Erholung im Kleingarten

Naherholung: Der Kleingarten, das grüne Paradies

Unweit der Kempener Innenstadt gibt es eine Oase, in der die Besitzer und Pächter sich am liebsten aufhalten. Feste Regeln gibt es nicht, es geht locker und leger zu.

Auf dem Stadtplan von Kempen ist es lediglich eine hellgelbe Fläche, das Gebiet zwischen Donkring, St.Töniser Straße, Marienburgstraße, Dinkelbergstraße und Vorster Straße. Doch in der Realität ist es eine einzige grüne Oase, eine uralte Kleingartenanlage aus Parzellen, die teilweise schon seit Generationen in Familienbesitz sind. Obwohl die unmittelbare Stadtnähe im Laufe der Jahre immer wieder Begehrlichkeiten weckte, ist dieser historische Stadtgarten bislang von größeren Bauvorhaben verschont geblieben. Durchzogen ist das Gebiet von Mülgauweg und Steinpfad. Die beiden schmalen Wege sind autofrei, werden von vielen Radfahrern und Spaziergängern genutzt. Zudem ist es eine beliebte Abkürzung, um mal eben in die Innenstadt zu gelangen. Gesäumt werden diese Wege von mehreren hundert Meter langen alten Hecken, die bereits einen hohen eigenständigen ökologischen Wert darstellen. Auch wenn sie kürzlich durch die Stadt teilweise radikal zurückgeschnitten wurden, um die Wege wieder zu verbreitern.

Hinter den Hecken liegen die Gärten, die so individuell wie ihre Besitzer sind. Oftmals teilen sich mehrere Gartennutzer ein großes Grundstück. Wie bei Doro Zeitz (57) und Michael Leschka (50) aus Kempen. Seit 2006 hat das Ehepaar einen 600 Quadratmeter großen Garten am Mülgauweg gepachtet. „Nebenan sind Angela, auf der anderen Seite Carsten und Gaby“, erzählt Doro. Die Grenzen zu den anderen Gärten sind durchlässig und einsehbar. Doro und Michael haben ein Haus in Kempen, doch „hier ist für uns das Leben, das ist Entspannung pur“, berichtet Doro. „Wir sind jeden Tag hier, auch im Winter“, fügt ihr Mann hinzu. Ihr Garten mit altem Baubestand, Teich, einem Gemüsegarten und vielen Beerensträuchern wird ökologisch bewirtschaftet.

  • Serie Leben In Der Paulsmühle (teil 5) : Eine grüne Oase am Benrather Waldrand

Zwei Katzen kommen vorbei, sie sind Gemeinschaftsgut. „Wir spritzen gar nicht, was wächst, das wächst“, sagt Doro. Oder auch nicht. Denn im Moment bereitet die Trockenheit den Gärtnern große Sorgen, Kanne um Kanne wird auf die Beete geschleppt. Per Hand wird das Wasser heraufgepumpt. In der ganzen Anlage gibt es keinen Strom. Irgendwie alles so wie früher, so fühlt es sich hier an. Gerade radelt Christos Nikolaidis (79) vorbei. Wie jeden Morgen ruft der gebürtige Grieche ein freundliches „Kalimera“ hinüber. Seit 40 Jahren hat er seine Parzelle am Mülgauweg angepachtet. Kartoffeln, Zucchini, Bohnen, Gurken und Tomaten wachsen zwischen den Schuppen, die aus Fundstücken aller Art fantasiereich zusammengebastelt wurden. Seine Hühner liefern täglich frische Bioeier. Gerade kommt eine Nachbarin vorbei, um an der Pumpe von Christos ihre Gießkanne aufzufüllen. Der Streifen entlang der Gärten gehört allen und wird ganz selbstverständlich mitversorgt. „Man spricht miteinander, man hat Vertrauen“, sagt Enkelin Eleni, die den Garten versorgt, wenn Opa in Griechenland Urlaub macht. Neben den intensiv bewirtschafteten Gärten mit Gemüseanlagen und Blumenrabatten gibt es auch die pflegeleichteren Varianten mit grünen Rasenflächen, einem Pool oder Kinderspielgeräten. Jeder richtet sich hier so ein, wie es seinen Bedürfnissen entspricht. „Was wir hier so schön finden, ist das Unorganisierte“, sagt Angela Janssen, die selbst einen Garten am Mülgauweg besitzt. „So gibt es hier eine ungeschriebene Mittagsruhe, an die sich alle einfach so halten“, berichtet sei. Seit Generationen ist ihr Garten in Familienbesitz. „In dem Gartenhäuschen hat schon meine Mutter gespielt“, erzählt sie.

Die Gartenparzellen gehören privaten Eigentümern, der Kirche und der Stadt. Es gibt auf dem Gelände keine übergeordnete Vereinsstruktur, das Leben hier regelt sich aus aller Gewohnheit selbst, im Miteinander der Menschen. Zudem kann das gesamte Gebiet mit seiner unmittelbaren Stadtnähe getrost als eine Art „grüne Lunge“ Kempens angesehen werden. Ein erhaltens- und schützenswertes Kleinod, das gerade in Zeiten größerer Hitze- und Trockenheitsperioden klimatisch wohltuend auf das Stadtklima einwirken dürfte.