1. NRW
  2. Städte
  3. Kempen

Familie Lochthowe aus Kempen wandert in drei Tagen nach Kevelaer

Kempener Familie auf dem Jakobsweg : „Am Ende spürt man doch Euphorie“

Anstrengung und Erleichterung zugleich: Die Kempener Familie Lochthowe wanderte in drei Etappen zum Wallfahrtsort Kevelaer. Warum die Familie diese besondere Art des Urlaubs wählte und was sie erlebte.

In drei Etappen von Kempen nach Kevelaer. Zu Fuß. Das hatte sich die Kempener Familie Lochthowe schon 2020 vorgenommen. Doch wegen des Beherbergungsverbotes während der Corona-Pandemie hätte man keine Unterkunft gefunden. So machten sich die Kempener in diesem Jahr, in den Osterferien, auf den Weg in den Wallfahrtsort. Das Besondere: Man würde sogar ein Stück auf dem Jakobsweg pilgern.

Mutter Alexandra, Vater Martin, die beiden zehnjährigen Zwillinge Nele und Noah und auch Sala, der Hund der Familie, begannen ihr Abenteuer am ersten Montag der Osterferien. Für die Eltern stand fest: Mit der Familie wird es anders werden. Alexandra und Martin könnten schon zügig wandern, jetzt wollten sie sehen, wie es mit den Kindern und dem Hund, mit Rucksack bepackt, Kilometer um Kilometer, funktioniert.  „Das Tempo hat keine Rolle gespielt, wir wollten genießen, gemeinsam Zeit verbringen“, sagt Martin. Ja, der Weg sei das Ziel gewesen, aber links und rechts gab es auch viel Interessantes zu entdecken.

  • An vier Standorten in Kempen wird
    Kinder erkunden die vier Elemente : Jetzt zum Ferienspaß in Kempen anmelden
  • Wer vormittags für den Wochenmarkt-Besuch keine
    Donnerstag im Kempener Hagelkreuz : Aktionen und Kulinarisches beim Concordienmarkt
  • Am Samstagabend rückten mehrere Streifenwagen wegen
    Ehefrau ruft Brüder zu Hilfe : Junger Kempener bei Familienstreit schwer verletzt

Zwei Übernachtungen waren geplant, in Straelen und Walbeck.  Auch in Kevelaer war eine weitere Übernachtung geplant, doch dort habe man keine Unterkunft gefunden, die auch eine Herberge für Sala  sein konnte. Wer kam eigentlich auf die Idee zu dieser Reise? Die Zwillinge? Da müssen die beiden schmunzeln. „Wir haben uns das zusammen überlegt und auch zusammen geplant“, sagt Martin. Inspiriert sei man natürlich von der Faszination, auf dem Jakobsweg zu wandern. Alexandra: „Da verbinden sich zwei Gedanken. Einmal die Art, wie wir gerne Urlaub machen. Ein Cluburlaub mit Bändchen am Arm und die Kinder in der Betreuung wäre nicht unser Ding. Zum anderen hat unsere Familie einen christlichen Bezug.“ Martin ist Religionslehrer in Krefeld, engagiert sich auch in der Gemeinde, Alexandra ist christlich aufgewachsen, die Kinder gingen im vergangen Jahr zur Erstkommunion.

 Angekommen in Straelen: Auf dem Pflaster neben der Kirche St. Peter und Paul erkennt man das Muschelzeichen.
Angekommen in Straelen: Auf dem Pflaster neben der Kirche St. Peter und Paul erkennt man das Muschelzeichen. Foto: Familie Lochthowe

