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Kempen: Es wird still in der Schule

Kempen : Es wird still in der Schule

Zwei Klassenräume In der Grundschule Schmalbroich stehen schon leer. Und nach den Sommerferien werden hier gar keine Kinder mehr lernen. Die einzügige Einrichtung wird bereits zu diesem Zeitpunkt geschlossen.

schmalbroich Eigentlich war vorgesehen, die kleine, beliebte Grundschule in der Kempener Honschaft erst im nächsten Jahr dicht zu machen. Doch der Termin wird wegen der Sparmaßnahmen der Stadt auf den Beginn der Sommerferien vorgezogen. Die jetzigen Drittklässler wechseln an die Astrid-Lindgren-Schule in Hagelkreuz.

Der Umzug ist gut vorbereitet, erzählt Schulleiterin Marianne Lechtenböhmer. Bereits seit drei Jahren führt sie sowohl die Grundschule Schmalbroich als auch die Astrid-Lindgren-Schule. Seitdem klar war, dass die kleine Schule schließen würde, wurden Sachen sortiert, teilweise entsorgt oder in den Bestand der Astrid-Lindgren-Schule integriert. Die frei gewordenen Räume nutzt die Schule zurzeit für Förder- und Gruppenunterricht. Auch wenn der Abschied schwer fällt, sieht Lechtenböhmer doch die Vorteile des vorzeitigen Umzugs: „Es ist einfach wirtschaftlicher.“

Bislang bestreiten zwei Kollegen fest den Unterricht in Schmalbroich, hinzu kommen drei Lehrer, die stundenweise von der Astrid-Lindgren-Schule nach Schmalbroich abgeordnet werden. Das ist schon jetzt eine Frage ausgefeilter Organisation, gerade im Krankheits- oder Vertretungsfall. Wäre ab Sommer nur noch die letzte vierte Klasse mit einem Lehrer in Schmalbroich gewesen, wäre alles noch schwieriger geworden.

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„Es tut jedes Mal weh, wenn ich meinen neunjährigen Sohn Luis zur Schule bringe“, sagt die Fördervereinsvorsitzende Ursula Ohlings-Winkler. Luis besucht die dritte Klasse. Zwar bleiben Kinder und Lehrer nach dem Umzug zusammen, aber es ist doch eine Umstellung. „Die Kinder lieben ihre Schule heiß und innig“, berichtet sie. Selbst ihr Sohn Leon, mit elf Jahren längst der Grundschule entwachsen, spielt auf dem weitläufigen Gelände immer noch gern mit seinen Freunden. Die Schule ist ein Treffpunkt für Schüler, Eltern und Ehemalige, sagt sie. Als der St. Martins-Zug mit zwei Klassen so klein aussah, sind spontan auch ehemalige Schüler mit selbst gebastelteten Fackeln mitgegangen. Und wenn Luis jetzt am Sonntag zur Erstkommunion geht, wird auch diese Feier die letzte in Schmalbroich sein.

„Wir haben es gerade noch geschafft“, freut sich Schulpflegschaftsvorsitzende Birgit Nytus. Sohn Johannes kann sein viertes Grundschuljahr noch in Schmalbroich beenden. „Wir haben gekämpft, alles versucht und mussten uns fügen.“ Langfristig erkennt sie immer noch einen Bedarf für die kleine Grundschule. So wie die Schulleiterin und die Fördervereinsvorsitzende sieht sie einen großen Wert in der einzügigen Schule mit viel Freiraum zum Spielen und Toben rundherum, mit kleinen Klassen und hoher Integration in der Nachbarschaft.

(RP)