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Der Neubau des Hallenbades in Kempen stößt bei Schwimmern auf Kritik

Kempener Badezentrum : Aqua Sol: Kritik an Neubauplänen wächst

Die Stadtwerke Kempen wollen in der kommenden Woche den Bauantrag für den Umbau des „Aqua Sols“ stellen. Unterdessen wächst die Kritik an den Bauplänen. Stadtsportverband und Schwimmvereine bemängeln das Konzept. Die Schwimmausbildung wird nur noch eingeschränkt möglich sein.

Während die beiden Geschäftsführer der Stadtwerke Kempen, Siegfried Ferling und Norbert Sandmann, in der jüngsten Ausgabe des Kundenmagazins den Umbau des „Aqua Sols“ an der Berliner Allee zur „neuen Wasserwelt“ aus Unternehmenssicht als zukunftsweisend anpreisen, wächst der öffentliche Widerstand gegen das 7,5 Millionen Euro teure Projekt, das unmittelbar nach dem Ende der aktuellen Freibadsaison in Angriff genommen werden soll. Die Stadtwerke wollen bereits in der kommenden Woche den Bauantrag bei der Stadt Kempen einreichen. Das teilte Badleiter Wolfgang Werthschulte am Donnerstagabend im Sportausschuss mit.

Dort war der Umbau des „Aqua Sols“ mit dem kompletten Neubau des Hallenbades Thema. Nach dem Gespräch mit den beiden Stadtwerkechefs Ferling und Sandmann am Montagabend bezog der Vorsitzende des Stadtsportverbandes (SSV) Kempen, Winand Lange, für den Verband und die betroffenen Schwimmvereine im Ausschuss Stellung. Lange kritisierte bei allem Verständnis dafür, dass die Stadtwerke als eigenständiges Unternehmen ihre Pläne nicht öffentlich zur Diskussion stellen müssen, deutlich das Vorgehen in der Sache. Erst zu einem Zeitpunkt, als das Planungskonzept längst festgezurrt war, sei es zum Gespräch zwischen Stadtwerken, SSV und Schwimmvereinen gekommen. Aus Sicht des SSV und der Vereine viel zu spät. Wie berichtet wollen die Stadtwerke den Vereinen in einigen Punkten entgegen gekommen, aber nur in „Kleinigkeiten“, wie Lange im Sportausschuss sagte.

Der Stadtsportverband begrüße zwar die Pläne der Stadtwerke als Badbetreiber, durch den Umbau den Erhalt des „Aqua Sols“ für die kommenden Jahrzehnte zu sichern. Mit dem beschlossenen Konzept werde aber „nur die zweitbeste Lösung realisiert“, so Lange. Wie schon von der neuen Initiative zum Erhalt des 50-Meter-Sportbeckens bemängelt, kritisiert auch der SSV die Stadtwerke-Pläne, das neue Hallenbad in dem großen Außenbecken zui errichten. Beim neuen Hallenbad soll es neben einem modernen Fitnessbecken nämlich nur ein 25-Meter-Becken mit vier statt bisher sechs Bahnen geben. Eine Sprunganlage soll es im neuen Hallenbad gar nicht geben.

Aus Sicht des SSV ergeben sich dadurch vor allem gravierende Nachteile für die Schwimmausbildung von Kindern und Jugendlichen. Die können im neuen Bad künftig nur noch das Schwimmabzeichen „Seepferdchen“ erwerben. Aufgrund fehlender Beckentiefe und Sprunganlage seien Abzeichen in Bronze, Silber oder Gold in der Halle gar nicht und in den Außenbecken nur eingeschränkt möglich. Auch das Schulschwimmen werde in dem kleineren Hallenbad nicht mehr im gewohnten Umfang möglich sein, kritisierte SSV-Vorsitzender Lange.

Ähnlich fiel die Kritik von Ulrich Walkenbach aus. Der langjährige Ausbildungsleiter der DLRG Kempen bestätigte in der Ausschusssitzung die von Lange vorgebrachten Bedenken der betroffenen Vereine in Bezug auf die Schwimmausbildung. Vor allem kritisierte Walkenbach, dass die Stadtwerke nicht im Vorfeld der Planungen für den Umbau des „Aqua Sols“ das Gespräch mit den Vereinen gesucht hätten. Gelegenheit dazu hätte durchaus bestanden. Auch die betroffenen Schulen seien bislang über die Änderungen und Einschränkungen offiziell nicht informiert worden.

Sportausschuss-Vorsitzender Jürgen Pascher erklärte, dass bei der Vorstellung der Umbaupläne im Aufsichtsrat der Stadtwerke der Eindruck erweckt worden sei, dass das Konzept mit den betroffenen Vereinen vorab abgestimmt worden sei. SPD-Ratsherr Pascher ist stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrates der Stadtwerke. Das Gremium, dem neben Bürgermeister Volker Rübo als Vorsitzendem Vertreter aus allen sechs Fraktionen des Kempener Stadtrates angehören, tagt regelmäßig, aber nicht öffentlich.

Der geplante Umbau des „Aqua Sols“ war am Donnerstagabend Thema bei der Mitgliederversammlung des Schwimmvereins Aegir Kempen. Im Gespräch mit unserer Zeitung bestätigte Vereinssprecher Florian Kalytta, dass der SV Aegir im Vorfeld der Planung von den Stadtwerken nicht über das Projekt informiert worden sei. „Wir haben davon erst aus der Zeitung erfahren“, sagte Kalytta. Die Traditionsveranstaltung „Kempener Burgsprint“, den der Verein seit Jahren im Sommer im 50-Meter-Außenbecken ausrichtet, findet dort in diesem Jahr zum letzten Mal statt. In abgespeckter Form soll er künftig im Hallenbad über die Bühne gehen.

Der Schwimmverein sieht auch Probleme bei der Austragung von Wettkämpfen im künftig kleineren neuen Hallenbad. „Das wird nur bedingt wettkampftauglich sein“, so Kalytta. „Wir können dort beispielsweise keine Verbandsmeisterschaften mehr durchführen.“ Zudem würden sich Wettkämpfe im kleineren Becken künftig erheblich in die Länge ziehen. Wenn das 50-Meter-Außenbecken mit acht Bahnen künftig komplett wegfällt und nur noch ein 25-Meter-Becken mit vier Bahnen zur Verfügung steht.