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Stadt Kempen: Erste Blicke in Flüchtlingswohnungen

Stadt Kempen : Erste Blicke in Flüchtlingswohnungen

Schmeddersweg: Die Anwohner äußerten bei einer Info-Versammlung erneut Bedenken gegen das Bauprojekt.

Es ist an dem Abend alles andere als gemütlich. Der Boden vor dem Bau ist aufgeweicht und morastig. Es regnet nach wie vor und es ist dunkel. Nur unzureichend waren in den kleinen Räumen einige Lichtquellen, für die die Schmalbroicher Feuerwehr gesorgt hatte. Dabei war das Interesse enorm, als jetzt eines der beiden sich noch im Innenausbau befindlichen Flüchtlingswohnhäuser am Schmeddersweg vorgestellt wurde.

Dicht gedrängt stehen etwa 30 Menschen in einem etwa 30 Quadratmeter großen Raum links im Erdgeschoss. Bei dem Getuschel versucht Susanne Reuter, Diplom-Ingenieurin und bei der Holz-Fertigungsfirma Adams beschäftigt, das in einer Holzrahmen-Bauweise errichtete Gebäude zu erläutern. "Das Material aus heimischer Fichte und Tanne ist sehr atmungsaktiv, genauso haltbar wie in herkömmlicher Bauweise erstellt, zumal an der Konstruktion nicht gespart wurde", sagt die Ingenieurin.

Es dürften über 150 Menschen sein, die sich die Unterkunft ansehen wollen. Viele gehen unverrichteter Dinge wieder, weil es eben zu voll und zu eng ist. "Hier sollen im Erd- und im oberen Geschoss jeweils vier Wohneinheiten mit maximal fünf bis sechs Personen entstehen, in beiden Häusern finden somit etwa 90 Personen Platz, wobei wir davon ausgehen, dass das erste Haus Ende Februar bezugsfertig sein wird, das zweite dann etwa vier Wochen später", erklärt Sozialdezernent Michael Klee. "Ganz schön eng", ist einer der ersten Kommentare. Zumal Reuter mitteilt, dass der 30 Quadratmeter-Raum noch eine Trennwand erhalten. Für jede der Wohneinheiten stünden dann drei kleine Zimmer bereit, die man sich dann je nach Bedarf aufteilen könnte, dazu kommt eine kleine Koch-Ecke und ein Sanitär-Bereich mit Dusche und Toilette. Platz ist außerdem für einen Lagerraum und für ein Büro des Hausmeisters. Im ersten Geschoss gibt es dann noch einen Aufenthaltsraum. "Nicht opulent, aber ausreichend und sehr zweckmäßig", kommentiert Bürgermeister Volker Rübo. Gemütlicher ist es dann beim Info-Abend im Casino. Nahezu hundert Personen sind da. Die Verwaltungsspitze nennt die enormen Kraftanstrengungen, die bisher bei der Aufnahme der derzeit insgesamt in Kempen wohnhaften etwa 490 Asylbewerber notwendig waren. Die Unterdeckung betrage derzeit, so Klee, etwa 120 Personen. Allerdings geht auch Rübo davon aus, dass die Bezirksregierung Arnsberg erst einmal damit einverstanden sei, wenn bald Wohnraum für weitere 90 Menschen geschaffen werde. Rübo: "Dann haben wir diese Quote zu etwa 90 Prozent erfüllt." Allerdings gibt es noch weitere Quoten und Unbekannte. Denn aufgrund der jetzt bestehenden "Residenzpflicht" müssen die Kommunen auch eine gewisse Anzahl von Plätzen für die anerkannten Asylbewerber vorhalten. Bei dieser Quote hat Kempen derzeit ein Minus von etwa 60 Plätzen. Hinzu kommt der Familiennachzug. Denn, wenn dieser erlaubt wird, werden die Angehörigen, die dann in die jeweiligen Kommunen kommen, bei den Quoten überhaupt nicht berücksichtigt.

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Stephan Karl, Technischer Beigeordner, spricht die ebenfalls am Schmeddersweg im nächsten Bauabschnitt die nächsten geplanten Familien-Wohnhäusern. Karl spricht von ähnlichen Gebäudetypen. Allerdings werden diese Bauten gemauert und verklinkert, erhalten außerdem ein geneigtes Dach, um ganz oben Abstellmöglichkeiten zu schaffen. Diese Wohnungen könnten dann zum späteren Zeitpunkt in den sozialen Wohnungsbau übergehen. Bis zur Realisierung nannte der Beigeordnete einen Zeitraum von zwölf bis 14 Monaten.

Als Sprecher der Anwohner meldet sich mehrmals Norbert Voetz zu Wort. Er spricht das Außengelände an und erinnert daran, dass in der Vergangenheit mehrmals bei starken Regenfällen ein Zirkus abgesoffen sei. Außerdem nannte er die derzeitigen Parkplatzprobleme vor allem in den Sommermonaten am Freibad, die dann noch verschärft würden. Ferner wurde eine Ghettobildung befürchtet, wenn dort bald bis zu 200 Flüchtlinge und Asylbewerber leben würden. Und ein Redner sprach sogar von einer Wertminderung der Eigenheime an der Berliner Allee. All diese Befürchtungen teilten die Stadt-Oberen nicht.

(wsc)