Stadt Kempen: Erste Stolpersteine kommen im Dezember

Stadt Kempen: Erste Stolpersteine kommen im Dezember

Die Initiative "Projekt Stolpersteine" will am 15. Dezember die ersten Gedenksteine für aus Kempen stammende Opfer des Nazi-Terrors verlegen lassen. Die Vorbereitungen laufen, Kempener Schüler sind einbezogen.

Ende vergangenen Jahres war die Freude groß bei den Mitgliedern der Initiative "Projekt Stolpersteine", als der Kempener Stadtrat in seiner Sitzung am 16\. Dezember mit Mehrheit den Weg frei gemacht hatte, eine neue Form des Erinnerns an Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft für die Thomasstadt zuzulassen. Mitte vergangenen Jahres hatten Kempener Bürger einen zweiten Anlauf gestartet, dass die aus anderen Städten bekannten Stolpersteine auch zum Gedenken an Kempener Bürger, die von den Nazis ermordet wurden, verlegt werden können. Unmittelbar nach dem positiven Ratsbeschluss begann die Arbeit der rührigen Initiative. Denn bereits in diesem Jahr sollten die ersten Gedenksteine vor den Häusern, in denen die Opfer zuletzt gewohnt hatten, verlegt werden. Nun steht der erste Termin fest: Am Dienstag, 15\. Dezember, sollen ab 9 Uhr die ersten Steine von dem Kölner Künstler Gunter Demnig vor Wohnhäusern auf der Engerstraße und auf der Von-Loe-Straße in den Bürgersteig eingepasst werden.

Demnig gilt als Erfinder der Stolpersteine, hat sie in vielen deutschen Städten bereits verlegt - unter anderem auch in Tönisvorst, Viersen oder Nettetal. Der Kölner hat sie zu einem besonderen Geschäftsmodell entwickelt, was ihm auch viel Kritik eingebracht hat. Diese Kritik kam auch im Laufe der Diskussion um die Steine in Kempen auf, spielt aber mittlerweile keine Rolle mehr.

Ute Gremmel-Geuchen ist froh, dass das Projekt nun verwirklicht werden kann. Die Kempenerin ist Sprecherin der Initiative, hat in den vergangenen Monaten für das Projekt geworben. Weitere Motoren sind beispielsweise der Berufsschulpfarrer Roland Kühne und der Historiker Dr. Hans Kaiser. Sie haben alle dafür gesorgt, dass bei der Initiative vor allem Jugendliche mit ins Boot genommen werden. Schüler der beiden Kempener Gymnasien, Thomaeum und Luise-von-Duisberg-Gymnasium, thematisieren in diesem Schuljahr das Vorhaben um die neue Form der Gedenkkultur vor allem an jüdische Opfer, aber auch Zwangsarbeiter und politisch Verfolgte des Nazi-Regimes aus Kempen im Unterricht. "Die Schüler bereiten die Verlegung der ersten Steine Mitte Dezember mit vor. Sie werden eigene Texte vortragen und sich später auch um die Pflege der Messing-Plaketten kümmern", sagt Ute Gremmel-Geuchen im Gespräch mit der Rheinischen Post. Als Vorsitzende der Schulpflegschaft des Thomaeums ist sie nah dran an den beteiligten Schulen, zu denen auch die Erich Kästner Realschule und das Kempener Berufskolleg gehören.

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Die Initiative ist bei dem sensiblen Projekt weiterhin um einen möglichst breiten Konsens in der Bürgerschaft bemüht. "Die kontroverse Diskussion in der Politik und in der Öffentlichkeit im Vorfeld der Ratsentscheidung hat uns gezeigt, dass wir die bisherige Gedenkkultur an die Opfer der Nazi-Verbrechen auch im Blick halten müssen. Wir sehen die Stolpersteine als eine sinnvolle Ergänzung. Sie sind vielen Kempenern und auch Ortsfremden aus anderen Städten bekannt", sagt Ute Gremmel-Geuchen.

Mit den Hauseigentümern, vor deren Gebäuden am 15\. Dezember die ersten Steine verlegt werden sollen, hat die Initiative Einvernehmen erzielt. Die von der Stadt geforderten schriftlichen Einverständniserklärungen liegen weitgehend vor. Auch die Nachfahren der Familie Mendel, die vor ihrer Deportation ins Vernichtungslager in Riga an der Von-Loe-Straße gewohnt hat, begrüßen das Vorhaben.

Zu den einzelnen Stolpersteinen sind spezielle Faltblätter geplant. Darin soll auf die Schicksale der Kempener, an die erinnert werden soll, hingewiesen werden.

(RP)
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