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Dozenten der Kreismusikschule Viersen spielten in Grefrath unter freiem Himmel

Open-air-Konzert im Grefrather Freilichtmuseum : Vielstimmiges Konzert auf der Wiese

Wegen der Corona-Schutzverordnung spielten Dozenten der Kreismusikschule Viersen im Freilichtmuseum Grefrath unter freiem Himmel — mit spontaner tierischer Begleitung durch Vogelgezwitscher und den Schrei eines Esels.

Ein vielstimmiges Vogelgezwitscher liefert die Ouvertüre zum Open-air-Konzert der Viersener Kreismusikschule im Freilichtmuseum in Grefrath. Durch die Bäume erklingt von rechts das Warmspielen einer Geige, und auf der Bühne arbeitet der Tontechniker noch an den richtigen Einstellungen. 90 Stühle stehen im gebotenen Sicherheitsabstand auf einer Wiese an der Dorenburg, die sich beim näheren Blick als Pferdekoppel entpuppt. Die Rösser des Freilichtmuseums mussten für das Konzert auf eine andere Weide umziehen.

Ungewöhnlich schleppend für ein gewöhnliches Konzert trudeln die Besucher ein, zehn Minuten vor Beginn haben gerade einmal acht Personen Platz genommen. Doch dann setzt auf den letzten Drücker ein reger Zustrom ein. An den vielen Veränderungen in den zuvor sorgfältig positionierten Stühlen ist abzulesen, dass wohl zahlreiche Haushaltsgemeinschaften das Dozentenkonzert im Grünen hören möchten. Um 11 Uhr ist von der ursprünglichen Sitzplatzverteilung nichts mehr zu sehen. Landrat Andreas Coenen (CDU) lässt es sich nicht nehmen, das Publikum zu dem ersten Konzert in Corona-Zeiten willkommen zu heißen. „Endlich sind wir wieder da – die Kreismusikschule und als Gastgeber das Freilichtmuseum“, sagt er. „Es ist schön, sich wieder gemeinsam auf Kultur und Musik zu freuen.“

Wilhelm Junker (Horn) und Mio Kurihara-Wippich (Klavier) beginnen mit einer Bearbeitung des Konzerts Nr. 4 von Wolfgang Amadeus Mozart. Ein Kammerensemble von Vögeln begleitet die beiden Instrumente, dann tänzelt einmal eine Libelle quer durch den Musiksaal im Grünen. In den Augenblicken der Pause vor den Märchenbildern von Robert Schumann scheint ein Esel mit kräftiger Stimme seine Anmoderation zu geben. Das Publikum lacht über diesen lustigen Zufall. Es zeigt sich, dass ein Konzert auf einer Pferdeweide wirklich nicht mit einer Veranstaltung in einem geschlossenen Raum vergleichbar ist.

Das gilt auch für die Auswahl der Instrumente – das für diese Gelegenheit praktische E-Piano, das eben nicht an seinen klassischen Verwandten herankommt, und auch die technische Verstärkung von Geige und Bratsche. Nervig sind Gespräche von Besuchern, die wohl meinen, dass sie durch die Entfernung nicht stören würden.

Dann rumpelt ein Bollerwagen vorbei, und ein schnurrendes Segelflugzeug zieht die Aufmerksamkeit auf sich, denn es bringt unüberhörbar eine neue Stimme in ein Duo von Caspar Kummer mit Querflöte (Christina Adamczyk) und Klarinette (Jasmin Garlik). Den musikalischen Höhepunkt des Weiden-Konzerts setzt der Gitarrenlehrer Rafael Carpena Luukkonen mit seinem Solo. Die spanischen Klänge von Enrique Cadícamo und Ariel Ramirez bringen eine schöne Ferienatmosphäre in die Nachbarschaft der Dorenburg. Seine Interpretation lässt träumen, sie versetzt bei geschlossenen Augen in die Natur südlicher Gefilde, da wird die niederrheinische Vogelwelt mühelos zu einer mediterranen. Mit einem besonders langen Applaus bedankt sich das Publikum.

Solch eine Stimmung können eine Romanze für Violine und Klavier von Ludwig van Beethoven und zum Abschluss die „Contrastes“ von Eugène Bozza für Querflöte und Fagott nicht wieder schaffen. Jetzt sind es die Musikerinnen, die ihre Auftritte schon hatten, die am hinteren Ende des luftigen Konzertsaals mit ihrem Geschwätz stören. Es zeigt sich eben, dass ein Konzert auf der Pferdekoppel andere Randerscheinungen hat als eines im Saal. Aber die spontanen Beiträge aus der Natur geben ihm reizvolle Noten.