Stadt Kempen: Erste Stolpersteine sind in Planung

Stadt Kempen: Erste Stolpersteine sind in Planung

Die Bürgerinitiative, die sich für ein besonderes Gedenken an Opfer des Nazi-Terrors einsetzt, blickt zuversichtlich ins neue Jahr. 2015 sollen die ersten drei Stolpersteine in Kempen verlegt werden.

Es war am Ende ein bemerkenswerter Erfolg für die rührigen Mitglieder der Initiative "Projekt Stolpersteine". Mit 29 zu 15 Stimmen gab der Kempener Stadtrat in seiner letzten Sitzung des alten Jahres 2014 den Weg frei für ein Vorhaben, das diesmal - getragen von Schülern von Kempener Schulen, von deren Eltern und Lehrern, von Angehörigen der Evangelischen Kirchengemeinde und weiteren Privatleuten in der Thomasstadt - zum Erfolg geführt hat. Mitte 2011 waren die Gedenksteine noch von einer deutlichen Mehrheit im Stadtrat abgelehnt worden.

Der Initiator der ersten Bürgerinitiative in dieser Sache, Philipp Wachowiak, ist im Nachhinein stolz und glücklich, dass sein Ansinnen, für die Opfer des Nazi-Terrors, die einst in Kempen lebten, ein besonderes Gedenken zu erreichen, nun im zweiten Anlauf geglückt ist. Die jetzige Initiative war von Anfang breiter aufgestellt, vor allem das Engagement der Schülerinnen und Schüler von Kempener Schulen zeigte Wirkung. Dem wollte sich die Mehrheit der Mitglieder des Stadtrates nicht verschließen.

Mitglieder der Initiative "Projekt Stolpersteine" übergaben im vorigen Sommer ihren Antrag an den Stadtrat an Bürgermeister Volker Rübo (Mitte). Foto: Kaiser, Wolfgang (wka)

Die eigentliche Arbeit der Initiative hat nach dem Ratsbeschluss begonnen. Die Aktiven um Ute Gremmel-Geuchen und Roland Kühne müssen nun ihre Pläne in die Tat umsetzen. Die Initiative hat inzwischen Kontakt zu dem Kölner Künstler Gunter Demnig aufgenommen. Er ist der Erfinder der Stolpersteine, jener auf Hochglanz polierten Plaketten, die in Pflastersteine eingelassen vor Wohnhäusern verlegt werden, in denen seinerzeit die Opfer des Nazi-Terrors gelebt haben.

Demnig ist mittlerweile ein viel beschäftigter Mann. Er verlegt an vielen Orten in Deutschland und auch im Ausland die Steine mit den Namen der Opfer und Daten zu deren Person und Ermordung. Seine Stolpersteine sind nicht unumstritten, hat der Kölner sie doch zu einem lukrativen Geschäftsfeld seiner Arbeit gemacht.

Diesen Punkt brachten auch die Kritiker des Projektes in Kempen zur Sprache. Letztlich spielt es aber für die Initiative eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist ihr, dass die Stolpersteine bereits in einer breiten Bevölkerung als Symbole des Gedenkens an Nazi-Opfer bekannt sind. Vor allem die Kempener Schüler, die sich in der Sache engagieren, meinen, sie würden mit den Stolpersteinen sofort das Erinnern in Verbindung bringen.

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Wann die ersten Steine in Kempen in einen Bürgersteig eingelassen werden, ist noch offen. Fest steht: Die Planungen für die ersten drei Stolpersteine laufen. Kontakt zu Nachfahren derjenigen früheren Kempener Bürger, an die besonders gedacht werden soll, besteht. Mit den heutigen Eigentümern, vor deren Haus die Gedenksteine verlegt werden sollen, ist bereits gesprochen worden.

Auch Sponsoren, die die Kosten der Steine tragen wollen, gibt es. Rund 120 Euro kostet die Herstellung der Messingplatten und die Verlegung durch den Künstler Demnig. Ebenso sind Bürger bereit, im Rahmen von Patenschaften die Gedenksteine künftig zu betreuen. Die Stadt wird das nichts kosten. Damit sind die Forderungen der Politik bei ihrem Ratsbeschluss erfüllt.

46 Stolpersteine sind geplant - eine ganze Menge. Und das Interesse, eine Patenschaft für einen Stein zu übernehmen, ist groß. "Wir haben für alle bislang geplanten Steine bereits Paten. Wir haben sogar mehr Interessenten als Steine", erklärte Ute Gremmel-Geuchen im Gespräch mit der Rheinischen Post.

Wichtig ist für die Initiative, das Thema nachhaltig in den Kempener Schulen zu verankern. Das Projekt soll aus pädagogischer Sicht keine Eintagsfliege sein. Auch nachfolgende Schülergenerationen sollen über die Stolpersteine und ihre Bedeutung informiert und an das durchaus nicht einfache Thema des Gedenkens an eine Zeit heranzuführen, die sehr fern scheint, aber aufgrund ihrer Grausamkeiten immer wieder präsent sein sollte. So will die Initiative Informationsmaterial erarbeiten, das für den Schulunterricht genutzt werden kann.

Es soll ein Flyer erstellt werden, der über das Projekt berichtet. Zudem ist eine Internetseite geplant. Diese konzeptionelle Arbeit braucht Ruhe. Wichtig ist der Initiative, dass Schüler daran von Anfang an beteiligt werden. Denn schließlich ging die Initiative für das "Projekt Stolpersteine" von Schülern aus. Die Initiative rechnet mit einem Prozess, der über Jahre geht. So wären immer wieder andere Schüler mit der konkreten Umsetzung betraut. "Schön wäre, wenn eventuell eine ganze Schulklasse für die Pflege eines Stolpersteins sorgen und dies zum Thema eines Unterrichtsprojektes machen würde", meint Ute Gremmel-Geuchen.

(RP)
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