Stadt Kempen: Ein Kinoabend der besonderen Art

Stadt Kempen: Ein Kinoabend der besonderen Art

Zwiespältig nahmen viele der Besucher den Film "Erbarme Dich - Die Matthäus-Passion" von Ramón Gieling auf. Er wurde im Rahmen der Geistlichen Woche von der Pfarre St. Mariae Geburt in den Kempener Lichtspielen gezeigt.

Dieser Film hat es in sich. Das wurde den Besuchern der Kinovorstellung am Dienstagabend schnell deutlich Auf jeden Fall fordert er zur Diskussion auf. Der Niederländer Ramón Gieling setzt die Musik von Johann Sebastian Bach in einen ganz neuen Kontext. Er verknüpft Bachs Musik mit Geschichten. Darsteller, Musiker, Tänzer, der Dirigent und auch ein Regisseur sowie eine Schriftstellerin erzählen von ihrem ganz eigenen Erleben dieser Musik. Ebenso ein Maler, der während dessen ein Bild seines Sohnes malt. Dieser liegt wie ein Leichnam unter einem weißen Tuch. Immer geht es um die großen Themen Leben und Liebe, Tod und Gotteserfahrung. Es sind sehr persönliche Dinge, die mit dem Publikum geteilt werden.

Neben diesen Erzählungen, die teils in privaten Räumen entstanden, entwickelt sich die Handlung in einem leeren Raum mit Betonwänden. Es gibt nur reduziertes Licht. Die Kälte der Räume ist fast spürbar. Einen sehr wichtigen Part übernehmen Mitglieder des Amsterdamer Obdachlosenchores, die das Geschehen verfolgen. Aber diese Mischung von Erzählungen in Verbindung mit der Musik ist teils schwierig und sehr anstrengend nach zu vollziehen.

Dazu kommt dann die wunderbare Musik von Bach. Er hat die Matthäus-Passion unter dem Eindruck des Todes seines Lieblingssohnes geschrieben. Aber sie ist keineswegs traurig, sondern verheißt Hoffnung. Vielleicht gehört sie deshalb zu den bekanntesten Passionswerken. Die Uraufführung fand am Karfreitag, 11. April 1727, in der Thomaskirche in Leipzig statt.

Der Kempener Organist Christian Gössel hatte es übernommen, bei Filmvorführung kurz in die Komposition einzuführen. Es sei ein großes Werk, so Gössel. Dies zeige schon die Besetzung, die Bach vorsah. Zwei Chöre, zwei Orchester sowie Solisten sollten es sein. Ein Aufführung der Passion stellt für jeden Dirigenten auch aufgrund ihrer Länge eine besondere Herausforderung dar. Eine hübsche Anekdote hatte der Kantor Gössel auch noch parat. Das Werk war Bach wohl so wichtig, dass er weder an Papier noch an Tinte sparte.

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Was im Film wiederum sehr gut zu merken war, ist dass Bach sein Werk so verfasst hat, dass Arien und Instrumente in einem ständigen Dialog stehen. Dies ist auch bei den Chören so. Der erste Chor singt die Bibeltexte des Evangelisten Matthäus, der andere reflektiert sie dann noch einmal. Gössel meinte auch, dass so die Musik auch viele Menschen, die nicht glauben, berührt. Dies bestätigt der Film in den Berichten der Menschen. Gössel bezeichnete zum Beispiel die Arie "Erbarme Dich" als "tief erschütternd." Zu hören ist eine Solostimme, zurückhaltend von Kontrabass und mehreren Streichern begleitet. Dies hat eine Wirkung, der sich der Zuhörer tatsächlich nicht entziehen kann.

Lange wurde das aufwendige Werk nicht aufgeführt, bis es Felix Mendelssohn-Bartholdy und Carl Zeller 1829 in einer teils gekürzten Fassung sozusagen wieder erweckten. Damit lösten sie eine Renaissance der Bach'schen Werke aus, die bis heute anhält.

Weitere Veranstaltungen in der Geistlichen Woche in Kempen: Freitag, 16. März, 20 Uhr, in der Prop-steikirche das Konzert "Der Kreuzweg" mit Christian Gössel und Salome Amend. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird im Anschluss gebeten. Sonntag, 18. März, 11.30 Uhr, in der Kirche St. Josef in Kamperlings zum Abschluss ein Familiengottesdienst.

(sr)