Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge hat in Kempen neue Räume

Kempen: Radwerkstatt für Flüchtlinge zieht um

Die Nachfrage bleibt groß, Fahrräder sind für Flüchtlinge wichtiges Mittel der Mobilität. Jetzt ist die Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge in Kempen umgezogen. Neue Adresse: Am Kauertzacker 15. Helfer und Radspenden sind willkommen.

Zwei Jahre stand der große Kellerraum unter dem Kindergarten Hermann-Josef am Kauertzacker in Kempen leer. Jetzt ist wieder Leben eingezogen. Die Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge hat hier ihr neues Zuhause gefunden. In den Räumen, die einst das Internetcafé vom Jugendheim „Komma“ beherbergten, reparieren Franz Steier, Gerhard Franck, Michael Lohmann und Michael Kluge Fahrräder für Flüchtlinge.

„Für uns sind diese Räume, die ich aus meiner ehrenamtlichen Arbeit im Komma kenne, ein Glücksfall“, sagt Steier. Er war es auch, der Propst Thomas Eicker ansprach und direkt die Zusage für eine kostenfreie Nutzung erhielt. Seit 2015 gibt es die Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge, die sich in der Trägerschaft des Sozialdienstes SKM, der Pfarrgemeinde St. Mariae Geburt und der Aktion „Kempen hilft“ befindet. Los ging es damals im Keller des Hauses am Buttermarkt 4, direkt hinter der Heilig-Geist-Kapelle. Was mit Franz Steier als Ein-Mann-Unternehmen startete, wurde schnell größer, zumal die Nachfrage nach Rädern und deren Reparatur wuchs. „Am Anfang hatten wir am Buttermarkt zwei Räume, konnten uns dann aber weiter ausbreiten“, sagt Gerhard Franck, der kurz nach der Gründung zur Fahrradwerkstatt stieß.

Durch eine veränderte Nutzung des Hauses hätte sich die Fahrradwerkstatt jetzt wieder auf die ehemaligen zwei kleinen Räume zurückziehen müssen. Die reichten aber nicht mehr aus, denn auch wenn die Zuweisungen von Flüchtlingen in Kempen zuletzt zurückgegangen sind, so bleibt die Nachfrage bei der Fahrradwerkstatt groß. Steier fielen die Kellerräume unter der Kita ein, die sich als sehr gute Lösung entpuppten. Am 12. Dezember schloss die Werkstatt am Buttermarkt ihre Türen, um in dieser Woche am neuen Standort die Arbeit wieder aufzunehmen. Den Umzug realisierten die vier Ehrenamtler in Eigenregie. Bei der Vorbereitung des neuen großen Raumes halfen Fachleute, denn es warten kleinere Umbauten notwendig. Es musste unter anderem für eine bessere Beleuchtung gesorgt werden. Schon der erste Tag im neuen Domizil war von Arbeit geprägt. Kaum öffnete sich die Kellertür, als auch schon ein Syrer mit einem Wunsch nach einer Fahrradlampe erschien, die er selbst anbringen wollte. Die Ehrenamtler helfen nicht nur Flüchtlingen bei der Reparatur von Rädern, sie zeigen auch, wie es geht und geben Tipps zum sicheren Radfahren. „Die Mobilität der Flüchtlinge liegt uns am Herzen. Ein verkehrssicheres Rad ist dabei ein Muss“, sagt Steier. Dazu nehmen sie gebrauchte Räder an, die sie von Bürgern gespendet bekommen. Diese machen sie wieder einsatzbereit und geben sie für einen kleinen Obolus, der sich je nach Rad zwischen 20 und 40 Euro bewegt, an die Flüchtlinge ab.

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„Derzeit fragen die Flüchtlinge besonders Fahrräder für Kinder und Jugendliche nach“, berichtet Franck, der selber gerade ein Kinderfahrrad repariert. Die Kette springt an diesem immer ab, was an einem zu locker sitzenden Hinterrad liegt. Zudem benötigt das gespendete Fahrrad ein neues Vorderlicht. Lohmann und Kluge arbeiten derweil an der Reparatur eines Rücklichtes von einem Kinderfahrrad. „Die Flüchtlinge sind so dankbar, wenn sie ein Rad bekommen. Es ist für sie wie Weihnachten“, erzählt Steier.

Über mangelnde Arbeit können sich die vier Helfer nicht beklagen. Daher freuen sie sich über jede Unterstützung. „Wer sich mit dem Reparieren von Rädern auskennt, ist bei uns herzlich willkommen“, betont Franck. Räder erhält die Werkstatt indes nicht nur von Bürgern, sondern auch von der Stadt Kempen. Alles, was bei den Versteigerungen der Fundsachen an Drahteseln keinen neuen Besitzer findet, erhält die Fahrradwerkstatt. Oft entsteht dann aus zwei oder drei Rädern wieder eins verkehrstüchtiges Rad.

Den Ehrenamtler betonen, dass sie keine Konkurrenz zu den ortsansässigen Fahrradhändlern sind. Vielmehr ist es so, dass es sogar Kooperationen in der Beschaffung von Ersatzteilen gibt. „Wir reparieren nur Räder von Flüchtlingen und nicht von anderen Bürgern. Diese müssen sich an den Fahrradhandel wenden“, sagt Steier.

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