Kempen: Erinnerungen an Heinrich Houben

Kempen: Erinnerungen an Heinrich Houben

Der Schriftsteller und Theaterautor Heinrich Houben (1866 - 1941) aus Leutherheide hat unter anderem das Thomaeum in Kempen besucht. Viele seiner Werke aber sind heute fast vergessen

Als er in den 1950er- und 60er-Jahren die Schule besuchte, habe er von Heinrich Houben nichts gehört, erinnert sich Rolf Ingenrieth. Den Organisator einiger Kulturveranstaltungen zur 900-Jahr-Feier Breyells wunderte das umso mehr, hat der Schriftsteller und Theaterautor doch von 1866 bis 1941 nebenan in Leutherheide gelebt. So sei es nun an der Zeit, in der Reihe "Breyeller Persönlichkeiten" auch ihn vorzustellen. Houben, zeitlebens ein Leuther (erst 1944 wurde der Ortsteil nach Breyell umgemeindet), fühlte sich nämlich als Breyeller: Seine Post ließ er nach "Leutherheide bei Breyell" schicken.

Houben führte eine weltweite Korrespondenz, kann der Brachter Briefmarkensammler Helmut Veikes mit rund 600 Sammlerstücken nachweisen. Da es keine Aufstellung von Houbens Werke gibt, weiß man nicht, wie viele Theaterstücke - meist für Laienbühnen - er geschrieben hat. Die Zahl schwankt zwischen 125 und 200. Veikes schätzt, dass die Gesamtauflage bei um 750.000 gelegen haben könnte.

Eigentlich wollte Heinrich Houben wie sein Vater Wilhelm Lehrer werden und an seinem Wohnort Leutherheide die Kinder unterrichten. So besuchte er auch das Dominikaner-Kolleg in Venlo und das Thomaeum in Kempen. Doch ein brutaler Raubüberfall auf der Landstraße zwischen Lobberich und Breyell im Jahr 1882 ruinierte die Gesundheit des damals 16-Jährigen so stark, dass er alle Berufspläne aufgeben musste.

Dieses Bild aus der Sammlung von Helmut Veikes zeigt die Familie Houben (von links): Maria, Heinrich, Adelgunde, Franz, Helene, Josef und Katharina. Foto: Franz-Heinrich Busch

Houben begann ein Selbststudium, das "uns heute noch großen Respekt abverlangt", schrieb der sonst auf Thomas Mann spezialisierte Lobbericher Buchhändler Hans K. Matussek 2005 im Heimatbuch des Kreises Viersen. Houben erwarb eine "enorme Bildung und ein großes Wissen", vor allem in Literatur, Kunst, Theologie und Geschichte. "Er wollte ja Schriftsteller werden. Er hat auch verschiedene Sprachen gelernt und war im Deutschen ein brillanter Stilist", meint Matussek.

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Houben begann mit kleineren Arbeiten und veröffentlichte vor 130 Jahren sein erstes Büchlein, einen "Leitfaden zum Krämerlatein, genannt Henese Fleck". Auf 40 Seiten zeigt er die wichtigsten Wörter auf und erzählt kleine Geschichten zum Üben, damit auch "auswärtige Liebhaber dieser Sprache Gelegenheit (haben), das Krämerlatein möglichst nach Art der Breyeller sprechen zu lernen". Zum Ortsjubiläum ist ein Nachdruck erschienen. Einige Houben-Titel sind "Die Schauspielkandidatin", "Freischütz", "Ben Hur" (Schauspiel), "Bethlehem" (Bühnenspiel für die Weihnachtszeit), "Wenn du eine Mutter hast", "Der Kampf mit dem Drachen". Für sehr bemerkenswert hält Matussek das Passionsspiel "Jerusalem", das als Houbens 100. Stück am 28. Februar 1926 seine Uraufführung in Leutherheide erlebte.

Die Verbreitung seiner Stücke hat Houben fast generalstabsmäßig geplant. Aus der Krautpresserei Mertens in Leutherheide ging später der Theatervertrieb Mertens hervor - der blieb ebenso in der Verwandtschaft wie der Theaterverlag Willy Bosch in Breyell, den der Sohn seiner Schwester führte. Der "Rheinische Bühnen-Verlag Willi Bosch, Breyell im Rheinland", veröffentlichte noch 1954 das Stück "Die Zigeunerin von Rocca Villa".

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es ansonsten still um Houben. Hin und wieder wurde sein Melodram "Wenn du eine Mutter hast" - 1911 als 50. Werk erstmals veröffentlicht - aufgeführt, nachzulesen in einer 2002 erschienenen Dissertation "Das Theaterspiel der Kolpingfamilien im Bistum Münster".

Dass Heinrich Houben "als Autor heute nur noch wenigen bekannt ist, liegt daran, dass seine Stücke stark zeitgebunden waren", schreibt Matussek.

(RP)