Stadt Kempen: Der Niederrheiner und seine kleinen Alltagserlebnisse

Stadt Kempen : Der Niederrheiner und seine kleinen Alltagserlebnisse

"Es ist nichts Ernstes" heißt das neue Buch des St. Huberter Autors Jupp Pasch. Er macht sich Sorgen um den Fortbestand der Mundart.

Jupp Pasch hat wieder gelauscht. Was die niederrheinischen Menschen in Alltagsgesprächen so alles wiedergeben, hat der St. Huberter Mundartdichter in seinem neuen Buch "Es ist nichts Ernstes" zusammengetragen. Da geht es um die verschiedensten Dinge, um lustige Begebenheiten, aber auch um eher Nachdenkliches.

Um das alles wirklich verstehen zu können, müssen Außenstehende wissen, wie der gemeine Niederrheiner tickt. Er ist jedenfalls nicht leicht zu überzeugen: "Ich jlaub nicht, dat es so ist wie de sachs, aber wenn et so wäre wie de sachs, dann hättese Recht", zitiert Pasch einen Vertreter dieses ganz besonderen Menschenschlages. Auf rund 50 Seiten geht es quer durch den Alltag: Wartezimmer, Sorgen eines Hundebesitzers, moderne Technik, der englische Hochadel oder in der Apotheke: "Frollein, ich hätte da jerne ein Probleme. Ich brauche eine elastische Binde für meinen Enkel."

Den Begriff Stress definiert der Niederrheiner wie folgt: "Wennze nich mehr weiß, wat hinten und vorn is, wat oben und unten is, wat rechts und links is und du steckst mittendrin, dat ist Stress." Den verspürt der Landbewohner regelmäßig, wenn er sich auf den Weg in die Stadt macht und dort im Schaufenster ihm vollkommen unerklärliche Dinge entdeckt: "Hörense mal, warum heißt dat denn jetz alles Sale, wat man da kaufen kann ?"

Passend zu Jahreszeit wird auch der Weihnachtsbraten thematisiert, der im Januar plötzlich wieder ein Fell bekommt. Ein Problem? Für den Niederrheiner mitnichten: "Wennze en Problem has, darfse kein Problem daraus machen, sons krisse ein Problem." Das ist gelebte Philosophie! Ebenso die Definition des Wortes Konferenz: "Viele gehen erein, wenich kommt eraus!"

Auch wenn das Buch "Es ist nichts Ernstes heißt", macht sich Juppp Pasch doch Sorgen, und zwar um die Mundart. Nur noch eine Minderheit älterer Menschen beherrsche sie aktiv, könne noch Platt sprechen. Einige Jüngere verständen es noch, könnten es aber nicht mehr sprechen. Als Sprache zwischen den Generationen sei die Mundart in unserer Gegend bereits völlig ausgestorben. An die Stelle der Ortsdialekte sei zur Versprachlichung des Alltagsgeschehens eine Art regionale Umgangssprache getreten: "Sie wird am gesamten Niederrhein von heimatliebenden Menschen gesprochen und verstanden."

Auch diese regional gefärbte Alltagssprache ist jedoch sehr gefährdet. Die "Dat-un-Wat-Sprache", prognostiziert Pasch, werde an Bedeutung verlieren und keinen Bestand haben.

Das Buch "Es ist nichts Ernstes" ist ab sofort im Buchhandel erhältlich.

(RP)