Die Paterskirche des Franziskanerklosters ist ein Symbol der Gegenreformation, sie steht aber auch für den Niedergang Kempens

Die Paterskirche in Kempen : Heute Museum und Konzertsaal

Die Paterskirche des Franziskanerklosters ist ein Symbol der Gegenreformation. Sie steht aber auch für den Niedergang Kempens, weil Evangelische und Juden nach Krefeld verjagt wurden.

In den 1970er-Jahren war die Paterskirche so baufällig, dass in Kempen diskutiert wurde, ob man sie abreißt oder nicht. Schließlich schafften Landschaftsverband Rheinland, Stadt und Kirche gemeinsam eine Grundsanierung der Kirche. Ins Gewölbe wurde ein Stahlgerüst eingesetzt. Das sorgt für Stabilität. Der erste Bauteil wurde 1632 errichtet – in Zeiten des 30-jährigen Krieges (1618-1648). In diesen Zeiten standen keine guten Baumaterialien zur Verfügung. 1637 wurde die Kirche geweiht. Um den Erhalt hat sich Alt-Propst Josef Reuter verdient gemacht.

Die Franziskaner haben das Grundstück für Kirche und Kloster von den Benediktinern des benachbarten Katharinenhofs erworben. Die Paterskirche ist als Saalkirche typisch franziskanisch. Die Mönche wollten nah am Volk sein, die Kirche hat eine Kanzel im Kirchenschiff. Ein Beichtstuhl reihte sich an den anderen. Predigt und Beichte waren die beiden Schwerpunkte der Seelsorge. Geld wollten die Mönche nicht anfassen. Geld wurde mit einem Kehrblech am Altar gesammelt. Die Finanzen des Klosters verwaltete ein Bürger der Stadt.

Durch Kevelaer hatte Kempen den Status als Wallfahrtsort verloren. Der Kölner Erzbischof schickte die Franziskaner im Zeichen der Gegenreformation nach Kempen. Die Evangelischen und die Juden wurden aus Kempen vertrieben und siedelten ins tolerante Krefeld über. Krefeld wurde groß, Kempen blieb eine kleine Ackerstadt. Dadurch blieb aber auch Kempen im alten Kern erhalten. Das heutige Franziskanerkloster entstand erst 1747/48, über den Vorgängerbau ist nichts bekannt. Erzbischof Clemens August ordnete 1742 den Klosterneubau und die barocke Ausstattung der Paterskirche an. Der neue Konvent konnte nur 50 Jahre genutzt werden, 1794 wurde das linke Rheinufer französisch. Kloster und Kirche wurden säkularisiert, ins Kloster zogen Schule, Lehrerseminar, Winterschule und Taubstummenlehranstalt ein. Heute beherbergt es das Städtische Kramer-Museum und die Stadtbücherei.

Der frühere Kulturdezernent Peter Landmann entdeckte die Paterskirche als Konzertort. Seit 20 Jahren finden hier Konzerte mit Weltklasse-Künstlern statt. Eine Vielzahl von CDs wurde dort aufgenommen, der WDR hat bereits viele Konzerte aus der Paterskirche übertragen.

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