Die Niers ist eine Ort der Erholung

Freien-Abc: N wie Niers : Raum für Freizeit und Erholung

Ein Fluss im Wandel: Die Niers von heute hat ein Stück Natürlichkeit zurückgewonnen.

„Heute erkennt man: Die Niers lebt wieder, der Mensch lebt nicht länger auf Kosten seines Flusses, er lebt wieder mit seinem Fluss, mit der schönen Auenlandschaft, mit Fischen und Kleinstlebewesen, mit Vögeln am und auf dem Gewässer. Der Fluss hat ein Stück Natürlichkeit zurückgefunden. Er dankt dem Menschen die Sorgfalt, mit der er jetzt behandelt wird. Der Mensch kann die Landschaft wieder genießen – mit dem Boot auf dem Wasser, zu Fuß oder per Fahrrad entlang der schönen Niers“. Mit derart fast poetischen Worten beschrieb das genau vor zehn Jahren erschienene Buch „Die Niers – ein Fluss im Wandel“ den Lebensstrom der Niederrheiner, der - vergessen die Zeiten, als im Graben der Niers eine schwarze, übel riechende Brühe schwappte -  längst zu einem wieder sehr beliebten Lebens- und Freizeitraum geworden ist.

Stolze Schwäne ziehen auf der Niers ihre Bahnen. Foto: Jürgen Karsten

Der Fluss wird immer schöner. Das liegt auch daran, dass die Niers mit fortschreitender Renaturierung wieder naturnah wird und den Charakter eines Kanals immer mehr verliert. Wer einmal mit dem Kanu oder dem Ruderboot die Niers befahren hat, weiß, dass man vom Wasser aus eine völlig neue Perspektive genießt.

Eine Bootsfahrt ist nicht nur lustig, sie bringt auch innere Ruhe und Entspannung. Vor allem die in jedem Jahr vom Niersverband angebotenen Floßfahrten, die sich großer Beliebtheit erfreuen, dienen der heute so viel zitierten Entschleunigung. Zwischen 15 und 20 Bootsvermieter sind zwischen der Quelle in Kuckum und der Mündung der Niers in die niederländische Maas bei Gennep tätig, ein Beweis für den hohen touristischen Wert dieses verhältnismäßig kleinen Flüsschens. In der Folge des aufstrebenden Bootsverkehrs entstanden entlang der Niers diverse Bootsanlegestellen, Toilettenhäuschen, Grill- und Rastplätze. Immer wieder weist man bei der Vermarktung darauf hin, dass jeder Gast auf die schützenswerten und sehenswerten Besonderheiten der Niers und ihrer Nebengewässer Rücksicht nehmen solle. Entsprechende Verhaltensregeln wurden aufgestellt. Umwelt- und naturverträglich sind die Schlagworte, werden sie befolgt, sind dem Freizeitsport keine Grenzen gesetzt.

Bootsvermieter wissen, dass die Wassertouristen aus einem Umkreis von immerhin rund 100 Kilometern kommen. Ihnen vermitteln die Vermieter Sorglospakete und attraktive Rahmenprogramme. Man arbeitet mit Organisatoren von Planwagenfahrten und Radtouren, aber auch mit Kletterparks, Hotels, Bauernhofcafés und sonstiger heimischer Gastronomie eng zusammen.

Rund 100 Kilometer lang ist die bei Erkelenz entspringende Niers. Ihrem Verlauf kann man auch bestens mit dem Fahrrad folgen, wenn man dem „Niers-Radwanderweg“ folgt. Auch wenn man dabei nicht überall direkt am Flusslauf entlang radeln kann, so ist das Radabenteuer aber doch lohnenswert und abwechslungsreich, denn es gibt viel zu sehen. Das fängt schon in Mönchengladbach an, wo mit Schloss Rheydt und Schloss Myllendonk gleich zwei architektonische Highlights auf den Besuch der Radler warten. Das prächtige Renaissanceschloss und die Wasserburganlage, unweit von der ältesten Trabrennbahn Deutschlands, sind einen Abstecher wert. Auch die Verbindung zum einst von Napoleon erdachten, aber nie realisierten Nordkanal wird auf diesem Weg geschlagen. Hier gibt es auch eine eigene Radroute, die „Fietsallee am Nordkanal“, bestens ausgeschildert. Noch auf Gladbacher Gebiet fährt man am imposanten riesigen Klärwerk Neuwerk des Niersverbandes vorbei, der hier die Abwässer von rund 700 000 Menschen klärt, vorbei am Nierssee und weiter entlang der ursprünglich aus einem Notprogramm zu Zeiten der Weltwirtschaftskrise geschaffenen Siedlung Grenzweg.

