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Die Baustelle auf der Hülser Straße in Kempen sorgt für Ärger.

Kempen : Anwohner von Dauerbaustelle genervt

Seit etwa zwei Jahren wird auf der Hülser Straße in Kempen gebuddelt. Stadt und Stadtwerke lassen Abwasserkanal und Versorgungsleitungen erneuern. Die Fertigstellung zieht sich hin. Die Stadt will nächste Woche Stellung nehmen.

„Die Bauarbeiter von der Firma Hamelmann tun ihr Bestes, aber irgendwann muss diese Dauerbaustelle doch mal beendet sein“, sagt stellvertretend für viele Anwohner Carola Thören, die mit ihrem Ehemann Wilhelm eine Fleischerei an der Hülser Straße 20 betreibt. Unverständlich ist für viele Anwohner, dass sich die Fertigstellung der Tiefbauarbeiten immer weiter verzögert und dass sie darüber überhaupt nicht unterrichtet würden. Unsere Zeitung hat sich mal umgehört.

Zum Hintergrund: Die Sanierung des städtischen Abwasserkanals durch das Tiefbauamt und die Erneuerung der Gas-, Wasser- und Stromleitungen durch die Stadtwerke Kempen hatte bereits 2014 auf dem ersten Teilstück der Hülser Straße begonnen. Anschließend wurde ab 2016 auf einem weiteren Abschnitt der Hülser Straße – zwischen Industriering Ost und Einmündung Verbindungsstraße – gebuddelt. Dann war das Teilstück zwischen dem Einmündungsbereich St. Huberter Straße und der Kreuzung am Viehmarkt dran. Mehrmals ist es während der langen Bauzeit aus unterschiedlichen Gründen zu Verzögerungen gekommen; zuletzt sollte das Teilstück zwischen Bahnübergang und Einmündung St. Huberter Straße im April dieses Jahres fertig sein.

 Im Bereich des Bahnübergangs befindet sich eine der aktuellen Baugruben. Die Straße ist seit Monaten gesperrt.
Im Bereich des Bahnübergangs befindet sich eine der aktuellen Baugruben. Die Straße ist seit Monaten gesperrt. Foto: Heiner Deckers
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Anwohner und Händler sind mittlerweile verärgert. Die Geschäftsleute klagen teilweise über kräftige Umsatzeinbußen und sprechen von großen Behinderungen gerade auch für ihre Kunden, die Geschäfte zu erreichen. „Hier werden teilweise zig Warteschleifen gedreht“, weist Carola Thören außerdem darauf hin, dass viele ihrer Kunden, die nicht aus Kempen kommen, etwa aus Tönisvorst oder Wachtendonk, in ihrer Metzgerei einkaufen. „Bei allem Verständnis werden die Wege für unsere Kunden von den Parkplätzen bis zu unserem Geschäft jetzt durch den Umbau des Viehmarktes sogar noch weiter“, ergänzt sie.

 Ein Baustellenschild ist an eine Grundstücksmauer gestellt worden. Seit Mitte Juli vorigen Jahres ist die Hülser Straße in diesem Bereich gesperrt.
Ein Baustellenschild ist an eine Grundstücksmauer gestellt worden. Seit Mitte Juli vorigen Jahres ist die Hülser Straße in diesem Bereich gesperrt. Foto: Heiner Deckers

„Ich kann es überhaupt nicht begreifen, dass wir über die Verzögerungen aus der Zeitung und nicht von den verantwortlichen Stellen erfahren haben“, ärgert sich Anita Wiegers, die mit ihrem Ehemann und SPD-Ratsherrn Heinz Wiegers seit etwa zehn Jahren im ehemaligen Landratsamt an der Hülser Straße 21 bis 23 wohnt. Sie nennt neben dem Dreck und Lärm die vielen Provisorien, die auch andere Anwohner etwa bei den Zufahrten zu ihren eigenen Parkplätzen beziehungsweise Garagen in kauf nehmen müssen. „Aufgrund der vielen unterschiedlichen Arbeiten werden Straßenabschnitte zum Teil provisorisch zugeschüttet und kurz darauf wieder aufgebaggert“, berichtet Anita Wiegers. Nahezu wöchentlich komme es zu anderen Verkehrsführungen für den Anliegerverkehr.

„Jeder fährt und parkt, wie er will, hier dürften Rettungs- oder Feuerwehrwagen große Probleme bekommen, wenn sie hier zu Einsätzen müssten“, klagen nahezu übereinstimmend Anita Wiegers und Marcel Rau, der mit seiner Familie ebenfalls an der Hülser Straße wohnt. Rau spricht von „massiven Belästigungen“ gerade in den Sommermonaten und von erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensqualität, da man aufgrund des Baulärms größtenteils die Fenster geschlossen halten müsse. Für Rau sind die einzeln ausgeführten und offenbar nicht immer abgestimmten Baumaßnahmen nicht nachvollziehbar. Auch Petra Lingen-Heyer, die an der Hülser Straße 32 ihren Floristik-Laden hat, hofft inständig, dass dort möglichst bald die vielen kleinen Baustellen beendet sind und dann der geordnete Geschäftsbetrieb wieder weitergehen kann. Sie ist ebenfalls derzeit großen Beeinträchtigungen ausgesetzt und klagt über deutlich geringere Umsätze. Die Floristin musste sogar ihre Öffnungszeiten reduzieren, weil es zeitweise keinen direkten Zugang zu ihrem Geschäft gab und viele ihrer Kunden daher ausblieben.

Auf Nachfrage unserer Zeitung teilte der städtische Pressesprecher Christoph Dellmans lediglich mit: „Wir werden spätestens für Anfang kommender Woche zu einer Pressekonferenz zum Thema ,Hülser Straße’ einladen. Wir bitten um Verständnis, da wir zunächst alle Einzelheiten zur Baustellenentwicklung zusammentragen müssen.“

Tiefbauamtsleiter Torsten Schröder hatte zuletzt im Ausschuss für Umwelt, Planung und Klimaschutz des Stadtrates erklärt, dass sich die Bauarbeiten wohl noch bis Ende August hinziehen werden. Auch er verwies auf die Pressekonferenz.