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Eltern im Kreis Viersen wollen mehr Informationen zur aktuellen Lage

Infektionsgeschehen im Kreis Viersen : Corona-Hotspots an 58 Schulen und Kitas

Unter Kindern gibt es immer mehr Corona-Fälle: An 42 Schulen und 16 Kitas im Kreis Viersen registriert der Kreis Viersen aktuell ein erhöhtes Infektionsgeschehen. Eltern wollen mehr Informationen zur aktuellen Lage.

Schulen und Kindergärten sind durch die Corona-Pandemie aktuell massiv betroffen. Welche Einrichtungen dazu zählen, zeigt der Kreis Viersen in seiner täglichen Übersicht. Allerdings tauchen dort nicht alle Einrichtungen auf, an denen Corona-Infektionen bekannt geworden sind. Und das irritiert Eltern. Viele würden sich wünschen, regelmäßig und vollständig über das Infektionsgeschehen informiert zu werden. „Willicher Kitas fehlten in der Übersicht des Kreises zuletzt komplett, obwohl es mehrere Fälle gab, wo man von einem Ausbruch sprechen kann“, sagt Noëlle von Eckartsberg, Vorsitzende des Jugendamtselternbeirats in Willich.

Für die Eltern sei das schwierig zu verstehen. „Manche meinen, wenn gar keine Kita in Willich aufgeführt ist, kann es ja so schlimm nicht sein“, beschreibt von Eckartsberg das Problem, „und dort, wo es Ausbrüche gibt, fragen sich Eltern, warum das nicht gemeldet wird, obwohl Kinder in Quarantäne sind und Gruppen geschlossen werden.“ Nur wenn Eltern Transparenz bekämen, könnten sie entsprechend reagieren, das Kind beispielsweise eine Weile zu Hause betreuen oder mal drei Wochen nicht zum Kinderturnen schicken, sagt von Eckartsberg: „Es ist wichtig, dass jeder daraus für sich die entsprechenden Schlüsse ziehen kann.“ Ihr Fazit: „Es kommt bei den Eltern gerade nicht an, wie das Infektionsgeschehen aktuell ist.“

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Wie der Kreis Viersen erklärt, sind in der täglichen Übersicht derzeit ausschließlich Schulen und Kitas aufgeführt, wenn dort mehrere positive Fälle innerhalb eines kurzen Zeitraums aufgetreten sind. Der Grund dafür sei das stark angestiegene Infektionsgeschehen in den vergangenen Wochen. Grundsätzlich sei von einem erhöhten Infektionsrisiko in Kitas und Schulen zu sprechen, wenn „die Isolation des positiven Falls nicht ausreichend war, um eine Infektion von Kontaktpersonen innerhalb der Einrichtung einzudämmen.“ Die vom Kreis Viersen veröffentlichten Meldungen beziehen sich ausschließlich auf Ausbrüche, heißt es weiter. Ein Einzelfall oder auch mehrere Fälle in unterschiedlichen Klassen ohne erkennbaren Zusammenhang bilden laut Kreis keinen Ausbruch.

„Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es im Kreis Viersen an 42 Schulen und 16 Kitas ein erhöhtes Infektionsgeschehen“, teilte der Kreis Viersen am Dienstag auf Anfrage weiter mit. Doch wie viele Kinder in Kitas und Schulen und wie viele Mitarbeiter der Einrichtungen mit dem Coronavirus infiziert sind, dazu macht der Kreis keine Angaben: „Gerade an den Schulen sind zum größten Teil nur die Schülerinnen und Schüler und nur in Einzelfällen das Lehrpersonal betroffen. In Kitas kommt es in den letzten Wochen sowohl unter den Kindergartenkindern als auch unter den Erzieherinnen und Erziehern vermehrt zu positiven Fällen“, teilte eine Sprecherin des Kreises mit.

Unklar ist auch, wie viele Kinder aus Schulen und Kitas und wie viele Mitarbeiter derzeit in Quarantäne sind: Laut neuer Corona-Test- und Quarantäneverordnung des Landes vom 22. Januar verpflichte bereits ein positiver Schnelltest zur unverzüglichen Isolation, eine gesonderte Anordnung der Behörde sei für die Isolierung nicht erforderlich, so der Kreis. Kontaktpersonen würden in Schulen und Kitas dann ermittelt, wenn es schon zu mehreren positiven Fällen innerhalb einer Klasse oder der Gruppe gekommen sei, so die Sprecherin: „Aus diesem Grund werden unter besonderen Umständen ganze Klassen oder Kindergartengruppen in häusliche Quarantäne geschickt.“ Im Moment befänden sich zehn Klassen und vier Kindergartengruppen in häuslicher Quarantäne.

Warum Fälle an Schulen und Kitas teilweise nicht in der Übersicht des Kreises auftauchen, obwohl Eltern Fälle bekannt sind, erklärt der Kreis Viersen so: „Die Meldungen der positiven Fälle an Schulen und Kitas geschehen erst nach der Kontaktaufnahme mit dem positiven Fall oder den Eltern, da erst danach absehbar ist, ob enge Kontaktpersonen in der Schule oder der Kita entstanden sind. Aus diesem Grund kann es zu einer Verzögerung in der Meldung der jeweiligen Einrichtung kommen und gekommen sein. Eine Meldung vor der Ermittlung des jeweiligen positiven Falls würde zu Fehlern in der Meldung von Einrichtungen mit erhöhtem Infektionsgeschehen führen.“

Pia Keinath, Mutter von zwei Kindern (zwei und vier Jahre alt), würde sich ebenfalls eine vollständige Übersicht wünschen. Viele Eltern schickten ihre Kinder derzeit nicht in die Kita, weil sie Angst vor einer Corona-Infektion hätten, hat die Willicherin festgestellt, die sich auch im Elternbeirat ihrer Kita engagiert. Manche Familie informiere bei einem positiven Test nur engste Kontakte, andere informierten alle – jeder gehe unterschiedlich damit um. „Das Gesamtbild der aktuell gemeldeten Zahlen ist weit weg von der Realität“, sagt die Willicherin und fügt hinzu: „Ich glaube, dass Eltern stärker sensibilisiert würden, wenn man die aktuellen Zahlen hätte.“

Auf die Frage, welche Möglichkeiten der Kreis Viersen habe, Eltern eine vollständige Übersicht zu geben, verweist der Kreis Viersen auf den damit verbundenen Aufwand: „Die Meldungen des Kreises Viersen in Bezug auf das Coronavirus entwickeln sich stets weiter und werden dem dynamischen Infektionsgeschehen angepasst“, so die Sprecherin: „Jedoch werden aktuell alle Ressourcen benötigt, um sich dem Infektionsgeschehen entgegenzustemmen.“

(biro)