Serie: 50 Jahre Realschule In Kempen (5) Ein Rückblick auf die Ära Hubatsch

Kempen · Im Jahre 1984 geht die Dienstzeit des Gründungsrektors der Kempener Realschule, Herbert Hubatsch, zu Ende. 40 Jahre ist der an den Niederrhein verschlagene Schlesier hier Lehrer gewesen, 20 davon als Leiter der neuen Realschule.

Am Ende seiner Dienstzeit ist der erfahrene Schulmann Herbert Hubatsch bekannt für seine pädagogischen Maximen. "Oft wird Kindern vieles aus dem Weg geräumt, was sie selbst hätten anfassen können. Das macht lebensuntüchtig", gibt er bei der Entlassfeier am 10. Juli 1982 Schülern und Eltern mit auf den Weg. Und fügt augenzwinkernd nur für die Schüler hinzu: "Lehrer sollten nicht versuchen, allwissend zu sein. Hoffentlich habt Ihr nichts geglaubt, wenn man vom hohen Ross zu Euch sprach." Von den Kollegen wünscht er sich zur Verabschiedung sein Lieblings-Theaterstück: Thornton Wilders "Unsere kleine Stadt". Davon gibt es dann drei Aufführungen, jedes Mal von Standing Ovations gekrönt. Und das Theaterteam der Schule schenkt ihm eine Biographie auf Bühnenbrettern: "Die Herbertiade".

Heute, im Alter von 93 Jahren, wirft Herbert Hubatsch einen Rückblick auf ein erfülltes Lehrerleben, auf ein erfülltes Leben überhaupt: "Das Lehrersein hat mein Leben reich gemacht. Ich habe meine Kollegen und Kolleginnen gern gehabt. Ich war ein weicher Schulleiter, ich hätte ruhig an mancher Stelle härter sein müssen. Aber es hat ja alles geklappt!"

Auch mit Schülerstreichen ist er souverän umgegangen. Ein Beispiel: Zu seiner Entlassung hatte ein bisher recht unauffällig wirkender Schüler einen raffinierten Plan ausgetüftelt. Am frühen Morgen des 10. Juni 1974 platzierte er Emil auf dem Dach des Hauptgebäudes - den legendären Knochenmann aus dem Biologiesaal. Dem Täter gelang die Flucht, Hunderte von Schülern starrten auf das Dach-Gerippe.

Als die Kripo kam, die der Direktor nicht geholt hatte, wiegelte er die Ermittlungen ab: "Das ist doch nur ein Schülerstreich." Dem Schulleiter imponierte vor allem die generalstabsmäßige Planung, mit der der "Große Unbekannte" sein Vorhaben bis auf die Minute durchgecheckt hatte: "Der hat mal Köpfchen bewiesen."

Am nächsten Tag ließ der Skelett-Spediteur Direktor Hubatsch in einem Bekennerbrief einen Fünfziger zur Beschaffung eines neuen Schädels zukommen, denn der alte war ihm bei der Aktion entzweigegangen. Noch vor seiner Entlassung führte er mit seinem Direktor ein klärendes Gespräch; man hielt in Schülerkreisen damals noch viel von Fair-Play. Mittlerweile ist der Skelett-Bugsierer ein etablierter Handwerker: Georg Schovenberg befasst sich mit der Entkernung öffentlicher Gebäude.

Hubatsch hat mit seinem Wirken die Realschule noch lange geprägt. Jahrzehnte nach seinem Abgang war auf seine Initiative hin Skifahren ein fester Unterrichtsgegenstand: Seit 1971 in Hitzenlinde im Allgäu, seit 1975 auf dem Feldberg im Schwarzwald, seit 1979 schließlich auf den Hängen am Brauneck bei Lenggries/Oberbayern, wo Herbergsmutter Erika den Kempenern jeden Wunsch von den Augen ablas. Auch für Skischulbesitzer Kaspar Hecher gabQs "koane Probleme net". Aber allmählich stiegen die Preise, und 1997 fand die letzte Ski-Tour statt.

Ebenso begründete der Direktor einen Jahrzehnte langen Austausch mit England. Wie es dazu kam? 1970 unterstand die Realschule noch dem Kreis. Also schloss sie sich der Partnerschaft des Kreises Kempen-Krefeld mit der Grafschaft Cambrigde an. Schulleiter Herbert Hubatsch knüpfte Kontakte zum Village College Bottisham. Erstmals im September 1972 erschienen 31 Girls and Boys mit vier Lehrern als Gäste in Kempen. Daraus entspann sich ein jahrzehntelanger Austausch: Im Mai erschienen die Engländer, im September-Oktober fuhr eine gleich große Gruppe von Realschülern auf die Insel. 2002 erschienen die englischen Gäste zum letzten Mal, denn die Urlaubsländer Spanien und Frankreich hatten Deutschland als Wunschziel verdrängt.

(hk-)
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