Erzieher des Berufskollegs Kempen stellen eigene Werke aus; Motto: Upcycling

Berufskolleg Kempen : „Upcycling“ – wie Abfall zu Design wird

Was alles aus nicht mehr gebrauchten Dingen entstehen kann, zeigt das Berufskolleg in Kempen. Die angehenden Erzieherinnern beschäftigten sich mit dem Thema Upcycling. Eine Ausstellung ist in der Schule zu sehen.

Aus einer alten Glasflasche samt Trinkglas und einigen Holzresten ist eine Vogelfutterstation entstanden. Was einst eine alte Pappe war, ist zu einem fröhlichen Mensch-ärgere-dich-nicht-Spielbrett geworden. Bunt angemalte Korken können dazu als Spielfiguren genutzt werden. Ein alter Autoreifen wurde zu einer Kinderwippe umgebaut. Mit einem Stück abgebrochenem Styropor und ehemaligen Joghurtbechern hat die farbenfrohe Konstruktion, die Stifte hält, nicht mehr viel zu tun. Alltägliche Dinge, die ursprünglich in den Müll geworfen werden sollten, dienen als Ausgangsmaterial für neue, kreative Objekte.

Unter dem Stichwort „Upcycling“ haben sich die angehenden Erzieherinnen und Erzieher des Rhein-Maas-Berufskollegs in Kempen im Rahmen des Wahlbereiches „Ökologische Bildung“ mit dem Thema „Aus Alt mach Neu“ auseinandergesetzt. Daraus sind Arbeiten entstanden, die bis zu den Osterferien im Foyer der Schule an der Kleinbahnstraße zu sehen sind.

Aus Dingen, die nicht mehr gebraucht werden und in der Regel im Müll landen, haben die Berufsschüler im Unterricht und in ihrer Freizeit kreative Produkte mit einem neuen Nutzen geschaffen. Nach einem gemeinsamen theoretischen Einstieg ins Thema mit den beiden begleitenden Lehrerinnen Adriane Temme und Tina Heyer ging es los. Wobei die Schüler völlig freie Hand hatten. „Eigentlich wollte ich alte Gläser mit Sprüchen und Glitzer neu gestalten. Aber das klappte nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Also ging ich erneut ans Werk. Wir hatten daheim einen alten Schrank, und auf einmal kam mir die Idee, aus den Schubladen Blumenkästen zu machen“, erzählt Laura Kleinmanns und deutet auf die mit unterschiedlichen gärtnerischen Motiven versehenen Schubladen, in denen Primeln wachsen.

Aus altem Zeitungspapier entstanden Röllchen, die zusammengeklebt eine originelle Schale ergeben. Foto: Wolfgang Kaiser

In eine ganz andere Richtung gingen Tamara Büttgen und Maren Titulaer. Sie recycelten Papier und Werbebroschüren. Die Schülerinnen schnitten lange Streifen, die sie zu Röllchen drehten und verklebten. Aus diesen wiederum gestalteten sie Schalen. 260 Röllchen verarbeitete Maren Titulaer, während es bei Tamara Büttgen 84 waren. Die aus den Röllchen zusammengeklebten Schalen sind dabei in der Ausstellung ein besonderer Hingucker. Sie sehen wie futuristische Designerobjekte aus.

Ellen Stracke hat aus einer alten Jeanshose einen Turnbeutel genäht. „Das Auftrennen war schon viel Arbeit. Aber es ist etwas nützliches Neues entstanden, das man noch lange gebrauchen kann. Zudem muss ich so keinen neuen Turnbeutel für mein Kind kaufen, und ich habe meine Fertigkeiten an der Nähmaschine verbessert“, erklärt sie. Der praktische Aspekt überwiegt auch bei Jessica Brüx. Eine alte Holzbox stand ungenutzt herum. Die 19-Jährige baute sie zu einem Futterschrank für ihre Katzen um. Es kamen Regale hinein, eine Befestigung für die Tür samt Magnet und Griff. Und als Deko gab es zwei Holzscheiben mit Pfotenemblemen.

Aus alten Kinderbüchern, Comics und Holzplatten schuf Martin Boerenkamp einen Tisch. „Eigentlich hätte ich die Bücher gerne spiralförmig angeordnet. Das funktionierte aber nicht. Also habe ich sie gestapelt und mit doppelseitigem Klebeband fixiert“, erklärt der 22-Jährige. Die Holzplatten – eine als Fuß, die weitere als Tischplatte – beklebte er mit ausgeschnittenen Comics. So entstand ein Tisch, der ein absolutes Unikat ist. Lea Heidrich schuf aus Getränkeverpackungen Handyhüllen, und bei Lea Franken entstand aus Büchern von der Oma ein Kasten mit Deckel, der auf einem Bücherstapel ruht und zugeklappt wie ein Buch wirkt. „Die Themen der Bücher waren nicht mein Ding. So ist das Ganze eine tolle Dekoration für mein Zimmer“, sagt sie. Zumal die 24-Jährige die Bücher in einem stilistischen Weiß gehalten hat.

Allen Berufsschülern hat die kreative Arbeit bei dem Projekt nicht nur Spaß gemacht, sondern sie hat ihnen auch die Augen geöffnet, dass vieles, was als Müll bezeichnet wird, anders genutzt noch zu etwas sehr Sinnvollem werden kann.

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