Im Kreis Viersen kann man sich auf seiner Tour mit dem Drahtesel über das einst so wichtige Mühlenwesen am Niederrhein an der Clörather Mühle informieren und seine Fahrt durch eine reizvolle Felder- und Feuchtwiesenlandschaft fortsetzen. Schloss Neersen, nicht zuletzt bekannt und beliebt durch das im Sommer organisierte Freilichttheater, liegt in unmittelbarer Nähe zum „Niers-Radwanderweg“ und ist mit Gebäude und Park den minimalen Umweg wert.

Viel zu sehen gibt es für die Radler dann auch noch im Kreis Kleve: in Wachtendonk die ehemalige Burganlage der Festung zum Beispiel, und nicht weit ist es bis zur Burg Vlassrath in Straelen. Wie sehr sich die Niers in ihrem Charakter in den letzten Jahren bereits zum Vorteil verändert hat, ist am Bespiel der Renaturierung bei Geldern-Pont eindrucksvoll zu sehen. Eindrucksvoll ist auch das richtige Stichwort für Schlösser wie Schloss Haag in Geldern, das Kloster Graefenthal und die Wassermühle Susbrücke bei Goch, das durch seine exzellenten Musikfestivals bekannte Schloss Wissen und die einzige bewohnbare Schlossruine Deutschlands von Schloss Hertefeld in Weeze.

Auf dem Weg Richtung Maas kommt man natürlich auch in den größten Wallfahrtsort Nordwesteuropas: Kevelaer, die Stadt, die jedes Jahr rund eine Million Touristen und Pilger anzieht. Hier ist das touristische Programm klar: Marienbasilika und Gnadenkappelle ansehen, sich von der Gastronomie der Stadt verwöhnen lassen und dann wieder in die tiefenentspannte Ruhe des Radweges an der Niers zurück begeben. Am Schluss der Niers-Radtour liegt dann mit dem niederländischen Städtchen Gennep und seinem historischen Ortskern ein schöner Zielort.

Nicht nur auf dem Fluss, auch im Fluss ist wieder ganz viel Leben. Insgesamt 33 verschiedene Fischarten leben wieder in der Niers, darunter so seltene Tiere wie der Steinbeißer, der auf der roten Liste der bedrohten Tierarten steht. Auch Hechte wurden wieder gesichtet. Der Barsch ist besonders häufig vertreten. Rotauge, Schmerle, Gründling, Aale, Rotfedern, Brassen, der Drei- und der Neunstachlige Stichling sind nur einige der hier gesichteten Arten. Kein Wunder dass das Angeln am Fluss sich immer größerer Beliebtheit erfreut und zur Gründung von Fischereigenossenschaften geführt hat. Das Vorkommen der Mühlkoppe schon vor Jahren zwischen Nette und Niersmündung in die Maas bewies die wieder gute Wasserqualität der Niers.

Aber nicht nur Fische findet man hier: Auch für Vögel ist Wasser Leben. Stockenten, Teichhühner Graureiher und Kormorane, Sumpfrohrsänger, Hohltauben und Steinkauz haben am Gewässer und in Baumhöhlen in unmittelbarer Nähe ihr Zuhause. Und im Fluss tummeln sich neben Fischen auch viele Kleinlebewesen, darunter Krebse, Insektenlarven, Strudelwürmer, Schnecken, Muscheln und Moostiere. Und wer auf der Niers Boot fährt, erfreut sich immer wieder auch an den wunderschönen, auffällig gefärbten Prachtlibellen. Am Ende wird man, egal ob per Boot oder per Rad, als Angler oder als Wanderer  feststellen: Ja, unsere Niers ist wieder ganz besonders (er-) lebenswert!