Erste Etappe nach Straelen Pilgerpässe und Muschel im Gepäck, unbedingt ein Waschmittel (für alle Fälle) und ein Gaskocher. Das Gewicht wird altersgerecht verteilt: Proviant, Kleidung zum Wechseln, Wasser. „Was nicht unbedingt notwendig war, durfte auch nicht mit“, sagt Alexandra. „Am liebsten wären wir früh um 8 Uhr losgegangen, aber wir wollten Stempel für unsere Pässe haben, das Pfarrbüro öffnet aber erst um 9.30 Uhr“, sagt Martin. Jetzt aber los. Im positiven Sinne aufgeregt. „Die Tür hinter sich zumachen, und etwas Neues kommt, ein schönes Gefühl“, beschreibt Alexandra den Start. Ziegelheide, Richtung Wachtendonk, abseits der Straßen. Kurze Pause bei Kinderbauernhof Hilliput. Die Mündung von der Nette in die Niers. Die dortige handbetriebene Fähre ausprobiert. Der erste Einsatz des Gaskochers: Nudeln und Tomatensoße. Ein Eis in Wachtendonk. „Hier haben uns erstmals Leute angesprochen“, erinnert sich Alexandra. Wo geht‘s denn noch hin? Ach so. Sehr nette Menschen. Ankunft in Straelen gegen 17.30 Uhr. Auch ohne Rucksack weiß man, wo die Traggurte waren. Die Oberschenkel. Sala hat sich sofort ein Plätzchen zum Schlafen gesucht. Immerhin: 17 Kilometer.

 Nudeln mit Tomatensoße: Für Nele und Noah auf der Wanderung ein besonderes Erlebnis.
Nudeln mit Tomatensoße: Für Nele und Noah auf der Wanderung ein besonderes Erlebnis. Foto: Familie Lochthowe

Zweite Etappe nach Walbeck Wenn die Füße schwer sind, bleibt der Kopf trotzdem leicht? „Ja, es gibt Momente, da hat man keine Lust mehr, aber aufgeben war keine Lösung“, sagt Alexandra. „Dafür war es einfach zu schön“, ergänzt Martin. Beispielsweise die Begegnung mit einer Frau, die bereit ist, das ganze Gepäck zur Unterkunft zu bringen. „In Deutschland ist man es kaum gewöhnt, dass Leute so aushelfen“, sagt Martin, „aber wir haben bald gemerkt, dass es von Herzen kam.“ Sie lädt die Familie zu sich ein, hilft auch, das Abendessen zu besorgen. Übernachtung im Schloss: „Obwohl wir ziemlich müde waren, sind wir noch zum Spielen auf das Trampolin gegangen und haben auch die Ziegen gefüttert“, erzählt Nele. Weitere zwölf Kilometer, aber gefühlt sind es wesentlich mehr. „Wir waren richtig geschafft“, gibt Martin zu.

 Schloss Walbeck liegt am Jakobsweg. Eine Etappe hat die Familie Lochthowe noch vor sich.
Schloss Walbeck liegt am Jakobsweg. Eine Etappe hat die Familie Lochthowe noch vor sich. Foto: Familie Lochthowe

Dritte Etappe nach Kevelaer Weitere 15 Kilometer. Seit Straelen wandert die Familie auf dem Jakobsweg, kann sich an den Hinweisschildern orientieren. Die Jakobsmuschel gibt den Weg vor, die Basilika ist das Ziel, den Stempel gibt es im Priesterhaus. „Wir haben eine Kerze angezündet und haben uns für die drei Tage bedankt“, sagt Alexandra. Die Kinder haken sich auf dem letzen Stück unter, die Freude, das Ziel zu erreichen, ist sichtlich groß. „Wir haben ab der Mitte der letzten Etappe schon etwas Euphorie gespürt“, erinnert sich Martin. Alexandras Vater bringt die Familie schließlich wieder nach Kempen.

„Drei Tage lang laufen, das war ich nicht so gewohnt“, sagt Noah, Fußballer beim SV Thomasstadt. Jetzt, in der Rückschau, würde er noch einen Tag dranhängen. Eine wunderbare Familienwanderung, mit dem Bewusstsein, auch ein Stück des Jakobsweges erlebt zu haben – das ist das Fazit von Alexandra und Martin Lochthowe. Und bestimmt ist es auch gelungen, die Familie in eine Mitte zu führen.