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Engpass bei Kita-Plätzen in Kempen droht

Zum neuen Kindergartenjahr : Kempen: Engpass bei Kita-Plätzen droht

Erstmals könnte es im Sommer 2020 in Kempen größere Probleme bei der Kinderbetreuung in Kitas geben. Der Kita-Ausbau ist ins Stocken geraten. Die Stadt plant drei Neubauten. Die werden aber nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen.

Und wieder einmal muss man sich im Kempener Rathaus von einer Strategie zum Ausbau der Betreuungsplätze für Kinder in Kindertagesstätten verabschieden. Nachdem bereits eine geplante Interimslösung auf einer Wiese am Forum in St. Hubert nicht realisiert werden konnte, weil sich trotz mehrfacher Nachfragen seitens des Hochbauamtes kein Anbieter von Fertigbauten gefunden hatte, der eine Übergangskita an der Stendener Straße zur Miete errichtet hätte. Nun hat die Stadt auf Anfrage unserer Zeitung eingeräumt, dass es auch beim geplanten Neubau von zwei Kindergärten in Kempen und St. Hubert zurzeit nicht so recht weitergeht. „Erstmals könnte es sein, dass im kommenden Jahr nicht alle Kinder versorgt werden können“, so Bürgermeister Volker Rübo in einer Stellungnahme auf unsere Anfrage. Diese ist parallel auch an die im Stadtrat vertretenen Fraktionen verschickt worden.

In der jüngsten Ratssitzung war der Kita-Ausbau zwar in fast allen Haushaltsreden der Fraktionsvorsitzenden Thema. Aber zu diesem Zeitpunkt war die für Kempen schwierige Lage nicht bekannt. Wie viele Betreuungsplätze zum neuen Kindergartenjahr 2020/2021 fehlen, lässt sich nach Angaben der Stadt derzeit noch gerade nicht sagen. Eine zunächst erstellte Zahlenübersicht wurde zurückgezogen. Erst Ende Januar lägen belastbare Zahlen vor, denn erst dann endet das Anmeldeverfahren für die Eltern.

Trotzdem laufen die Vorbereitungen fürs neue Kindergartenjahr. Derzeit würden in etwa der Hälfte der städtischen Kitas bereits Überbelegungen eingeplant. Auch die Notgruppe im „Haus für Familien – Campus“ am Spülwall soll fortgeführt werden. Dazu benötigt die Stadt die Genehmigung des Landesjugendamtes. Wie die Stadt das Problem möglicherweise fehlender Betreuungsplätze fürs neue Kita-Jahr in den Griff bekommen will, weiß man im zuständigen Jugendamt noch nicht. Das hofft im Januar nach Bekanntwerden der tatsächlichen Anmeldezahlen schlauer zu sein.

Schon im laufenden Kita-Jahr gab es erhebliche Probleme, alle von ihren Eltern angemeldeten Kinder in einem Kindergarten oder in einer Tagespflegegruppe unterzubringen. Das gelang nur durch Überlegungen in einzelnen Einrichtungen und das Entgegenkommen einiger Eltern, die ihr Kind statt in einer Kita in der neuen Großtagespflege in der ehemaligen St. Huberter Schule betreuen lassen oder die Kita-Betreuung für das laufende Jahr ganz zurückstellten.

Der von der Politik auf Vorschlag der CDU bereits 2018 beschlossene Neubau von zwei Kindergärten durch einen Privatinvestor ist nun auch vom Tisch. Vom Investorenmodell hat sich die Stadtverwaltung nach intensiver Prüfung verabschiedet – „insbesondere aus finanzieller Sicht und aufgrund der langfristigen Bindung an einen Investor, von dem die Stadt die Kitas anmieten müsste“. Weil es derzeit entsprechende Förderprogramme des Landes und nach wie vor günstige Zinsen gibt, will die Stadt nun lieber selbst bauen anstatt zu mieten.

Daher wird der Politik vorgeschlagen, dass die Stadt gemeinsam mit einem beauftragten Architekten neue Kindergärten baut, und zwar gleich drei Einrichtungen mit jeweils sechs Gruppen. 14 Millionen Euro sind dafür an Haushaltsmitteln in den beiden Haushaltsjahren 2020 und 2021 eingeplant.

Im Vorgriff auf das Neubaugebiet im Kempener Westen soll der Plan, am Schmeddersweg eine neue Kita zu bauen, nun realisiert werden. Angedacht ist die Kita auf dem Gelände südlich des ehemaligen Sporthotels zwischen Schmeddersweg und Ziegelheider Straße. Dort will die Hospital-Stiftung bekanntlich zwei neue Altenpflegeheime errichten. Eine weitere Kita soll auf der Wiese neben dem Feuerwehrgerätehaus an der Bendenstraße in St. Hubert entstehen. Als Ersatz für die Kita „Bärenstark“ in unmittelbarer Nachbarschaft soll dort ebenfalls ein neuer Kindergarten entstehen. Den Pavillonbau dieses Kindergartens in den nächsten Jahren aufwendig zu sanieren, sei aufgrund der Leichtbauweise nicht zu rechtfertigen, so die Stadt. Dann will man doch lieber gleich alles neu bauen.

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