf dem Buttermarkt gesichtet worden.

Gipfeltreffen in der Altstadt: Ferdi erteilt Bürgermeister Volker Rübo (l.) und Feuerwehrchef Franz-Heiner Jansen die Tagesbefehle. Foto: wolfgang kaiser

Er war von seiner Krankheit noch sichtlich gezeichnet, hat sich aber bis heute längst erholt. Er geht wieder seinen Jobs nach, die er seit langen Jahren zuverlässig erledigt - etwas als Betreuer beim Martinszug ("Auuuuuuuufschließen!") und Mitorganisator des Weihnachtsmarkts ("Niemand kümmert sich!").

Foto: Kaiser Wolfgang

Ferdi schaut danach, dass Tiefbauer die Rohre korrekt verlegen und Pflasterer sich an ihre Vorgaben halten. Er tut das meist lautstark und in klaren Worten, die keine zweite Meinung zulassen. Begrüßt Ferdi einen am Morgen auf dem Weg zur Arbeit mit einem knackigen "Hau rein", betritt man das Büro mit einer ganz anderen Motivation. Gern betritt er um kurz vor 18.30 Uhr Geschäfte in der Altstadt und schickt die Beschäftigten nach Hause: "Kanns zumachen, kommt niemand mehr."

Passt ihm irgendetwas in der Kempener Altstadt nicht, zögert er nicht, den vermeintlich Verantwortlichen im Rathaus sofort zur Rede zu stellen. Oft mit Erfolg. Ferdi ist andererseits ein ausgesprochen liebevoller Mensch. Wenn man ihn bei seinen Rundgängen beobachtet, bemerkt man sofort, dass er an keinem Baby oder Kleinkind vorbeigeht, ohne ein freundliches Wort für es zu finden. Jeder Hund, ob groß oder klein, wird liebevoll gestreichelt. Bellt ein Vierbeiner jedoch all zu intensiv, kann es vorkommen, dass er einen Ordnungsruf bekommt: "Ruhig jetzt!" Die Resonanz ist unterschiedlich.

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Ferdi heißt übrigens - was die wenigsten wissen - mit Nachnamen Küsters und wurde im Kempener Süden geboren. Im Bereich Vorster Straße, Dinkelbergstraße, Herckenrathstraße stand der Bauernhof seiner Großeltern, auf dem Ferdi unter Obhut seiner Mutter aufwuchs. Der Vater galt als verschollen. Ferdi hat die Volksschule besucht, aber danach nie richtig gearbeitet. Bei Verwandten und Freunden hat er aber stets mit angepackt, wenn Not am Mann war. Nachdem Ferdis Mutter 1999 gestorben war, lebte er allein in seinem großen Haus an der Neustraße. Das erfüllte er bis zu seinem Umzug ins Altenheim mit Leben. Im Von-Broichhausen-Stift geht es ihm gut, hier fühlt sich Ferdi wohl. Großer Vorteil des neuen Domizils: Es ist nicht weit in die Altstadt, Ferdis ureigenem Revier.

Aber auch im Altenheim ist oft etwas los: Zu Ferdis Geburtstag im Oktober gab es eine große Feier mit zahlreichen geladenen Gästen und einer riesigen Torte. Zu Karneval überreichte der als Mozart verkleidete Geschäftsführer Jürgen Brockmeyer dem Kempener Original eine "Ferdi-Praline", speziell designed im Café Peerbooms. Begründung für diese hohe Auszeichnung: Ferdi sei dem Brauchtum und speziell dem Karneval immer sehr verbunden gewesen. Damit nicht genug: Der Karnevalspräsident Heinz Börsch ernannte Ferdi beim Besuch des Prinzenpaars spontan zum König von Kempen.

Zahlreiche Anekdoten über Ferdi sind überliefert. Beispielhaft sei berichtet, wie er bei den Highland Games für Ordnung sorgen wollte. Es war ihm nämlich ein Dorn im Auge, dass dort Männer in Röcken herumliefen. Energisch schritt Ferdi auf die Burgwiese, baute sich vor einem Teilnehmer auf und stauchte ihn verbal fürchterlich zusammenstauchte: "Trekk dich öns en Box an!" Nicht bekannt ist, ob der so Zurechtgewiesene der Aufforderung Folge leistete.

Wenn Ferdi einmal nicht mehr ist, verliert Kempen ein Stück Heimat. Möge er uns noch lange erhalten blieben. Möge er noch ausreichend Zeit haben, um sein Lebenswerk zu vollenden, nämlich die Kirmes abzuschaffen. Möge er noch lange dafür sorgen, dass in Kempen alles in geordneten Bahnen abläuft. Bleibe einfach, wie du bist, Ferdi!

(RP)