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Gemeinde Grefrath: Ein Freund der Familie predigt

Gemeinde Grefrath : Ein Freund der Familie predigt

Er muss heute Abend beim Trauergottesdienst für den zehnjährigen Mirco das Unfassbare in Worte fassen: Roman Siewert ist Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden und begleitet Mircos Eltern seit Monaten.

Roman Siewert hat schon mehrere Opfer von Kapitalverbrechen begleitet. Doch die Eltern, Geschwister und Angehörige des am 3. September 2010 ermordeten Mirco Schlitter aus Grefrath zu betreuen, verlangte dem erfahrenen Seelsorger alles ab. Seit Jahren ist der 63-Jährige mit der Familie eng verbunden, Mirco kannte er gut.

Heute Abend beim Trauergottesdienst für den zehnjährigen Jungen wird Siewert, der Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP) ist, die Predigt halten. Teil seiner Predigt wird auch ein persönlicher Brief der Familie Schlitter sein, den Siewert vorlesen wird.

Ständiger Kontakt zur Familie

In den vergangenen Monaten seit Mircos Verschwinden hatte der Seelsorger ständig Kontakt mit der Familie. Oft war er in Grefrath, sprach und betete mit ihr, die zur Freien Christengemeinde "Evangeliums-Haus" in Krefeld gehört. Deren Pfarrer Norbert Selent gehörte auch zu dem Team, das die Familie regelmäßig besuchte.

Siewert war es auch, der am Mittwochnachmittag vergangener Woche gemeinsam mit Willi Schinken von der Sonderkommission Mirco der Familie die Nachricht brachte, das Mirco tot aufgewunden wurde und der mutmaßliche Täter gefasst sei. Als sie vor der Tür gestanden hätten, erinnert sich Siewert, hätten Mircos Eltern schon gespürt, dass sie keine guten Nachrichten bringen würden.

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Seit Tagen arbeitete Roman Siewert am Text seiner Predigt. Immer wieder las er die Rohfassung durch, überarbeitete einzelne Passagen. Jedes Wort müsse gut abgewogen sein, sagt der Präses, um das auszudrücken, was beim Abschied von Mirco wichtig sei. Dazu gehört auch ein persönlicher Brief von Mircos Eltern, den der Präses in seine Ansprache eingebaut hat.

Mit Mircos Familie ist der Präses des Freikirchlicher Pfingstgemeinden seit Jahren befreundet. Die Freundschaft rührt daher, dass Siewerts 2005 verstorbene Frau gemeinsam mit den Eltern von Mircos Vater Theologie studierte. Mircos Großvater war selbst Pastor einer Freikirche, und der Vater des Jungen leistete Zivildienst in einer Diakonieeinrichtung, die Siewert leitete.

Von Kindesbeinen an spielte der Glaube für Roman Siewert eine wichtige Rolle. Der im nordfriesischen Husum Geborene wurde stark geprägt von einem Maler, der der gleichen Gemeinde angehörte wie Siewerts Familie. Dieser Mann habe sich sehr engagiert um Kinder und Jugendliche gekümmert. Auch ein lutherischer Pfarrer habe ihn sehr beeindruckt und geprägt. "Er glaubte das, was er predigte", sagt Siewert. Diese beiden Personen seien es gewesen, die ihn dazu bewogen hätten, nach einer Lehre zum Krankenpfleger und Fortbildungen in Heilpädagogig, Sozialpsychiatrie und Gesprächstherapie und jahrelanger Arbeit mit geistig und seelisch behinderten und kranken Menschen Pastor zu werden. 1980 wurde er ordiniert.

Seit 2008 Präses der BFP

Im September 2008 wurde Siewert, der Vater von fünf erwachsenen Kindern und vierfacher Großvater ist, zum Präses des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden gewählt. Der Bund hat seinen Sitz in Erzhausen bei Frankfurt. Siewert ist zudem Geschäftsführer des Sozialwerks Nazareth, einer überkonfessionellen, gemeinnützigen und mildtätigen Einrichtung der freien Wohlfahrtspflege im ostfriesischen Norden-Norddeich, das Roman Siewert 1977 gründete. 1986 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

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(RP)