Etwa 5000 Bäume im Kempener Stadtgebiet sind krank.

Kempen : Lange Trockenheit stresst die Bäume

Etwa 5000 Bäume im Kempener Stadtgebiet sind krank. Vor allem Ahorne sind anfällig für Pilzbefall. Sie leiden unter der so genannten Rußrindenkrankheit. Insgesamt 81 Stadt-Bäume müssen in Kempen in nächster Zeit gefällt werden.

Patricia Schürmann, Leiterin des Kempener Grünflächenamtes, und ihr Team sind derzeit um ihre Arbeit nicht zu beneiden. Die Hiobsbotschaften der städtischen Baumkontrolleure reißen in diesen Tagen nicht ab. Etwa 14.000 Bäume hat die Stadt Kempen derzeit im Bestand. Sie stehen in Parkanlagen, auf Friedhöfen oder an den innerstädtischen Straßen. Etwa 5000 Bäume – also mehr als ein Drittel des Bestandes – sind krank. Betroffen sind vor allem Ahorne, aber auch Kastanien, Birken, Eschen oder Platanen. In dieser Zahl nicht enthalten sind die Bäume in den Waldflächen, für die das städtische Grünflächenamt nicht unmittelbar zuständig ist.

Auf dem Friedhof an der Kerkener Straße in Kempen sind die Schäden an Bäumen gut zu erkennen. Hier ist eine Fläche aus Sicherheitsgründen abgesperrt. Foto: Wolfgang Kaiser

Schuld ist die Trockenheit der vergangenen Monate. Sie hat den Bäumen allzu sehr zugesetzt. Der Wassermangel hat dafür gesorgt, dass sich Pilzerkrankungen oder Schädlinge an den Stämmen und in den Baumkronen praktisch ungehindert ausbreiten konnten. Im Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz des Kempener Stadtrates schlug Grünflächenamtsleiterin Patricia Schürmann jetzt Alarm. Vor allem der aggressive Pilz, der Ahorne befällt, ist problematisch. Er verursacht die so genannte Rußrindenkrankheit. Der Schimmelpilz setzt nicht nur den Bäumen zu, er kann beim Menschen gesundheitliche Beschwerden verursachen. Atmen Menschen die Sporen des Pilzes ein, kann dies allergische Reaktionen, Reizhusten, Fieber, Atemnot oder Schüttelfrost auslösen. Die Beschwerden können etwa sechs bis acht Stunden nach dem Kontakt mit den Sporen auftreten und mehrere Stunden, in Einzelfällen auch Tage oder Wochen anhalten. Grünflächenamtsleiterin Patricia Schürmann rät daher dringend davon ab, Bäume zu berühren.

Das Problem: Die Sporen des Pilzes reifen unter der Baumrinde heran. Der Befall der Ahorne ist erst dann feststellbar, wenn die Baumrinde plötzlich einreißt und abblättert. Dann kommen die schwarzen Pilzsporen zum Vorschein, der Baum stirbt ab. Experten sehen als Ursache für die Ausbreitung dieser Pilzart – aber auch anderer Baumkrankheiten – in erster Linie die anhaltende Trockenheit an. Trockene Bäume sind regelrecht gestresst. Das trifft übrigens auch auf Fichten zu, die wieder vermehrt vom Borkenkäfer befallen sind. Da macht sich der Klimawandel bemerkbar.

Auch dieser Baum muss gefällt werden. Er trägt zwar noch Laub, aber der Stamm ist erheblich geschädigt. Foto: Wolfgang Kaiser

Für die Mitarbeiter des Kempener Baubetriebshofs, aber auch von beauftragten Fachfirmen, die die befallenen Ahornbäume fällen, gelten besondere Vorsichtsmaßnahmen: Sie müssen Schutzkleidung und Atemschutz tragen. Die gefällten Bäume gelten als Sondermüll, können nicht vor Ort zerkleinert und als Rindmulch auf den Boden aufgebracht werden.

Auch die Stürme der Vergangenheit haben dem städtischen Baumbestand in Kempen erheblich zugesetzt. Erst vor wenigen Wochen hatte Sturmtief „Eberhard“ auch in Kempen etliche Bäume umgeknickt oder entwurzelt. Besonders betroffen war da der alte Friedhof an der Kerkener Straße. Und der steht nun wieder im Fokus des Grünflächenamtes. Nachdem die jüngsten Sturmschäden beseitigt waren, stellten die Baumexperten erneut an mehreren Bäumen Pilz- oder Schädlingsbefall sowie Trockenheitsschäden fest. Wer über den Friedhof geht, kann die Schäden unschwer selbst erkennen, zudem sind die betroffenen Bäume rot markiert. Zwölf, zum Teil viele Jahrzehnte alte Bäume müssen auf dem Friedhofsareal beseitigt werden. Teilweise sind die Bereiche der betroffenen Bäume bereits aus Sicherheitsgründen mit rot-weißem Flatterband abgesperrt.

Auch bei diesem Baum sind die Schäden am Stamm gut zu erkennen. Foto: Wolfgang Kaiser

Auf das Kempener Grünflächenamt kommt derzeit jede Menge Arbeit zu. Die Fällaktionen zu organisieren, ist nicht einfach: Das Personal des Amtes und des städtischen Baubetriebshofs ist knapp. Fremdfirmen haben angesichts der allgemein angespannten Lage volle Auftragsbücher und sind daher nicht so schnell verfügbar.

Ein anderes Thema ist der Befall durch den so genannten Eichenprozessionsspinner: Die Haare der Raupen können bei Menschen unter anderem allergische Reaktionen wie Hautreizungen hervorrufen. Die Stadt Kempen wird – wie alle Städte und Gemeinden oder der Kreis Viersen – in den kommenden Wochen die betroffenen Eichen mit einem umweltfreundlichen biologischen Wirkstoff einsprühen. Wenn die Raupe den aufnehmen, stoppen sie ihr Wachstum und sterben ab. Bei der Spritzaktion müssen die Blätter der Eichen bis in die Baumkronen angesprüht werden.

Das Kempener Grünflächenamt hat auf die neue Situation reagiert und plant, künftig andere Baumarten zu pflanzen: „Wir brauchen neue Arten, die dem Klimawandel besser standhalten“, sagt Grünflächenamtsleiterin Patricia Schürmann. Als robuste Arten gelten bei Baumexperten derzeit unter anderem Erle, Amerikanische Esche, Tulpenbaum, Birne, Baumhasel oder Esskastanie. Sie empfehlen auch Privatleuten, die erkrankte Bäume im Garten stehen haben, diese von einer Fachfirma untersuchen zu lassen.

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