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Stadt Kempen: Ein Ausflug in die Welt des Schlagzeugs

Stadt Kempen : Ein Ausflug in die Welt des Schlagzeugs

Das Percussion-Quartett "Elbtonal" empfing vor dem Konzert in der Paterskirche eine Gruppe von Schülern. Sie erfuhren eine Menge über Trommeln & Co. Diese Art von Musik hat in vielen Ländern eine lange Tradition.

Das Percussion-Quartett "Elbtonal" empfing vor dem Konzert in der Paterskirche eine Gruppe von Schülern. Sie erfuhren eine Menge über Trommeln & Co. Diese Art von Musik hat in vielen Ländern eine lange Tradition.

Sie arbeiten gerne mit Schülern zusammen, erzählte der Schlagzeuger Jan-Frederick Behrend vom Percussion-Quartett "Elbtonal". Vor ihrem Konzert am Dienstagabend in der Paterskirche nahmen sich die Musiker Zeit, um Schülern des Luise-von-Duesberg-Gymnasiums (LvD) und des Gymnasiums Thomaeum die große Bandbreite der Schlaginstrumente zu erklären. Musiklehrer Stefan Lindner vom LvD hatte die Idee sein Kollege David Nethen vom Thomaeum schloss sich dem sofort an, ebenso wie weitere Lehrerkollegen. Sie begleiteten ein gutes Dutzend Schüler.

Es war beeindruckend, wie viele Instrumente sich im Altarraum befanden. Rund zwei Stunden dauert es, bis alles aufgebaut ist, so die Musiker auf Nachfrage. Der Abbau nach dem Konzert gehe deutlich schneller, denn da locke am Ende eines langen Tages ein kühles Bier. Daran merkt man schon, dass diese Musiker ihren Beruf mit viel Spaß machen.

Seit 20 Jahren arbeiten Jan-Frederick Behrend, Andrej Kauffmann, Sönke Schreiber und Stephan Krause zusammen. Kennengelernt haben sie sich an der Musikhochschule Hamburg - daher kommt auch der Name "Elbtonal". Eigentlich strebten alle verschiedene Bereiche der Percussion an, erzählte Kauffmann den Schülern. Denn es gibt einige Betätigungsmöglichkeiten für Schlagzeuger. Das fängt beim Orchestermusiker an, geht über den Solisten bis hin zum Musiklehrer. Aber dann entschieden sie sich, als Quartett einen gemeinsamen Weg zu gehen. Sie machten auch keinen Hehl daraus, dass dies ein Wagnis für alle gewesen sei. Denn zum einen kosten die Instrumente eine Menge. Ein Marimbaphon, ähnlich dem Xylofon, kostet um die 15.000 Euro. Die Trommel sei neben der Stimme eines der ersten Instrumente der Menschen gewesen, berichtete Kauffmann. Trommeln könne man nämlich mit allem. Ob mit den Händen auf die Balustrade in der Paterskirche, wie Behrend, vormachte, oder auf jedes Ding, das einen Ton wiedergibt. Das erklärt auch, warum es eigentlich in jeder Kultur Trommelmusik gibt. In Japan zum Beispiel wurden große Fasstrommeln benutzt, um die Dorfgrenzen zu markieren. Je lauter die Trommeln, um so sicherer war das Dorf. Trommelmusik gab es auch traditionell in Afrika und kam dann durch die Sklaven nach Amerika. Dort gibt es bis heute noch "Marching Bands", die trommelnd durch die Gemeinden ziehen. Im deutschsprachigen Raum und in England hat das Trommeln eine militärische Tradition. Spezielle Musikliteratur für Schlagzeuge gebe es in Europa bislang kaum, so die Musiker. In Japan sehr wohl, das Land hat große Schlagzeugkomponisten hervorgebracht. In Deutschland begann der Erfolg von Percussiongruppen erst in den 1950- und 1960-er Jahren. Zuvor gab es die Orchestertrommeln, die in klassischen Stücken Verwendung fanden, so die großen Pauken oder die Triangel. "Ihr glaubt gar nicht, wie viele Töne man einer Triangel entlocken kann", sagte Behrend.

Auch in der Volksmusik sind Schlaginstrumente verwurzelt. Bei Elbtonal verwischen sich die Grenzen. Sie lieben den Crossover. So standen für das Konzert am Dienstag auch ganz verschiedene Stücke auf dem Programm. Sie würden klassische Musik in speziellen Arrangements für ihr Quartett bringen, erläuterten sie den Schülern, aber auch moderne Stücke. Auf Improvisationen wollten sie aber an diesem Tag verzichten, so die Musiker. Dies machen sie aber zum Beispiel häufig bei der Einspielung von Filmmusiken. So haben sie an der Musik für den Film "Baader-Meinhof-Komplex" oder bei Filmen von Doris Dörrie mitgewirkt.

Dann hieß es für die Schüler aber Ausprobieren. "Stürmt los", forderten die Musiker sie auf. Das ließen sich Schüler und Lehrer nicht zweimal sagen. Geduldig wurden alle Fragen beantwortet. Richtig interessant fanden das Miriam und Nadine. "Mal was ganz Neues". Sie spielen beide Querflöte, Miriam auch Klavier. Die große Klangwelt der Instrumente fanden sie besonders spannen.

(sr)