Diskussion in Kempen um Rettungsdienstbedarfsplan

Kempen: Kempen: Dritter Rettungswagen soll bleiben

Politik und Verwaltung drängen darauf, dass auch künftig drei Rettungswagen in der Wache an der Heinrich-Horten-Straße stationiert sind. Das soll auch dann gelten, wenn es für Tönisvorst eine eigenständige Wache gibt.

Nachdem es in vergangenen Monaten teilweise sehr heftige Diskussionen um das vom Kreis Viersen in Auftrag gegebene Gutachten zu Neuordnung des Rettungsdienstes im Kreisgebiet gegeben hatte, gehen die Verantwortlichen in den Rathäusern und in der Politik allmählich gelassener und sachlicher mit dem Thema um. Der Aufschrei in den betroffenen Städten und Gemeinden war – wie mehrfach berichtet – groß, als der beauftragte Gutachter seine Vorstellungen präsentierte. Die waren zuvor nicht mit den Kommunen abgestimmt worden.

Dass die Kempener Rettungswache, sie ist derzeit im Verbund auch für Tönisvorst und Grefrath zuständig, statt eines weiteren vierten Rettungswagens künftig nur noch über zwei solcher Fahrzeuge am Standort Heinrich-Horten-Straße verfügen sollte, missfiel nicht nur in Kempen selbst, sondern vor allem auch in Grefrath. Dort hat man nach wie vor ein mulmiges Gefühl über die Entwicklung, sieht die Gefahr, im Ernstfall nicht richtig versorgt zu werden.

In Kempen hat die jüngste Entwicklung für Entspannung gesorgt. Der Kreis plant für Tönisvorst eine Interimslösung, die in den kommenden Monaten bereits umgesetzt werden soll. In Tönisvorst soll auf Kosten des Kreises eine eigenständige Rettungswache eingerichtet werden. In den Städten Kempen und Willich besteht man darauf, dass diese Lösung nicht zu Lasten der Bürger ihrer Kommunen realisiert wird. Der Kreis sorgt daher für entsprechende Ausstattung und Fahrzeuge. Rettungswagen aus Kempen und Anrath sollen dafür nicht abgezogen werden. Beide Wachen bleiben zunächst im bisherigen Umfang bestehen. Der Gutachter hatte bekanntlich den Fortbestand der Anrather Wache infrage gestellt. Sie sollte für einen neuen Standort in Tönisvorst aufgeben werden

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Der Kreis hat den Gutachter mit einer weiteren Expertise beauftragt. Sie soll die Belange der Kommunen im Kreis stärker berücksichtigen. Da es auch besondere Problemlagen in Viersen und in Nettetal gibt, ist ein solches erweitertes Gutachten nicht von heute auf morgen zu realisieren. Von daher plant der Kreis im Vorgriff auf die Ergebnisse dieses Gutachtens zunächst schon mal das Problem mit den nicht eingehaltenen Hilfsfristen von acht Minuten in Tönisvorst mit einer Interimswache in den Griff zu bekommen. Für Kempen ändert sich zunächst nichts. In der Thomasstadt drängen Politik und Verwaltung weiterhin darauf, den dritten Rettungswagen zu behalten. Diese Absicht erklärten die Fraktionen im zuständigen Ausschuss für Ordnungsangelegenheiten und Feuerschutz am Dienstagabend einstimmig.

Politik und Verwaltung hatten sich bei einem internen Treffen in der Rettungswache mit den dort Verantwortlichen ausgetauscht. Dabei wurde unter anderem deutlich, dass zuweilen ein Fahrzeug für den Transport beispielsweise von Intensiv-Patienten aus dem Kempener Krankenhaus in eine andere Klinik genutzt wird. Der Wagen stünde dann längere Zeit für den Notfalleinsatz in Kempen oder Grefrath nicht zur Verfügung, hieß es. Auch mit Blick auf Grefrath bestehen die Kempener darauf, in solchen Fällen mindestens zwei Rettungswagen bereit halten zu können.

Und noch eins ist den Kempenern wichtig: Die eigene Rettungswache bildet auch Notfallsanitäter aus. Für die Zeit nach Ende 2020 muss die Anerkennung als Lehrrettungswache formal erneuert werden. Wie der Erste Beigeordnete der Stadt Kempen, Hans Ferber, im Fachausschuss erklärte, dürfte dies kein Problem sein. Bereits 2019 soll erstmals ein entsprechender regulärer Ausbildungsplatz für einen Notfallsanitäter angeboten werden. Bislang wurden zumeist die Rettungssanitäter in Diensten der Stadt zu Notfallsanitätern fortgebildet. 23 Bedienstete haben inzwischen die erforderliche staatliche Ergänzungsprüfung erfolgreich absolviert.

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