Erste Ergebnisse des Großprojekts „Schulcampus Kempen“

Großprojekt „Schulcampus Kempen“ : Schulsanierung für 50 Millionen Euro

Die Stadt Kempen hat bereits 2016 Experten mit der Begutachtung der weiterführenden Schulen beauftragt. Jetzt liegen erste belastbare Ergebnisse vor. In den vergangenen zwei Jahren ist sehr viel Zeit bei dem Projekt verloren worden.

Es ist viel Zeit verstrichen, ohne dass bislang Zählbares bei dem Großprojekt „Schulcampus Kempen“ herausgekommen ist. Bürgermeister Volker Rübo hat am Montagabend in der Sitzung des Kempener Bauausschusses Fehler eingeräumt. Bei einem der beiden beauftragten Planungsbüros hat sich die Stadt geirrt. Das Büro hat ein pädagogisches Konzept zur künftigen Entwicklung der weiterführenden Schulen der Stadt vorgelegt, das „einen extrem hohen zusätzlichen Flächenbedarf“ für die beiden Gymnasien und für die Gesamtschule enthielt. Ein zu Rate gezogener Schulexperte bestätigte der Stadt im Januar 2018: Das Programm war überdimensioniert. Von den Planern hat sich die Stadt getrennt und alles noch mal auf Anfang gestellt.

Nun ist für diesen Teil ein neues Büro beauftragt. Der Bürgermeister ist zuversichtlich, dass diese Experten bald brauchbare Ergebnisse liefern. Mit den betroffenen Schulen, Thomaeum, Luise-von-Duesberg-Gymnasium und Gesamtschule, haben die Gutachter bereits gesprochen. Die Schulleiter sind durchaus positiv gestimmt. Zur Schulausschuss-Sitzung am 17. Juni soll ein Raumprogramm vorliegen, das der Stadtrat noch vor der Sommerpausen beschließen könnte.

Das wird dann in ein Raumkonzept für jede Schule verfeinert. Dabei ist das erste Architekturbüro mit im Boot, das seit 2016 durchaus gute Arbeit abgeliefert hat. Sämtliche 14 Gebäude im Schulzentrum wurden begutachtet. Auch wenn man dabei nicht in die Tiefe gehen konnte, wissen die Experten aufgrund von Erfahrungswerten bei vergleichbaren Projekten nun, was die Sanierung der Gebäude ungefähr kosten wird. Sie beziffern sie – je nach Umbaustandard – auf bis zu 47 Millionen Euro. In dieser Summe sind die Kosten für die Außenanlagen (Schulhöfe und Grünflächen) nicht enthalten.

Die Baukosten basieren auf Werten aus diesem Frühjahr. Der Technische Beigeordnete Marcus Beyer erklärte im Ausschuss, dass Kostensteigerungen bei den umfangreichen Umbauten möglich seien. Auch die neue Einrichtung der Schulen sowie die technischen Anlagen für die Digitalisierung sind in der kalkulierten Summe nicht enthalten. Das heißt: Bei einem Projekt dieser Größenordnung, das sich möglicherweise über zehn bis fünfzehn Jahre erstrecken wird, können schnell Kosten in einem Gesamtvolumen von mehr als 50 Millionen Euro zusammenkommen.

Klar ist zudem: Der Umbau im laufenden Schulbetrieb oder während der Ferien ist nicht möglich. Die Gebäude müssen leer gezogen, Schulklassen zeitweise ausquartiert werden. Für die 2020 startende Oberstufe der Gesamtschule soll eine Interimslösung in Modulweise auf der Wiese neben dem Lehrerparkplatz des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums an der Berliner Allee errichtet werden. Dieses Gebäude könnte nach dem Umzug der Gesamtschule beispielsweise in das dann renovierte Gebäude der Martinschule als Ausweichquartier für die beiden Gymnasien dienen.

Stichwort Martin-Schule: Die Hauptschule läuft zum Ende dieses Schuljahres aus. Der Gebäudekomplex könnte dann als Erstes modernisiert werden. Die Politik, insbesondere die CDU-Fraktion, drängt darauf, die ab August leer stehenden Gebäude zu sanieren, um dort Raum für die Oberstufe der Gesamtschule zu schaffen. Damit könnte der Aufenthalt der Gesamtschule in der Interimslösung an der Berliner Allee verkürzt werden, meint die CDU. Der 90 Jahre alte Altbau der Martin-Schule steht unter Denkmalschutz. Unklar ist derzeit, ob das Gebäude – mit Aufzug – barrierefrei gestaltet werden kann.

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