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Stadt Kempen: Es geht um die Frage: Woher kommst Du?

Stadt Kempen : Es geht um die Frage: Woher kommst Du?

Ahnenforschung steht wieder hoch im Kurs. Der Kempener Manfred Rehnen durchsucht seit Jahrzehnten Archive aller Art. Der ehrenamtliche Mitarbeiter des Kreisarchivs bietet jetzt eine Einführung bei der Volkshochschule an.

Was bewegt zwei Menschen, riesige Plakatbögen auf den Boden zu legen, sich selbst darauf niederzuknien und dann Schildchen mit Namen so lange hin- und herzuschieben, bis sie logisch in das gesuchte Bild passen? Warum reizt es sie, ein Mosaik aus mitunter Tausenden von Steinchen zu bilden, die oft erst noch in mühevoller Kleinarbeit gefunden werden müssen? Manfred Rehnen und seine Frau Marianne haben vor einigen Jahrzehnten so angefangen zu suchen und Funde zu sortieren. Den Polizeibeamten lässt die Leidenschaft Ahnenforschung bis heute nicht los.

Die Fragen sind immer dieselben: Wo komme ich her? Wer waren meine Vorfahren? Und diese Fragen gewinnen wieder an Popularität. Immer mehr Menschen fahnden in alten Kirchenbüchern, auf Standesämtern, Friedhöfen oder im Internet nach ihrer Familiengeschichte. Die Genealogie, so wie die Familienforschung mit wissenschaftlichen Namen heißt, boomt. Und die Suche ist keineswegs schrulligen Eigenbrötlern vorbehalten.

Manfred Rehnen war 26 Jahre alt, als er mit seinem Vater Wilhelm, der bei der Kreisverwaltung beschäftigt war, dessen Papiere sichtete. Das meiste sollte weg, auch ein Dokument, das beim Vater Unbehagen auslöste. Es war der familiäre "Arier-Nachweis" aus dem Dritten Reich. "Vater hat mir eher widerwillig berichtet, dass damals Ahnenforschung betrieben werden musste, weil dies zum Rassenwahn der Nazis gehörte", erinnert Rehnen sich.

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Fasziniert las er nach, wer seine Großeltern und deren Vorfahren gewesen waren. Seine Frau fing ebenso wie er Feuer für die Idee, sich auf die Suche nach den eigenen Wurzeln zu begeben. Bei ihr sei es allerdings eher "wegen der Kinder" gewesen. Zunächst bastelten sie auf unkonventionelle Weise, wie eingangs geschildert, an einer Ahnentafel. Rehnen fand aber schnell Unterstützung im Kreisarchiv in Kempen. "Man half mir, die Schrift zu entziffern. Mit der alten deutschen Schrift kam ich durch einige Übung klar. Schwieriger ist es, mit Einträgen in Latein oder Französisch zurecht zu kommen", räumt er ein.

So wühlte sich der Kempener immer tiefer durch die Ahnengalerie, von Generation zu Generation. Bis etwa 1630 hat er die Familie zurückverfolgt. Es sind 1024 Datensätze, urkundlich belegt, zurückreichend bis zum 15. Vorfahr. "Oft kommt man noch 50 bis 60 Jahre weiter zurück. Mir fehlt ein Verbindungsstück, das zweifelsfrei belegt, wie die Ahnenreihe weiter reicht", berichtet er. Rehnen gibt zu, dass er mitunter schlaflos Nächte hatte, weil er sich irgendwo an einem Dokument festgefahren hatte. "Meine Frau war oft diejenige, die mit ihrem Blick von außen maßgebend zur Lösung beitrug", sagt er.

Rehnen hat nach eigener Schätzung zwischen 25 000 und 30 000 Datensätze aufgearbeitet. "Mit der eigenen Ahnenreihe ist man eigentlich vergleichsweise flott fertig. Aber es lässt einen ja nicht los. Man geht den Weg zurück in die Gegenwart über deren Geschwister. So entsteht auch noch eine enorme Breite." Er ist froh, dass sich die Technik entwickelt hat. Anfangs musste er für eine beglaubigte Kopie bis zu 16 Mark berappen — "das hat mich fast arm gemacht", gesteht er. Und seine Frau fand, dass er mit dem Hobby allmählich zu weit ging.

Seine eigenen Vorfahren waren alle "Ackerer", also Bauern. Die Familie stammt aus Krefeld-Bockum, Fischeln und Umgebung. Nachfahren ließen sich im Großraum Kempen nieder. Bei seinen Forschungen erfuhr Manfred Rehnen viel auch über politische Veränderungen und die Verschiebung kommunaler Grenzen. Besonders spannend seien Funde in Taufbüchern, die etwas aus dem üblichen Rahmen fielen. "Man entdeckt plötzlich Taufen von illegitimen Kindern oder auch die Geburt von Fünf-Monatskindern, gerechnet ab dem Hochzeitsdatum", schmunzelt er. Nicht selten hätten sich Frauen älter gemacht als sie waren, um heiraten zu können.

Probleme werfen auch andere Angaben mitunter auf. "Wichtig ist immer der Beruf des Ahnen, nach dem man forscht. Sind Einträge aber in Französisch gemacht worden, wird es spätestens dann schwierig, wenn es den aufgezeichneten Beruf heute gar nicht mehr gibt, beispielsweise Küfer oder Böttcher und Stellmacher." Endgültig vertrackt wird die Arbeit, wenn man einen Namen in sieben verschiedenen Schreibweisen findet. "Der Pastor hat meist im Taufregister aufgeschrieben, wie er einen Namen hörte", vermutet Rehnen. Ob er die Lücke in der eigenen Ahnenkette füllen kann, weiß er nicht. Wenn ja, führte sie zu einem kleinen Landadel in der Gegend von Neuwied.

(RP/ac)