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Stadt Kempen: Die Erkältungswelle rollt durchs Land

Stadt Kempen : Die Erkältungswelle rollt durchs Land

Die Krankenstände sind derzeit auch im Kempener Land hoch. Echte Viruserkrankungen sind eher selten. Dafür leiden viele unter besonders hartnäckigen Erkältungen. Die Hausärzte haben sehr viel zu tun, die Wartezimmer sind voll.

Die Abwehrkräfte werden derzeit auf eine harte Probe gestellt. Immer mehr Menschen leiden an einer Erkältung oder einem grippalen Infekt. Während in Pendlerzügen, Schulen und Büros viele Plätze frei sind, stehen die Patienten bei den Ärzten Schlange. "Die Wartezimmer sind überall voll", sagt Dr. Johann-Heinrich Arens vom Gesundheitsnetz Viersen, dem auch niedergelassene Ärzte in Grefrath angehören.

Die Krankheitswelle ist extremer als in den Vorjahren, "und vor allem hartnäckiger", berichtet Dr. Georg Mergler. Der Allgemeinmediziner aus St. Hubert ist Obmann der niedergelassenen Ärzte in Kempen. Auch in seiner Praxis geben sich die Patienten im wahren Sinne des Wortes die Klinke in die Hand. Die 16 Sitzplätze, die in normalen Zeiten für die Patienten ausreichen, sind bereits am frühen Vormittag alle besetzt. "Wir mussten zusätzliche Stühle im Flur bereitstellen", sagt Mergler.

Bei seinen Kollegen sieht es ähnlich aus. Vor allem die Hausärzte sind in diesen Tagen gefragt. Viele von ihnen machen auch Hausbesuche. Mergler besucht pro Tag acht bis zehn kranke Patienten in ihren Wohnungen. Mehr sei bei einem normalen Praxisbetrieb nicht zu schaffen, sagt der St. Huberter Mediziner.

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Etwa zwei bis drei Wochen dauert es erfahrungsgemäß, bis die Erkrankten wieder auf den Beinen sind. "Aber sie sollten sich schonen", rät Mergler. Kinder und ältere Menschen bleiben von der Grippewelle häufig verschont, weil sie in der Regel rechtzeitig gegen das Grippevirus geimpft worden sind. Vor allem Menschen in der Altersgruppe von 20 bis 60 Jahren hat es diesmal erwischt. Der ständige Wetterwechsel der vergangenen Wochen habe die Lage zusätzlich verschärft. Da reichen bei vielen die Abwehrkräfte nicht mehr aus und die Erreger haben leichtes Spiel.

Die zurückliegenden Karnevalstage haben der Erkältungswelle dann noch einmal neuen Schwung verliehen. Mal eben bei einer Sitzung, Party oder am Zugweg den schunkelnden Nachbarn gebützt oder versehentlich aus einem fremden Glas getrunken — und schon kratzte es am Aschermittwoch bei vielen im Hals. Nach den tollen Tagen liegen jetzt viele Menschen flach.

Das haben auch die Ärzte bemerkt. "Aber wir haben die Lage im Griff. Jeder, der zu seinem Hausarzt geht, wird auch umgehend behandelt", versichert Dr. Georg Mergler. Behandlungstermine erst in ein paar Wochen, das gebe es nicht. Da legen die Mediziner und ihr Personal eben Sonderschichten ein. Manche Sprechstunde dauert bis in den Abend und in der Mittagspause macht der Arzt Hausbesuche. "Sonst wäre das alles nicht zu schaffen", meint Mergler.

Die Erkältungswelle habe sich schon im vergangenen Herbst angekündigt, erklärt Allgemeinarzt Arens. Grund dafür war die Entwicklung auf der Südhalbkugel. In Australien wurden doppelt so viele Influenza-Fälle registriert wie im Vorjahreszeitraum. Dies sei ein wichtiger Indikator für die Entwicklung in Deutschland, so Arens.

Einen Trost haben die Mediziner dann doch parat. "In zwei bis drei Wochen wird die Hochphase der Erkältungswelle vorbei sein", schätzt Hausarzt Mergler. Übrigens sei eine Erkältung nicht mit einer echten Virusgrippe zu verwechseln. Die geht zumeist mit sehr hohem Fieber einher, erklärt Dr. Arens.

Während die Erkältungswelle abklingt, droht den Menschen von anderer Seite gesundheitliches Ungemach. Einige Fälle von Magen-Darm-Erkrankungen wurden bereits gemeldet. Das sogenannte Noro-Virus ist wieder im Umlauf. Auch hier gilt: Besonders auf die Hygiene achten. FRAGE DES TAGES

(RP/rl)