Derzeit wird das Kempener Radverkehrskonzept aus dem Jahr 1996 aktualisiert.

Neues Konzept : Kempen plant Radverkehr der Zukunft

Kempen ist seit 1997 eine besonders fahrradfreundliche Stadt. Derzeit wird das Radverkehrskonzept aus dem Jahr 1996 aktualisiert. Die Bürger reden mit. Bei einer Online-Befragung gab es viele Anregungen. Nun gab es einen Workshop.

Vor 20 Jahren war Kempen in einer Vorreiterrolle. Als erste Kommune im Kreis Viersen ließ die Stadt 1996 ein Radverkehrskonzept erstellen. Damals wurden die Weichen für eine besonders fahrradfreundliche Innenstadt gestellt. Wesentliche Inhalte des Konzepts gelten auch heute noch. Es sollte sichere Verbindungen zu den Schulen und in die Altstadt geben, Fahrradstraßen wurden am Schulzentrum eingerichtet, die Radpark-Infrastruktur am Bahnhof wurde ausgebaut. Das Radwegenetz ist seither ständig überarbeitet und verbessert worden. Seit dem Herbst vergangenen Jahres kommt alles auf den Prüfstand. Die Stadt hat zwei Planungsbüros beauftragt, das Radverkehrskonzept zu aktualisieren und mit Blick für künftige Herausforderungen zu erneuern. Das oberste Ziel lautet dabei: Der Radverkehr soll gestärkt werden.

An den weiterführenden Schulen in Kempen gibt es – wie hier die Ludwig-Jahn-Straße – besonders ausgeschilderte Radfahrstraßen. Foto: Norbert Prümen (nop)

Radfahren in Kempen ist sehr beliebt. Die Wege vor allem in der Innenstadt sind kurz, alles ist mit dem Rad gut erreichbar, das Miteinander von Fußgängern und Radfahrern in der Fußgängerzone klappt in der Regel gut. Defizite in der Radwege-Infrastruktur gibt es aber in den anderen Stadtteilen St. Hubert und Tönisberg. Auch das Radwegenetz in die Nachbarorte ist verbesserungswürdig. Zudem: Es gibt bereits viele Radler, die sind mit E-Bikes unterwegs. Für sie müssen möglicherweise breitere Verkehrswege her und vor allem mehr Elektro-Ladestationen.

All das und auch andere Aspekte hat die Stadt bereits bei einer repräsentativen Bürgerbefragung 2016 erfragt. Damals wurde gemeinsam mit dem Kreis Viersen eine Untersuchung zur Verkehrsmittelwahl vorgenommen. Seit Oktober läuft die Analyse der Radverkehrsinfrastrukur in Kempen. Nun werden die Bürger in den Prozess einbezogen. Am Montagabend kamen rund 100 Interessierte zur Auftaktveranstaltung des Bürgerdialogs in die Mensa im Schulzentrum. In mehreren Arbeitsgruppen wurde eifrig diskutiert. Die Experten der beiden beteiligten Fachbüros, „Planersozietät“ aus Dortmund und Verkehrsplanungsbüro VIA aus Köln, erläuterten verschiedene Themenkomplexe. Zwei davon stießen auf besonders großes Interesse. Bei allen Gesprächsrunden kristallisierten sich Überschneidungen heraus.

Die Radparkanlagen am Kempener Bahnhof sind vor allem bei Pendlern, die den Zug nutzen, sehr beliebt. Sie zählen zu den modernsten ihrer Art. Foto: Norbert Prümen

Thema: Sicherheit für Radfahrer

Die Experten skizzierten anhand von Datenmaterial der Polizei Schwerpunkte, wo es besonders viele Unfälle gegeben hat, an denen Radfahrer beteiligt waren. In den Gesprächsrunden bestätigten die Teilnehmer vielfach die Annahmen der Experten, sie lieferten aber auch etliche Anregungen. Die Verkehrsunfallbilanz der Polizei zeigt beispielsweise, dass der in beide Richtungen befahrbare Radweg an der St. Huberter Straße im Bereich des Bahnhofs zu den kritischen Stellen zählt. Auch an der Berliner Allee könnten Ampelschaltungen für Radler so verändert werden, dass ein gefahrloseres Überqueren vor allem für die Schüler, die zu den weiterführenden Schulen unterwegs sind, möglich ist. Kreisverkehre wurden von den Teilnehmern des Abends als Gefahrenstellen benannt, weil Radler dort vielfach in entgegengesetzter Richtung unterwegs sind und von Autofahrern oft sehr spät wahrgenommen werden. Hier seien die Radler selbst gefordert, zu ihrer eigenen Sicherheit in der richtigen Richtung zu fahren. Moniert wurde auch das Verhalten vieler Radfahrer in der Fußgängerzone. Sie seien oft zu schnell unterwegs und müssten mehr Rücksicht nehmen, hieß es.

In mehreren Arbeitsgruppen diskutierten Bürger am Montagabend mit den Planern über Ideen zur Stärkung des Radverkehrs in Kempen. Foto: Norbert Prümen

Thema: Radverkehr der Zukunft

Beim Radverkehr der Zukunft geht es vor allem um die Frage, ob das Kempener Radwegenetz eine stärkere Beanspruchung verträgt. Müssen nicht eventuell noch mehr Straßen so umgestaltet werden, dass Radfahrer hier Vorrang genießen wie etwa auf den Fahrradstraßen rund ums Schulzentrum? Muss angesichts der steigenden Zahl von E-Bikes über eine Verbreiterung der Radwege oder gar eine Verlagerung auf die Straße nachgedacht werden? Letzteres hätte zur Folge, dass noch mehr Straßen auf Tempo 30 reduziert werden müssten. Schließlich geht es auch darum, das Radwegenetz in die umliegenden Städte und Gemeinden, vor allem nach Grefrath, Tönisvorst und Krefeld, zu verbessern. Das kann Kempen allerdings nicht alleine umsetzen. Was auch wichtig ist: Es muss eine gute Kombination von mehreren Verkehrsmitteln – Fahrrad, Bus oder Bahn und Auto – sichergestellt sein.

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