Gemeinde Grefrath: "Der demografische Wandel ist gestaltbar"

Gemeinde Grefrath: "Der demografische Wandel ist gestaltbar"

Das erste gemeinsame Bürgerforum von SPD und Grünen wurde am Samstag im Cyriakushaus zu einem vollen Erfolg. Rund 70 Bürger waren gekommen zum Thema "Sieht Grefrath alt aus?"

Ein voller Erfolg wurde am Samstag im Cyriakushaus am Markt das erste gemeinsame Bürgerforum von SPD und Grünen zum Thema: "Sieht Grefrath alt aus?" Ja, muss man eindeutig sagen, denn die Prognosen für die Niersgemeinde bis 2030 besagen, dass die Bevölkerung von derzeit rund 15220 auf 14280 Einwohner abnimmt. Die Zahl der 16-18-Jährigen sinkt in Grefrath um rund 45 Prozent, der 10-15-Jährigen um rund 35,5 Prozent und der 19-24-Jährigen um 32 Prozent, der 45-64-Jährigen um 12,5 Prozent. Demgegenüber steht der Anstieg der 65-79-Jährigen von 28 Prozent und der Anteil der über 80-Jährigen steigt um satte 73 Prozent.

Petra Crone (MdB, SPD) meinte: "Der demografische Wandel ist jedoch gestaltbar, entscheidend ist das Miteinander." Sie sieht aber auch, dass es "höchste Zeit ist zu handeln". Im demografischen Wandel lägen auch "Chancen für den dritten Lebensabschnitt." In Grefrath sei die gestiegene Lebenserwartung (Frauen 82,7 Jahre, Männer 77,7 Jahre) ganz deutlich zu merken. Sie riet der Politik in Grefrath, den "Weg gemeinsam mit den Bürgern zu gehen." Das sah Winfried Hüren vom Verein Älterwerden genauso. Petra Crone riet zur Gründung eines Arbeitskreises "Demografie" oder einer "Demografiewerkstatt." Ebenso verwies sie darauf, dass eine gute Sozialplanung Kosten spare. Noch mehr sollten Kommunen auf diesem Gebiet zusammen arbeiten. Ein weiterer Ansatzpunkt: "Die Potenziale des Alters mobilisieren." Sie riet abschließend dazu, dass demnächst der "Soli" in die Gebiete fließen sollte, die vom demografischen Wandel besonders betroffen seien.

Als exzellenter Fachmann erwies sich Markus Kurth (MdB), Bündnisgrüne. Themen wie "Leben im Quartier", überhaupt "Wohnen und Leben" müssten neu überdacht werden. In Zukunft verwandele sich die Alterspyramide in eine "Alterszwiebel". Durch die Zuwanderung würden die Effekte der demografischen Entwicklung abgemildert. Kurth sprach sich für einen "Masterplan der Quartiere" mit verschiedenen Handlungsfeldern aus. Kurth verwies auf Dänemark, wo es seit 1987 bereits einen Baustopp für Pflegeheime gibt. In den Niederlanden werden "Betreute Wohnzonen" favorisiert.

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Der grüne Sprecher im Landtag für Alter, Pflege-und Gesundheitspolitik, Arif Ünal, regte an, mit dem Alter und der Pflege "anders umzugehen." Eine große Rolle in Grefrath spiele, so Bernd Bedronka (Rats-und Kreistagsmitglied) der ÖPNV. Das sah auch eine aus Düsseldorf zugezogene Neubürgerin so, die meinte: "Ich fühle mich wohl hier, doch man benötigt ein Auto." Für Udo Schiefner (MdB) war klar, dass der Kreis Viersen "dringend ein Nahverkehrskonzept aufstellen" müsse. Er empfahl weiter, dass der Kreis Viersen eine "Demografiewerkstatt" einrichten sollte. Jens Ernesti (Fraktionsvorsitzender der Grünen im Rat Grefrath) brachte den Bürgerbus ins Spiel, der "aber auch angenommen werden muss."

Bürgermeister Manfred Lommetz lief zu wahrer Hochform auf. Er erinnerte daran, dass sich die Gemeinde Grefrath seit einem Jahrzehnt "mit dem demografischen Wandel beschäftige". Lommetz stellte viele gute Dinge der Niersgemeinde heraus - von der guten Infrastruktur (Schulen, Kindergärten, Ärzte, Einkaufsmöglichkeiten, Autobahnanbindungen, kulturelle Angebote) bis zu preiswerten Baugrundstücken sowie den Sport-und Freizeitmöglichkeiten. Er erinnerte jedoch auch an den Verlust von rund 5000 Arbeitsplätzen in den letzten 30 Jahren. Jochen Monhof (Fraktionsvorsitzender der SPD im Rat Grefrath) forderte, sich verstärkt um den Mietwohnungsbau zu kümmern. Bernd Bedronka regte an, "positive Dinge zu erhalten." Einig war man sich darin, dass die ÖPNV-Möglichkeiten erst "ab Kempen oder Viersen" gut sind. Und auch Udo Schiefner (MdB und in Berlin im Ausschuss für Verkehr und Infrastruktur tätig) sah ein, dass der "ÖPNV im Kreis Viersen erheblich besser werden muss."

Von den rund 70 Gästen diskutierten nach dem Ende der rund zweieinhalbstündigen Versammlung noch viele Bürger miteinander. Sie waren dankbar für das erste Forum dieser Art, für das sich SPD und Grüne stark gemacht hatten. Die Zukunft muss zeigen, ob Grefrath, finanziell "nicht auf Rosen gebettet, seine Ziele erreichen kann. Lommetz betonte abschließend: "Wir sind kein Mittelzentrum, sondern ein Unterzentrum mit der Aufgabe der Grundversorgung."

(mab)
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