Einsatz für Kinder in Simbabwe Hilfe aus Kempen für Schule in Afrika

Kempen · Der Verein Felistas Afrikahilfe stemmt immer größere Projekte. Ein neues Schulgebäude in Simbabwe ist fast fertig. Wie der Verein aus Kempen hilft.

Anfang September wurde das neue Gebäude in der Ortschaft Charter mit vier weiteren Klassenräumen fertiggestellt. Finanziert wurde es aus Mitteln der Felistas Afrikahilfe Kempen.  Foto: Felistas Afrikahilfe

Anfang September wurde das neue Gebäude in der Ortschaft Charter mit vier weiteren Klassenräumen fertiggestellt. Finanziert wurde es aus Mitteln der Felistas Afrikahilfe Kempen. Foto: Felistas Afrikahilfe

Foto: Felistas Afrikahilfe Kempen

Die Felistas Afrikahilfe Kempen stemmt immer größere Projekte. Vor rund zehn Jahren fing es mit Sachspenden an: Gebrauchte Fußballschuhe, Trikots, Käppis, Stifte, Schulmaterial und Spielzeug wanderten von Kempen in die Charter Estate Primary School in Simbabwe. Dann wurden die Aufgaben größer. Ein Kindergarten wurde errichtet. Die Wasserversorgung des Dorfes wurde erneuert.

2015 wurde ein Schulgebäude mit zwei Klassenzimmern gebaut. Es leuchtet mit seinen cremefarbenen Wänden und dem blauen Dach in der afrikanischen Landschaft. Patenschaften für besonders bedürftige Kinder und Mittel für die Schulspeisung wurden eingerichtet.  Und jetzt steht die Einweihung eines weiteren Schulgebäudes mit vier Klassenzimmern an. Anfang November soll es in Anwesenheit hochrangiger Mitglieder der Regierung der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Dann sind auch Vertreter der Felistas Afrikahilfe aus Kempen vor Ort: Rainer und Christiane Hamm sowie ihre Freunde und Mitstreiter Brigitte und Michael Viefers. Ebenso wie der gebürtige Lobbericher Helmut Orbon, der von Anfang an die entscheidende Kontaktperson vor Ort war. Er lebt mit seiner Familie auf einer Farm ganz in der Nähe des Dorfes. Nur durch den tätigen Einsatz des mittlerweile 76-Jährigen ehemaligen Entwicklungshelfers konnten die Projekte vor Ort zuverlässig realisiert werden. „Ohne einen Cent an Zusatzkosten“, wie die Verantwortlichen betonen. Seine afrikanische Ehefrau Sekai ist stellvertretende Vorsitzende des deutschen Vereins.

 Rainer und Christiane Hamm (r.) sowie Brigitte Viefers stellten die aktuellen Pläne des Vereins vor.

Rainer und Christiane Hamm (r.) sowie Brigitte Viefers stellten die aktuellen Pläne des Vereins vor.

Foto: Norbert Prümen

Finanziert wurde das neue Schulgebäude aus Mitteln der Felistas Afrikahilfe.  Die Realisierung nach der Corona-Pandemie war schwierig, die Kosten sind in der Zwischenzeit explodiert. Sie betragen 112.000 Euro. Weil noch Geld fehlt, ist das Gebäude derzeit unverputzt. Die alten Klassenräume sind inzwischen weitgehend in sich zusammengefallen, so dass ohne diese Neubauten die Schule wohl schon nicht mehr existieren würde.

Die Situation vor Ort ist weiterhin hart. Charter ist eine kleine ländliche Gemeinde in Simbabwe, etwa 120 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Harare. Charter besteht aus rund 50 Familien in alten Farmarbeiterunterkünften, fast alle ohne Strom- und Wasserversorgung. Es gibt eine Kirche, eine meist unbesetzte Polizeistation, eine unbesetzte Krankenstation, einen Veterinär, alte ungenutzte Lagerhäuser für Tabak und andere landwirtschaftliche Produkte. Und die Charter Primary School mit etwa 200 Schülerinnen und Schülern.

Charter ist wie viele andere ländliche Gemeinden in Simbabwe von dem wirtschaftlichen Verfall des ehemals blühenden Landes schwer gebeutelt. Das Dorf ist Zentrum einer ehemaligen Staatsfarm aus Rhodesiens Zeiten in einem damals wirtschaftlich bedeutenden Tabakanbaugebiet. Wie viele dieser Staatsfarmen fiel sie dem politischen Missmanagement des 1980 unabhängig gewordenen Landes zum Opfer. Die Farmen wurden privatisiert und das Land an Privateigentümer verteilt. Von den 13 Privatfarmen, die aus der Staatsfarm hervorgingen, ist nur eine in Betrieb. Auf den anderen weiden Kühe oder wird Mais zum Überleben angebaut.

Es gibt keine Schulpflicht, viele Familien können die Schulgebühren und die Auslagen für die Schuluniform und die Materialien kaum stemmen. Aufgrund der extremen Armut herrscht überall im Land Korruption. Jeder bedient sich, wo er kann. Und so kommt es, dass es mittlerweile unmöglich geworden ist, Sachspenden von Deutschland nach Simbabwe zu transportieren. Christiane Hamm berichtet, dass sie auf zwölf Koffern mit Unterwäsche und Kinderkleidung sitze. Der Versand sei unmöglich. „Wir haben alles versucht, wir hätten so gerne mehr geholfen, doch da sind uns die Grenzen aufgezeigt worden“, sagt sie. Umso mehr freuen sich die Hamms nun, nach vier Jahren endlich wieder vor Ort zu sein und alles persönlich in Augenschein nehmen zu können.

Auch das Ehepaar Viefers war bereits in Charter. Am meisten beeindruckte Brigitte Viefers damals der Kontakt mit den Menschen. Christiane Hamm sagt: „Das Leben dort ist unglaublich schön, aber auch unglaublich frustrierend.“ Denn echte Perspektiven würden fehlen.

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