Die „Flachlandbouler Kempen“ trainieren und spielen regelmäßig im Sportpark an der Berliner Allee.

Mein Verein : Sie schieben keine ruhige Kugel

Die „Flachlandbouler Kempen“ trainieren und spielen regelmäßig im Sportpark an der Berliner Allee.

Boule gilt als Inbegriff französischer Lebensart. In Parks und auf öffentlichen Plätzen lassen Menschen konzentriert die Kugeln rollen. Doch auch in Deutschland gibt es mittlerweile viele, die sich diesem Sport verschrieben haben. Mehr als 30 Mitglieder hat der Verein „Flachlandbouler Kempen“. Ihre Sportart besteht, lapidar gesagt, darin, „gemeinsam Kugeln in den Dreck zu werfen“, wie es Harald Ohlmeier, Vereinsvorsitzender seit Februar 2018, in einer Chronik beschreibt. Denn das französische Wort „Boule“ bedeutet übersetzt nichts anderes als Kugel.

Seit mehr als 30 Jahren wird in Kempen Boule gespielt. Es begann mit einem schmalen, nicht gepflasterten Streifen in der Altstadt. Dann wurde im Schatten der Burg gespielt. 1992 stellte die Stadt einen nicht mehr genutzten Spielplatz an der Hessenmühle zur Verfügung. Aus der freien Spielergemeinschaft „Niederrheinische Flachlandbouler Kempen 1987“ wurden Ende 1999 der eingetragene Verein „Flachland-Bouler Kempen“. Seit diesem Jahr wurden die Vereinsaktivitäten auf den Ascheplatz des SV Thomasstadt im Sportpark an der Berliner Allee verlegt. „Hier haben wir ein Vereinsheim, Toiletten und Lagerkapazitäten“, Harald Ohlmeier den neuen Standort. Die Flutlichtanlage ermöglicht es, dass von April bis Oktober gespielt werden kann.

Sieht einfach aus, ist es aber am Anfang nicht. Es dauert seine Zeit, bis man als Spieler die Kugel genau platzieren kann. Auch taktisches Geschick ist gefragt. Foto: Norbert Prümen

Regelmäßig trainiert wird zweimal in der Woche. Heute findet, wie an jedem ersten Samstag im Monat, ein Fun-Turnier statt, zu dem auch Gäste hinzukommen können. Im Mai waren aus diesem Anlass sogar sechs französische Boule-Kollegen aus Kempens Partnerstadt Wambrechies angereist. Jetzt sind am Rand des Ascheplatzes weiße Zelte aufgebaut. Darunter wird zwischen den Spielrunden pausiert. Französisches Flair verbreiten Zwiebelkuchen, Käse, Stangenbrot und Roséwein. Die Atmosphäre ist gesellig-entspannt. Doch bei der nächsten Spielrunde wird auch sportlicher Ehrgeiz entwickelt. Fünf Spielfelder von drei mal 15 Metern sind am Rand des Ascheplatzes mit Schnüren abgesteckt. Holzbalken verhindern das Wegrollen der Kugeln. Per Computer werden die Teams ermittelt. Sie bestehen aus Zweier- oder Dreiermannschaften. Zunächst wird die rote Zielkugel, das „Schweinchen“ - hier sagt jeder allerdings nur die „Sau“ - auf das Spielfeld gebracht. Von einem festen Kreisfeld aus versuchen nun die Spieler ihre silbernen Metallkugeln möglichst nah daran zu bugsieren.

Das Spiel mit den Kugeln ist in Frankreich Nationalsport. Auch in Deutschland gibt es mittlerweile viele, die sich „Boule“ verschrieben haben. Foto: Norbert Prümen

Dieses Kreisfeld ist auch die Erläuterung dafür, dass es sich hierbei genau genommen um eine Unterart des Boule namens Pétanque handelt. Denn die Spieler werfen die Kugeln mit geschlossenen Füßen aus dem Spielfeld, was im provenzalischen Südfranzösisch „ped tanco“ heißt. Ruhig und doch sehr konzentriert berät sich das jeweilige Team über den nächsten Spielzug. „Boule gewinnt man im Kopf“, sagt Harald Ohlmeier. Wie auch andere hier übt er den Sport gemeinsam mit seiner Ehefrau aus. Boule erschließt sich auch Anfängern schnell. Es ist kostengünstig und unkompliziert, die Regeln sind leicht zu erlernen, wenn auch die gute Ausübung eine Kunst ist, die bis auf Bundesliganiveau führen kann.

Die Spieler schätzen die Betätigung an der frischen Luft ist, sie loben die lockere und wertschätzende Atmosphäre im Verein. Die Spieler sind zwischen 40 und 80 Jahre alt. „Das ist eine Sportart, die man bis in hohe Alter ausüben kann“, sagt Ohlmeier und hebt mit verschmitztem Lächeln mithilfe eines Magneten an einer Schlaufe seine Kugel wieder vom Boden auf. Das sei ideal für Leute mit Bandscheibenproblemen, wie er erläutert. Für die Zukunft schwebt ihm vor, dass Boule als Vereinssport in Kempen nicht nur erhalten bleibt, sondern sich mittelfristig auch weiter entwickeln kann. Ideal wäre dafür aus seiner Sicht eine eigenständige Bouleanlage im Sportpark an der Berliner Allee.

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