Die Äcker im Kreis Viersen sind noch zu nass zur Bearbeitung, doch in tieferen Schichten ist der Boden noch sehr trocken

Landwirtschaft : Bauern warten auf trockene Böden

Die Äcker sind noch recht nass, so dass die Landwirte sie schlecht mit schwerem Gerät befahren können. Durch den niederschlagsarmen Sommer sind die Felder in tieferen Schichten allerdings noch sehr trocken.

„April warm und nass, tanzt die Magd ums Butterfass“ oder „Bringt der April viel Regen, so deutet der auf Segen“, besagen zwei Bauernweisheiten. Allerdings hoffen viele Landwirte in Kempen, Willich, Tönisvorst und Grefrath, dass jetzt erstmal die Oberböden trocknen, damit das schwere Gerät beim Beackern der Böden oder beim Setzen der Kartoffelpflanzen auf den Feldern zum Einsatz kommen kann.

„Noch ist alles im grünen Bereich, es sollte in den kommenden Wochen sonnig bleiben, ab und an aber auch etwas regnen“, sagt Kreis-Landwirt Paul-Christian Küskens, der den Verband mit etwa 800 Betrieben im Kreis Viersen und in der Stadt Krefeld anführt. Mehr Wasser wünscht er sich deshalb, weil zwar die Oberflächen in einer Tiefe von 50 Zentimetern derzeit recht nass sind, es darunter aber aufgrund der langen Trockenheit noch trocken ist. Daher entwickeln sich beispielsweise womöglich die Zuckerrüben mit ihren bis zu zwei Meter langen Tiefwurzeln nicht richtig. Küskens hat unter anderem selbst 60 Milchkühe, verfügt wie andere auch immer noch über geringe Futter-Reserven für die Tiere, zumal wegen der Dürre und der minderen Qualität des Futters Körner und Getreide angekauft werden mussten. Das Gras entwickelt sich derzeit, brauche aber in Maßen zusätzliches Wasser. Mit dem ersten Grasschnitt rechnet er Ende April/Anfang Mai.

„Wir warten auf das Trocknen der Böden, damit wir in dieser Woche mit der ersten Einsaat von Kartoffeln beginnen können“, sagt Willichs Stadtbauer Helmut Oellers, der mit seinem Sohn Helmut (27) einen Ackerbaubetrieb in Neersen führt und neben Kartoffeln auch Zuckerrüben, Weizen, Erbsen und Buschbohnen anbaut. Der Weizen, den er im Oktober des vergangenen Jahres eingesät hat, stehe ganz gut da; derzeit würden zur Bekämpfung von schadhaften Pilzen im erlaubten Rahmen Fungizide eingesetzt. Die Zuckerrüben werden dann Mitte April gesetzt. Auch er wünscht sich eine gute Mischung von sonnigem und windigem Wetter mit weiteren Niederschlägen, damit sich die Unterböden auflockern können.

In etwa gleicher Meinung ist der Kempener Ortslandwirt und Vertreter der Ortsbauernschaft, Peter Josef Coenen. Auch er wartet darauf, die nassen Felder befahren zu können, um die Kartoffelpflanzen zu setzen: „Die nächsten acht bis zehn Tage können wir noch nicht allzu viel machen.“ Der Kohl komme dann im Mai dran. Weizen und Gerste entwickeln sich gut. Coenen: „Es sieht derzeit nach einem ganz normalen Jahr aus.“

Indes hatte in den vergangenen Tagen der Willicher Obstanbauer Frank Mertens erst einmal damit zu kämpfen, die Schäden des Sturms „Eberhard“ auszubessern. Dieser hatte zahlreiche Folien und Vliese über seinen Erdbeerenpflanzungen beschädigt. In etwa zehn bis 14 Tagen erfolgen die Pflanzungen der Freilandkulturen. Mit den ersten frischen Erdbeeren aus den Tunneln rechnet Mertens in drei bis vier Wochen. Wahrscheinlich ab Ende Mai werde dann mit der Ernte der Freilandkulturen begonnen. Seine vielen Apfelbäume seien beim Austrieb, stünden wahrscheinlich in einer Woche in voller Blüte. Dafür sorgen unter anderem zahlreiche Hummelvölker, die die Kulturen bestäuben. Pro tausend Quadratmeter sei in der Regel ein ganzes Hummelvolk im Einsatz; je nach Art besteht so ein Volk aus bis zu 600 Tieren neben der Königin.

„Derzeit ist es ruhig“, kommentiert der Grefrather Ortslandwirt Christoph Tenhaef, der etwa 150 Milchkühe hat. Auch er hatte aufgrund der langen Trockenheit Probleme und Mehrkosten bei der Tierfütterung. Noch immer müssten kahle Grasnarben nachgesät werden, was natürlich mit weiterem Aufwand verbunden sei. Hinzu fielen weitere Mehrkosten durch die neue Düngeverordnung an, so dass Tenhaef den derzeitigen Milch-Grundpreis von 32 bis 33 Cent je Liter (ohne die Qualitätszuschläge) als etwas zu gering ansieht. Tenhaef: „Daher hoffe ich, dass der Preis im Laufe dieses Jahres noch um zwei bis drei Cent steigt.“

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