Gemeinde Grefrath: Die bunte Welt der Tante-Emma-Läden

Gemeinde Grefrath : Die bunte Welt der Tante-Emma-Läden

Eine Ausstellung im Freilichtmuseum Dorenburg zeigt Anfänge von Werbung und Verpackung. Es ist ein nostalgischer Blick in die Zeit, als dank Alete noch alle Kinder gesund waren. Man erlebt auch handfeste Wirtschaftsgeschichte.

Die Welt der Tante-Emma-Läden feiert im Grefrather Freilichtmuseum Dorenburg fröhliche Urständ. Die Ausstellung, die Sonntag eröffnet wird, zeigt rund 800 Produkte der Sammler Petra und Harald Pauw aus Nettetal. Sie präsentieren eine längst vergessene Warenwelt und kühne Werbeslogans.

Harald Pauws Sammelleidenschaft entstand, als er sich für ein Jahr beruflich in England aufhielt und fasziniert war von der Guiness-Werbung. Zurück am Niederrhein, weitete er seine Sammlung auf Markenartikel aus der Zeit von 1888 bis 1970 aus. Seie Frau Petra begeisterte sich von Anfang an für Dosen aller Art mit ihren fantasievollen bunten Motiven. Auf Flohmärkten und Reklamebörsen trugen sie im Lauf der Jahre ihre Sammlung zusammen.

"Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der Waren und deren Verkauf von 1900 bis in die 50er und 60er Jahre und dem Aufkommen der Supermärkte", sagt Museumsleiterin Anke Wielebski, die sich an ihre Kindheit erinnert als die Tante-Emma-Läden langsam ausstarben: "Bei uns gab es noch so einen kleinen Laden, aber in den ging man eigentlich nur, wenn man im Supermarkt etwas vergessen hatte." Kreisdirektor Dr. Andreas Coenen kann sich gut an die Tante-Emma-Läden erinnern, seine Tante Emma hieß Tante Grete: "Die war genau, wie man sich das vorstellt: eine alte Frau mit weißem Kittel. Bei ihr bekam man alles."

Ein Stück Wirtschaftsgeschichte

Die Ausstellung ist nicht nur schön anzuschauen, sie zeigt gleichzeitig ein Stück Wirtschaftsgeschichte. Früher war es üblich, seine täglichen Einkäufe in kleinen Gemischtwarenläden zu erledigen. Die Verkäufer stellten die Waren zusammen, wogen ab und rechneten alles auf einem kleinen Block zusammen. Die Entwicklung der technisierten Lebensmittelproduktion sei eng mit der Industrialisierung verbunden, betont Wielebski. Vorher sei es beispielsweise nicht möglich gewesen, metallene Dosen herzustellen.

Diese deutsche Hausfrau ist markentreu: einmal Persil, immer Persil. Foto: Kaiser, Wolfgang (wka)

Werbung, wie sie uns heute geläufig ist, gab es bis weit in das 19. Jahrhundert nicht. Gewerbezeichen am Haus oder der Werkstatt, Handzettel und Marktschreierei waren die einzigen Mittel der Vermarktung. Im frühen 19. Jahrhundert fand sich in Zeitungen erste Werbung, durch neue Drucktechniken wurde sie bald bunter. "Ein Kind dieser Zeit ist auch der Markenartikel", sagt Wielebski. Er ziele darauf ab, Vertrauen beim Kunden zu schaffen, der optische Wiedererkennungswert versprach gleichbleibende Qualität. Die Verpackung wurde nach und nach zur Marke.

So direkt würden es heutige Werbetexter eher nicht ausdrücken. Foto: Kaiser, Wolfgang (wka)

Ältestes Stück ist aus dem Jahr 1889

Diese Entwicklung spiegelt die Ausstellung wider. Da trifft man viele alte Bekannte, zum Beispiel Rama: Napoleon III. ordnete einst an, ein billiges Streichfett für die Armen zu entwickeln, die sich keine Butter leisten können. Kaffee Hag war das Synonym für koffeinfreien Kaffee und wurde laut Packung von Ärzten nachdrücklich empfohlen.

Das älteste Stück ist eine große Dose der Firma "Theekanne" von 1889, sie ist ein Indikator für den Beginn der Massenproduktion. Die Firma übersiedelte 1946 aus dem zerbombten Dresden nach Viersen, zog allerdings einige Jahre später nach Düsseldorf, weil es in Viersen kein geeignetes Grundstück gab. "Das würde heute nicht mehr passieren", merkte Kreisdirektor Coenen an.

Was da so alles in den Vitrinen und im nachgebauten Tante-Emma-Laden lagert — viele Produkte, die uns heute sehr seltsam vorkommen. Nivea war schon mit einer breiten Pflegepalette am Start. Von Klosterfrau gab es nicht nur Melissengeist, sondern auch pflegenden Puder. Erste "selbsttätige Waschmittel" eroberten den Markt, für die Bodenpflege empfahl sich "Dompfaff Edelmop". Und dann diese Werbespots aus den 50er Jahren, die fast in Spielfilmlänge daherkamen: Das neue Sunil ließ Hausfrauen in freudige Ekstase verfallen, dank Alete gab es nur gesunde Kinder, der Maggi-Fridolin brachte jede Menge Würze in den Alltag.

Die offizielle Eröffnung nimmt Landrat Peter Ottmann am Sonntag, 6. April, 11 Uhr, vor. Die Ausstellung läuft bis zum 17. August

(RP)