Stadt Kempen: Die alten Wurzeln der neuen Rechten

Stadt Kempen: Die alten Wurzeln der neuen Rechten

Das neue Buch "Neue Rechte, altes Denken" des Kempener Politikwissenschaftlers Klaus-Peter Hufer reagiert auf Erscheinungen wie Pegida, AfD und die Identitären. Am Beispiel prominenter Vordenker zeigt er auch ihre Wurzeln auf.

In der rechten Szene ist Prof. Hufer aus Kempen bereits bestens bekannt. Im Buch "Mit Linken leben" im rechten Verlag Antaios widmen ihm die beiden Autoren Martin Lichtmesz und Caroline Sommerfeld einen eigenen Abschnitt. Hufer nimmt's mit Humor, wenn man ihn auch äußerlich als einen Alt-68er identifiziert. Mit seinem eigenen neuen Buch "Neue Rechte, altes Denken" geht Hufer - mit seinen beiden Co-Autoren Jens Korfkamp und Laura Schudoma - den Gruppierungen einer immer lauter auftrumpfenden Rechten nach und bettet sie in den Kontext alter Vordenker wie Carl Schmitt, Martin Heidegger oder Oswald Spengler ein. Und dabei lernt der Leser, dass die "Konservative Revolution" nicht erst mit dem CSU-Mann Alexander Dobrindt auf dem Markt ist, sondern ein Standardwerk des rechten Vordenkers Armin Mohler (1920-2003) ist.

Bisher ist die Terminologie der neuen Rechten noch nicht klar definiert. Die Bandbreite des rechten Spektrums reicht vom Neokonservatismus bis zum Rechtsextremismus. Und der Wandel nach rechts ist kein allein deutsches Phänomen, sondern weltweit zu beobachten. In seinen Seminaren, die Hufer bundesweit, aber auch in der Schweiz und Luxemburg gibt, spürt er die Sprachlosigkeit vieler Menschen: Wie begegnet man diesen Entwicklungen? Das politische Klima hat sich besonders nach der Trump-Wahl verändert, viele Länder sind schon länger auf dem Weg nach rechts. Global spüren Beobachter einen Prozess, in dem Sicherheiten verloren gehen, Biografien entwertet werden. Berufe verschwinden, Milieus werden aufgehoben. Die Soziologen sprechen heute bereits von 12 bis 14 verschiedenen sozialen Milieus. Unverbindlichkeit macht sich breit, Individualisierung bestimmt den Alltag. Viele Menschen seien verunsichert und suchten nach einfachen Sicherheiten.

Angefangen, so Hufer im Gespräch über sein neues Buch, hat die soziale Veränderung in den 1970er Jahren - was aber nichts mit den 68ern zu tun habe. Der Wertewandel habe zunehmend die Selbstverwirklichung propagiert. "Lebe dein Leben", hieß. Der Neoliberalismus habe dieses Denken dann ökonomisiert und in die Wirtschaft übertragen. So wurde es zur herrschenden Ideologie. Zum Wertewandel und der Individualisierung treten die Abkehr von der traditionellen Politik und die Ohnmacht nationaler Regierungen im globalen Kontext. Selbst in der Unterhaltung gehe es in Fernsehserien wie "Bad Banks" um eine Realität, die virtuell in der Welt unterwegs sei und nicht greifbar bleibe. Die rechten Denker hingen der Illusion an, das Rad zurückdrehen zu können. Mit dem Blick auf vergangene Zeiten wollten sie die Zukunft sicherer machen. Doch die Themen, die sich der Moderne stellen, seien nicht aus der Welt. Die Kaiserzeit, der Erste Weltkrieg, die exzessive Zeit der Zwanziger Jahre, die Weltwirtschaftskrise mit dem Zusammenbruch des Kapitalismus hätten eine Reihe von rechten Vordenkern hervorgebracht, auf die heute die Neue Rechte gerne wieder zurückgreife. Und die Identitären, denen die Autoren ein eigenes Kapitel widmen, machten deutlich, dass sie den akademischen Diskurs bestens beherrschen. Hufers Studenten stellten bei Filmaufnahmen fest, dass die Protagonisten dieser Bewegung genauso aussähen und sprächen wie sie selber. Die Identitäten gründen Denkfabriken, Verlage und Institute. Vom italienischen Kommunisten Antioni Gramsci übernähmen sie die Strategie der kulturellen Hegemonie. Ihre Strategie der Meta-Politik sei der alte Kampf um die Begriffe. Aufklärerische Begriffe würden umgedreht, Raum und Identität erhielten antiliberale Bedeutungen. Hufer geht im Buch in einem eigenen Teil auf solche Umwandlungen ein.

(RP)