Der Förderverein der Zeche Tönisberg wird nicht aufgelöst

Tönisberg : Die Zechenfreunde machen weiter

Für die Mitgliederversammlung des Fördervereins Schachtanlage Niederberg IV in Tönisberg hatte Vorsitzender Peter Kunz die Vereinsauflösung beantragt. Doch die Mitglieder wollten dies nicht. Nun macht Kunz weiter.

Es kommt dann doch manchmal anders, als man denkt: Der Förderverein Schachtanlage Niederberg IV, der sich seit Jahren für den Erhalt und die künftige Nutzung der ehemaligen Zeche auf dem Wartsberg einsetzt, löst sich nicht auf. Bei der Mitgliederversammlung des Vereins kam nicht die erforderliche Mehrheit für einen entsprechenden Antrag des Vorsitzenden Peter Kunz zustande.

Das lag zwar auch daran, dass die Versammlung gar nicht beschlussfähig war. Von den aktuell 69 Mitgliedern waren nur 22 zur Versammlung im Vereinsheim der Kleingartenanlage „Zur luftigen Höhe“ erschienen. Es fehlte genau ein Mitglied, um die Beschlussfähigkeit zu erreichen. Gleichwohl: Peter Kunz zog seinen Antrag auf  Vereinsauflösung zurück. „Das hätte ich auch so getan. Denn nach meiner Ankündigung gab es von Vereinsmitgliedern, aber auch von außerhalb so viel Zuspruch, jetzt nicht einfach aufzugeben. Da konnte ich ja wohl nicht anders“, berichtet Kunz im Gespräch mit der Rheinischen Post.

Peter Kunz (links) und sein Mitstreiter Bernhard Burchardt setzen sich seit Jahren für den Erhalt der Zechengebäude ein. Foto: Kaiser

Der ehemalige Bergmann und seine Zechenfreunde machen also weiter. Sie stecken den Kopf nicht in den Sand, nur weil es für sie seit geraumer Zeit keine Signale gibt, ob ihre Mitarbeit an einem künftigen Entwicklungskonzept zur Nutzung der früheren Zechengebäude und des Geländes auf dem Wartsberg überhaupt erwünscht ist. Wie mehrfach berichtet, stehen die Verkaufsverhandlungen für das Areal zwischen dem bisherigen Eigentümer, der Ruhrkohle AG (RAG), und dem Krefelder Immobilienentwickler Wolf-Reinhard Leendertz unmittelbar vor dem Abschluss.

Leendertz plant bereits die Zukunft des Geländes mit den unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden, darunter dem signifikanten Fördergerüst, einem Wahrzeichen von Tönisberg und des Ruhrbergbaus gleichermaßen. Der Krefelder Investor bringt aus seiner Heimatstadt Erfahrung mit der Entwicklung eines Industriedenkmals mit. In Krefeld will er die ehemaligen Verseidag-Gebäude, die einst der Bauhaus-Architekt Mies van der Rohe entworfen hat, einer neuen Nutzung zuführen.

In Kempen ist man unterdessen guter Dinge, dass Leendertz der richtige Mann fürs ehemalige Zechengelände in Tönisberg ist. Wie berichtet, hat er schon eine eigene Projektentwicklungsgesellschaft, „Die Zeche Verwaltungs GmbH & Co KG“, gegründet. Er hat Mitarbeiter engagiert, die sich um die künftige Nutzung der geschichtsträchtigen Immobilie auf dem Wartsberg kümmern sollen. Peter Kunz steht mit seinen Zechenfreunden sozusagen Gewehr bei Fuß. Als früherer Bergmann hat er sich in besonderer Weise dafür eingesetzt, dass Fördergerüst und Nebengebäude nicht der Abrissbirne zum Opfer gefallen sind, sondern unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Seine Leistung wird von vielen Tönisbergern anerkannt. Aber auch aus Kempen erhielt Kunz, der sich auch in der Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu) ehrenamtlich engagiert, viel Zuspruch. „Viele haben mir in den vergangenen Wochen Mut zugesprochen, nachdem ich die Vereinsauflösung ins Gespräch gebracht hatte“, berichtet Kunz. Dieses „Mutmachen“ hat offensichtlich gewirkt. Kunz macht weiter, der Auflösungsantrag ist in der Schublade verschwunden.

Gleichwohl muss es demnächst eine erneute Mitgliederversammlung des Zechen-Fördervereins geben. Weil die Versammlung zuletzt nicht beschlussfähig war, konnte auch kein neuer Vereinsvorstand gewählt werden. Da aber Kunz’ ebenso rühriger Mitstreiter Bernhard Burchardt nicht mehr für ein Vorstandsamt kandidieren möchte, braucht es einen Nachfolger. Wann der gewählt werden kann, steht derzeit noch nicht fest. Kunz wird aber die Mitglieder rechtzeitig über einen neuen Termin informieren. Denn es soll ja weitergehen mit dem ehrenamtlichen Engagement für ein Industriedenkmal der besonderen Art.

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