Gemeinde Grefrath: Erinnerungen an die letzten Kriegstage

Gemeinde Grefrath : Erinnerungen an die letzten Kriegstage

Der Heimatverein Grefrath hat die Tagebuchaufzeichnung von Jakob-Heinrich Goertz neu aufgelegt. Goertz war von 1934 bis 1955 Leiter der Grefrather Feuerwehr. Er hat die Ereignisse am Kriegsende niedergeschrieben.

Während die Schrecken des Zweiten Weltkrieges mit der Kapitulation am 8. Mai 1945 zu Ende gingen, endete im Westen des früheren Kreises Kempen-Krefeld der Krieg bereits am letzten Tag des Monat Februar 1945. Am 1. März 1945 haben die Amerikaner verschiedene Gemeinden im Westkreis besetzt. In Alt-Grefrath hat der damalige Leiter der Freiwilligen Feuerwehr, Jakob-Heinrich Goertz, die Ereignisse nach dem Kriegsende in Grefrath in seinem Tagebuch aufgezeichnet. Der Grefrather Heimatverein hat diese Aufzeichnungen jetzt in einem kleinen Buch mit finanzieller Unterstützung der Firma J. Delschen GmbH & Co. KG aus Grefrath veröffentlicht. Das Buch mit dem Titel "Wie war das damals in Grefrath?" ist für 4,80 Euro in der Buchhandlung Karl Groß an der Hohe Straße in Grefrath erhältlich.

Schon vor sechs Jahren hatte der Heimatverein Grefrath unter dem gleichen Titel "Wie war das damals in Grefrath?" Aufzeichnungen von Maria Schommer, die im Ort ein Lebensmittelgeschäft führte, veröffentlicht. Tagebuchaufzeichnungen sind nach Ansicht des Heimatvereins immer subjektiv. Die Aufzeichnungen von Jakob-Heinrich Goertz vermitteln ein Stimmungsbild aus Grefrath am Ende des Zweiten Weltkrieges. Anders als Maria Schommer kommentiert Goertz auch die damalige politische Situation und das Verhalten beteiligter Personen. Seine persönliche Einstellung ist an bestimmten Stellen deutlich zu erkennen. Oder: Es gab damals Spannungen zwischen den Deutschen und den in Grefrath lebenden Bürgern mit niederländischer Staatsangehörigkeit. Häuser, in denen Niederländer lebten, waren vielfach gekennzeichnet und blieben so von Durchsuchungen verschont.

Die dem Heimatverein vorliegenden Aufzeichnungen wurden zunächst in eine heute für jedermann lesbare Schrift übertragen. Kleine sprachliche Korrekturen wurden vorgenommen. Unwesentliche Ausführungen - beispielsweise zum Wetter - wurden weggelassen. Nicht verändert wurde die Wortwahl von Goertz, zeigt sie doch seine persönliche Gefühlslage im Jahre 1945.

Der Heimatverein Grefrath bezeichnet diese Aufzeichnungen als "historisches Dokument". Es gibt Aussagen, die sich fundamental von der heutigen historischen Sichtweise unterscheiden. Dies im Zusammenhang mit jüdischen Mitbürgern, mit Menschen anderer Hautfarbe oder dem Umdenken hinsichtlich der Amerikaner.

Goertz sieht sich schon am 1. März 1945 bestätigt, dass "meine seit Eintritt der USA in den Krieg gehegte Vermutung, dass der Krieg kein gutes Ende nehmen wird, sich zu bestätigen scheint". Der Feuerwehrchef berichtet vom "Durchbruch des Feindes bei Viersen". Einen Tag später macht er sich sorgen um die Geräte der Feuerwehr. Am Samstag 3. März, mussten Grefrather Bürger in 30 Minuten ihre Häuser räumen. "Nun erst erkannte man, was es heißt, einen unerbittlichen Feind (USA) im Land zu haben", kommentiert dies Goertz.

Im Laufe des Monats März berichtet er von unruhigen Nächten. Nachts rollten Panzer und schwere Fahrzeuge durch Grefrath. Am Freitag, 23. März 1945, stellt Goertz fest: "Wie sieht unser schönes Grefrath aus?" Im April 1945 wird Radfahren im ganzen Kreisgebiet wieder erlaubt. Im diesem Monat mussten erneut zahlreiche Häuser geräumt werden. Aus Betrieben verschwand nach Goertz' Angaben Handwerkszeug. Er berichtet von "sinnlosen Zerstörungen". Am 12. April schreibt er auf: "Im Hause Feyen wurden holländische Soldaten einquartiert, diese benehmen sich schon als die Herren des Landes." Aber er schreibt auch: "Unsere braven Soldaten haben dies ja auch in Holland so gemacht. Mal wieder Zahn um Zahn." Am 18. April berichtet Goertz, dass die "Russenplage immer schlimmer wird". Für den 8. Mai trägt er in sein Tagebuch ein: "Es hat sich bestätigt, dass endlich die Waffen ruhen." Und am 9. Mai schreibt Goertz: "Wenn man das Radio hört, sind wir nur ein Verbrechervolk." Die Aufzeichnungen enden mit dem 19. Mai: "Heute erhalten wir wieder Bier, aber sehr dünn. Wie man allgemein hört sollen die Renten wegfallen und auf die Fahrräder soll eine Steuer kommen."

(mab)
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