Stadt Kempen: Ein beachtliches Konzert

Stadt Kempen: Ein beachtliches Konzert

Zehnstimmige Chorsätze, die sie a capella vortragen, bereiten den 17 Sängern des Bach-Ensemble Niederrhein keine Probleme. Sie überzeugten jetzt beim ersten von drei Konzerten zur Passion am Niederrhein in Kempen.

Ernste, eindringliche Chormusik bot der ausgezeichnete Kammerchor "Bach-Ensemble Niederrhein" in der Christ-König-Kirche. Sorgfältig einstudiert und konzentriert geleitet von Uwe Schulze waren Werke von Komponisten zu hören, die teils im 16. und 17., teils im 20. Jahrhundert geboren wurden. So sehr sich die Werke in der kompositorischen Anlage unterschieden und so sehr auch die weit auseinander liegenden Zeiten ihrer Entstehung hörbar waren, so einheitlich konzipiert wirkte das Programm, dem "Da pacem" (gib uns Frieden) als Thema vorgegeben war. A-capella-Vertonungen handelten von Passion und Leid, Friedenssehnsucht, Tod und Hoffnung.

Fast leitmotivisch wurden Akzente mit Johann Sebastian Bach gesetzt. Das Konzert begann und endete mit Bach, und je eine Strophe seines Chorals "O Lamm Gottes unschuldig" stand am Ende eines Programmabschnitts.

Mit Werken von Antonio Lotti, Melchior Franck und Felice Anerio war der erste Block ganz den alten Meistern gewidmet. Im zweiten der vier Blöcke wurde die zehnstimmige Antonio-Lotti-Motette "Crucifixus" drei unterschiedlich konzipierten Werken neuerer Komponisten gegenübergestellt.

Am weitesten von der Tradition entfernt sich der 1977 geborene Dominik Susteck. Mit expressionistischen Stilmitteln schafft er in "Wo hast Du Dich versteckt, Geliebter (Gott)" aus Textelementen musikalische Bausteine, die er in der Folge immer anders zusammenstellt. Programmatische Elemente kommen ins Spiel, wenn "Wo" in lang gehaltenen Akkorden, "versteckt" in abgerissenen, hektischen Einwürfen erklingt.

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Sichere Chorsänger

Ganz anders nähern sich andere Komponisten des 20. Jahrhunderts der Passions-Thematik. Aaron Copland (1900-1990) findet eine Synthese zwischen Folklore, tradierter sakraler Musik und einer Harmonik, die zwischen Überlieferung und Neuerung changiert. In zwei Werken Marcel Duruflés – "Notre père" und "Ubi caritas et amor" – finden sich romantische Elemente ebenso wieder wie Anklänge an Gregorianik.

Das Werk, das sich in der Wirkung am meisten von allen anderen abhob, stammte aber nicht aus der Feder eines modernen Komponisten, sondern von Johann Sebastian Bach. Nicht, dass es nicht ins Programm gepasst hätte, im Gegenteil. Die Motette "Lobet den Herrn, alle Heiden" war anders als die bis dahin zu hörenden Stücke nicht an getragenen Choralweisen orientiert. Die vitale Fuge und der majestätische Charakter von Mittel- und Schlussteil bildeten gerade durch den Kontrast zum vorher Gehörten einen wirkungsvollen Abschluss des beachtlichen Konzerts.

Alle Beiträge wurden a cappella vorgetragen, selbst zehnstimmige Sätze bereiteten den 17 sicheren Chormitgliedern keine Probleme. Herzlicher Beifall dankte allen Mitwirkenden.

(RP)
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