Der Oedter Wasserturm wurde 1929 errichtet und steht unter Denkmalschutz.

Oedt: Der Oedter Wasserturm wird 90 Jahre alt

Das Baudenkmal wurde 1929 von der Firma Girmes errichtet. Damals wurde Oedt an die Kempener Wasserversorgung angeschlossen. Der Hochbehälter sorgte für den erforderlichen Druckausgleich. Er ist ein Wahrzeichen des Ortes.

Jeder der Oedt besucht, kommt an diesen beiden Wahrzeichen vorbei. Es sind die Kirche St. Vitus, die die Oedter liebevoll „Niersdom“ nennen, und der Wasserturm des ehemaligen Textilunternehmens Girmes AG. Letzterer ist vor 90 Jahren in Betrieb genommen worden. Er versorgte nicht nur das Girmes-Werk mit dem nötigen Betriebswasser für die Produktion sowie der Dampferzeugung, sondern lieferte auch das Leitungswasser für die Oedter Haushalte. Genau genommen muss man sagen, dass die Oedter Kempener Wasser erhielten und der Wasserturm für den notwendigen Druck und für die Wasserreserve sorgte.

1929 wurde Oedt an das Kempener Wasserwerk angeschlossen, nachdem zwei Jahre zuvor die Niers um etwa 300 Meter westwärts verlegt worden war, um durch die Begradigung eine höhere Fließgeschwindigkeit des Flusses zu erreichen und damit den Gestank des Wassers aus dem Ort zu bekommen. Infolge dieser Maßnahme fielen die wasserspendenden Brunnen in den Häusern und auf der Straße leer, weil der Grundwasserspiegel stark sank. Auch die Löschwasserbeschaffung durch die Feuerwehr war dadurch erschwert oder sogar unmöglich gemacht worden. Die Wasserqualität, die die Oedter Brunnen noch lieferten, war als Trinkwasser ungeeignet, und die Verhandlungen mit dem Grefrather Wasserwerk zogen sich hin und scheiterten schließlich.

Kempen lieferte gutes Wasser. Aber durch die sechseinhalb Kilometer lange Fernleitung war der ankommende Druck zu schwach, um das Wasser direkt in die Leitungen der Oedter Haushalten einspeisen zu können. Hier half nun der Wasserturm, der von Girmes gebaut und betrieben wurde, aber zugleich den richtigen Druck für das Oedter Leitungsnetz brachte, indem man das Kempener Wasser mit einer Pumpe am Fuße des Turmes in die beiden Behälter transportierte.

Der Zahn der Zeit nagt an dem Stahlgerüst. Es müsste dringend saniert werden. Foto: Wolfgang Kaiser

Der Doppelwasserturm wurde von der Firma F. A. Neumann in Eschweiler 1928/29 so errichtet, wie er heute noch an der Hauptdurchgangsstraße von Oedt zu sehen ist. Er besteht aus dem Stahlgerüst auf kreisförmigem Grundriss. Im unteren Teil befindet sich der größere der beiden zylindrischen Wasserbehälter mit Kegelboden, der 800 Kubikmeter Werkswasser speicherte. Der obere, kleinere Behälter fasste 175 Kubikmeter Wasser für die kommunale Wasserversorgung. Oben auf der Haube befindet sich in 40 Metern Höhe die Lüfterlaterne.

Der Doppelwasserturm, dessen Bau 1929 rund 175.000 Reichsmark kostete, wurde 1987 mit der Begründung unter Denkmalschutz gestellt, dass er technikgeschichtliche und stadtbildprägende Bedeutung habe und als Beispiel für eine in dieser Zeit geltende Ingenieurästhetik stehe. Wer heute am Fuße dieses Baudenkmales am Rand des großen Parkplatzes eines Lebensmittelbetreibers steht, ahnt die Schönheit vergangener Zeiten und wünscht sich sehr, dass die Stahlkonstruktion dieses Baudenkmals doch bald wieder einen schützenden neuen Farbanstrich erhalten könnte.

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